13.05.2018 - 20:10 Uhr
BärnauOberpfalz

Spatenstich für große Mittelalter-Baustelle Ohne Beton und Bagger

Baustellen gibt es viele im Landkreis. Aber so wie die in Bärnau ist keine - ohne Beton, Bagger und andere neuzeitlichen Gerätschaften. Und ohne großen Zeitdruck.

Mehr als nur ein Spatenstich wird notwendig sein, um an dieser Stelle in den nächsten 20 Jahren eine mittelalterliche Reisestation inklusive zwei Meter breiter Stadtmauer entstehen zu lassen. Bilder: dtr (2)
von Redaktion OnetzProfil

Nach gut einem Jahr akribischer Vorbereitungen konnte am Feiertag Christi Himmelfahrt im Geschichtspark Bärnau der Spatenstich für eine der größten Mittelalterbaustellen in Europa gesetzt werden. "Wir mussten erst einmal lernen, dass es beim Bauen einer Burg oder einer königlichen Reisestation natürlich nicht mit einem einzigen Spatenstich beginnen kann", erklärt Archäologe und Museumsleiter Stefan Wolters.

Vor dem ersten Erdaushub gab es zahlreiche Fragen zu klären. So wurde zunächst die Infrastruktur geschaffen, um mit traditionellen Gerätschaften und Bautechniken aus dem 14. Jahrhundert das Holz zu schneiden, die Balken zu behauen, den Kalk zu brennen und den Mörtel zu mischen. Selbst die Werkzeuge wurden mit mittelalterlichem Eisen in Handarbeit geschmiedet, um damit zu graben, die Erde zu transportieren und bald den originalen Flossenbürger Granit zu bearbeiten.

Der Spatenstich sei somit nur symbolisch für ein enormes Projekt, welches auf etwa 20 Jahre angelegt sei, sagte Wolters. Schon die Baugrube umfasse eine 30 mal 40 Meter große Grundfläche. Sie werde etwa eineinhalb Meter tief ausgehoben, bevor es an die zwei Meter breite Stadtmauer ginge. Bei den Arbeiten stehe nicht die Zeit des Fertigstellens, sondern die Genauigkeit der Rekonstruktion im Mittelpunkt.

Der Museumsleiter fand es sensationell, bei diesem Projekt Archäologen, Historiker, Handwerker und interessierte Laien zusammenzuführen und ihnen einen Einblick in die Ursprünge der Baukunst geben zu können. Neben den Universitäten Bamberg, Pilsen und Prag unterstützt nun auch ein Projektteam der Ostbayerischen Technischen Hochschule Amberg-Weiden die archäologische Dauerbaustelle. Besucher, Unterstützer sowie Helfer sind jederzeit im Geschichtspark Bärnau willkommen, betonte Wolters.

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