25.11.2018 - 12:39 Uhr
Ammersricht bei AmbergOberpfalz

Binser und sein Freibier

Als Helmut A. Binser die Bühne des mit 200 Zuschauern ausverkauften Kirwastodl betritt, brandet zum ersten Mal stürmischer Applaus auf. Sogar erste, wohl nicht ganz ernst gemeinte, Rufe nach einer Zugabe sind schon zu vernehmen.

Helmut A. Binser
von Autor TNEProfil

Sein Publikum hat der 38-Jährige aus Runding im Bayerischen Wald, also bereits nach wenigen Sekunden auf seiner Seite. Diese Vorschusslorbeeren gibt der Künstler aber direkt zurück, als er erklärt: "Ich war schon auf der ganzen Welt, aber in Ammersricht ist es am schönsten".

Bereits zum zweiten Mal gastiert Helmut A. Binser beim Ammersrichter Kirwaverein KirwAri, der jährlich mit dem Format Kultur im Kuhstall - in dem jetzigen Kirwastodl waren einst Kühe untergebracht - landesweit bekannte Künstler nach Amberg holt. Im Gepäck hatte er sein aktuelles Programm "Ohne Freibier wär das nicht passiert".

Zu Beginn der unterhaltsamen knapp zwei Stunden plaudert Binser im tiefsten Oberpfälzer Dialekt ("Es ist schön mal wieder zu Hause zu spielen, da versteht man einen auch") ein wenig aus seinem Leben. So habe er aktuell mehrmals mit dem Schnupfen aufgehört oder in Amsterdam nach dem Genuss einiger merkwürdiger Zigaretten lebendige Schaufensterpuppen getroffen. Dann legt er mit seiner Quetschn, die er liebevoll als Karl-Heinzi vorstellt, los und singt über seinen größte Angst: "Dass es Freibier gibt und ich weis nicht wo." Im Anschluss gibt er weitere Einblicke in seinen Alltag, als er zum Beispiel den örtlichen Blitzermarathon gewonnen habe und deshalb zum wiederholten Mal seinen Führerschein abgeben musste. Oder als er nach einer durchzechten Nacht mit einem Dosenfisch auf dem Bauch aufgewacht sei und seine Frau, die er direkt mit falschem Namen angesprochen habe, ihm verkündet, dass er Nachwuchs bekommt. Zwischendrin unterbricht Binser seine Geschichten durch seine Lieder über den Mauersegler, der ohne Geld und Baugenehmigung sich am Kirchturm dass schönste Haus bauen könne und eine Homage an die Frauen seiner Heimat: "Die Beste ist die Oberpfälzer Frau, sie ist so kultiviert und schlau."

Danach stellt Binser den Zuhörern seinen imaginären Hund Aalfred vor, dessen unsichtbare Leine eine Spezialanfertigung sei, die ihm ein Vermögen gekostet habe. Der Entertainer schafft es dabei, so lebendig zu erzählen, dass man den nicht vorhandenen Hund direkt hinter ihm auf der Bühne erahnen kann. Doch der Oberpfälzer, der einst mit "Da Huawa Da Meier und I" durch ganz Bayern getingelt war, kann auch kritische Themen aufgreifen. So wehrt er sich gegen die zunehmenden Digitalisierung aller Lebensbereiche ("Bier schmeckt nur real") oder die Zerstörung von Natur, wenn der 20-Tonnen-Harvester durch den Wald ackere. "Ich hab noch mit einem Opa Holz gemacht. Wenn der einen Baum gefällt hat, galt noch das Motto: Ob du wirklich richtig stehst, siehst du, wenn der Baum einschlägt."

Ein großes Ärgernis sei sein neuer Nachbar, der aus Preußen komme, kein Bier trinke ("Da hab ich schon gewusst, des wird nix mit dem") und seinen Rasen nicht mähe. Mit einem 1,75 Meter hohen, aus Eternitplatten gefertigten Hochbeet sowie einem riesigen Windspiel habe er sich aber zu Wehr gesetzt.

Ein Lied hat er seinem Anrainer auch gewidmet, dessen Titel kurz und knapp das Verhältnis beschreibt: "Mein Nachbar ist ein Depp." Als Binser nach seinem letzten Lied, indem er erzählt, wie er an einem Valentinstag beim Anstehen im Blumenladen im Wirtshaus landete und dort mit seinen Freunden abstürzte, die Bühne verlässt, wird er mit einem Sturm an Zugabe-Rufen wieder zurückgeholt. Der Musiker dankt es seinem Publikum, indem er noch einmal vier Stücke zum Besten gibt.

Helmut A. Binser
Helmut A. Binser
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.