08.05.2018 - 14:14 Uhr
Oberpfalz

Syrer Ammar Kiki Khersi zeigt alte Handwerkskunst im Stadtmuseum Damaskus ganz nah

Sein Beruf ist sein Leben: Der gelernte Kunstmaler Ammar Kiki Khersi aus Damaskus hält die alte Handwerkskunst der Ornamentik-Malerei auch nach seiner Flucht aus Syrien in Ehren. Jetzt zeigt er sie in einer Ausstellung im Kulturzentrum Hans Bauer.

Prachtvolle Bilder gestaltet Ammar Kiki Khersi in seinem Mini-Atelier. Und mittendrin: moderne Grafik, gepaart mit Damaszener Kunst. "Das FC Bayern-Logo muss sein. Mein Lieblingsverein", lacht der Syrer. Bild: Schönberger
von Stephanie Hladik Kontakt Profil

Auf vier Quadratmetern ist Ammar Kiki Khersi seiner syrischen Heimat ganz nah. Der 26-Jährige hat sich im Keller seiner Wohnung im Karl-Heilmann-Block eine kleine Werkstatt eingerichtet. In unzähligen Stunden verziert er großformatige Bilder, Schatullen, Rahmen, Möbel mit orientalischen Motiven und Sprüchen wie sie normalerweise die Decken und Wände in Moscheen und herrschaftlichen Häusern der arabischen Welt schmücken.

Ammar Kiki Khersi ist Kunstmaler und kam vor drei Jahren als Flüchtling nach Deutschland. Allein schlug er sich damals per Boot und zu Fuß über die Türkei, Serbien und Ungarn nach Deutschland durch. Eltern und Geschwister blieben zurück. Schlepper nahmen sein Geld, er litt Hunger und Durst, und stand viele Ängste aus. Seit 2016 lebt er mit seiner Frau in Weiden. Mit Aufenthaltsgenehmigung, auf die er neun Monate wartete. Der junge Mann ist hochmotiviert. Sämtliche Deutsch-Integrationskurse absolvierte er im Laufschritt. Nur mit einer Arbeitsstelle hat es noch nicht geklappt.

Aber Kiki Khersi gibt nicht auf. Auch Dank der Unterstützung von Iris Körner aus Bärnau, die den 26-Jährigen und seine Familie ehrenamtlich unterstützt. Das Malen hilft dem Syrer, das Erlebte zu verarbeiten. "Gleichzeitig hält es die Erinnerung an die Heimat wach. Alles Schöne dort hat der Krieg zerstört, es ist nichts mehr da", sagt er traurig.

"Al Ajami" heißt übersetzt "Mein Beruf", und ist die Kunst, Decken und Wände mit Ornamenten zu versehen. Das Handwerk wird nur in Damaskus gelehrt und hat eine über jahrhundertelange Tradition. "Mit 15 Jahren habe ich es von meinem Cousin gelernt", erzählt der Syrer. Gemalt wird auf Holz. Die Ideen hole er sich aus der Natur. So zum Beispiel auch aus dem Max-Reger-Park. Florale und geometrische Motive wechseln sich ab. Die Farben sind fröhlich.

Wie entsteht das Bild? "Ich male das Motiv auf Butterbrotpapier, stanze die Umrisse. Mit einem Leinentuchsäckchen, gefüllt mit Kohle, tupfe ich die Ränder entlang und übertrage so die Kontur aufs Holz", sagt Kiki Khersi. Mit einer Masse aus Knochenleim, Gips und Eiweiß gestaltet er dann die Erhebungen, die später den 3-D-Effekt erzeugen. Farbe und Goldlack vollenden die Pracht. "Mit der Ausstellung will ich meine Leidenschaft hier in Deutschland vorstellen", freut sich Kiki Khersi, dass sein Anliegen bei Kulturamtschefin Petra Vorsatz auf offene Ohren stieß.

Ausstellung

Bilder, Schmuckdosen und Kleinmöbel in der "Al Ajami"-Kunst verziert, zeigt die Ausstellung des Syrers Ammar Kiki Khersi vom 13. bis 31. Mai täglich von 12 bis 19 Uhr oder nach Vereinbarung im Kulturzentrum Hans Bauer. Die Vernissage ist am Samstag, 12. Mai, um 19 Uhr . (shl)

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