01.07.2020 - 18:12 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Auf der Tour auf Touren bleiben

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Proviant muss bei einer längeren Radtour in die Satteltasche. Ein Klassiker ist dabei auch heute nicht verkehrt: die Hartwurstsemmel. Gegen den Durst helfen Schorle und Mineralwasser. Auch gegen Süßes hat die Ernährungsberaterin nichts einzuwenden.

Muss unbedingt mit auf die Radltour: ausreichend Flüssigkeit in Form von Saftschorlen oder Mineralwasser.
von Christa VoglProfil

Rückblende in eine Kindheit in den 1970er und 1980er Jahren: eine Radltour an einem sonnigen Wochenende zusammen mit der Familie. Durch die hügelige Oberpfalz geht es bergauf und bergab, dann endlich taucht mitten im Wald der Rastplatz auf. Zeit für eine ausgedehnte Pause, Zeit für Essen und Trinken. Auf dem rustikalen Holztisch wird ausgebreitet, was der Fahrradkorb der Mutter hergibt. Hungrig schnappt sich jeder seine Portion: gegen den Durst ein Sunkist-Trinkpäckchen mit Orangengeschmack und gegen den Hunger zwei Hartwurstsemmeln. Bestrichen mit Butter, belegt mit Salami, und das Ganze wegen der Wärme auch noch auslaufsicher verpackt in Alufolie und Plastiktüten.

Kristina Heinzel-Neumann lacht bei dieser Schilderung, weil sie mit ihren 38 Jahren diese Hartwurstsemmel-Ausflüge genauso erlebt hat. "Grundsätzlich ist das schon keine schlechte Grundlage", sagt die Ökotrophologin aus Erbendorf, aber es gebe durchaus Potenzial zur Verbesserung.

Nicht nur Gemüse

Bevor sie ihre Verbesserungsvorschläge auspackt, erklärt sie eine Sache, die oft falsch gemacht wird: Man sollte bei einer Radtour den Gesundheitsaspekt keinesfalls überbewerten und sich beispielsweise während des Ausflugs nur von Salat oder Gemüsesticks ernähren. "Dadurch sinkt der Blutzuckerspiegel ab, der Kohlenhydratspeicher wird leer, der Körper kann nicht mehr optimal auf vorhandene Fettreserven zurückgreifen." Die Folge: Der Radfahrer fühlt sich kraftlos und bekommt spätestens am nächsten Tag einen gehörigen Muskelkater.

Am besten sei es, so die Ernährungsberaterin, die auch Vorträge an Schulen und in Kindergärten hält, bei der Zusammenstellung des Proviants darauf zu achten, dass verschiedene Komponenten enthalten sind: eine Milchkomponente, eine Getreidekomponente und natürlich ausreichend Flüssigkeit in Form von Saftschorlen oder Mineralwasser.

Findet der Radausflug nicht als "Familien-Event" statt, sondern ist eine anstrengende, lange Tour geplant, gibt es natürlich Alternativen. Auch schon deshalb, weil Sportler oft darauf achten, dass sie nicht zu viel Zusatzgewicht mitschleppen und eine vorgegebene Strecke in einer bestimmten Zeit schaffen wollen. Da habe das Gewicht des Proviants durchaus Auswirkungen auf die Leistung. "Für Sportler gibt es inzwischen auch spezielle Angebote: Power-Riegel, Eiweißriegel, isotonische Getränke und auch abgestimmte Powergels mit Zusatzstoffen." Aber dies alles sei für den "normalen" Radfahrer nicht notwendig, sagt Heinzel-Neumann.

Bleibt noch die Frage, wie man den Proviant am besten verpackt in einer Zeit, in der Umweltschutz und Plastikverbrauch große Themen sind. "Am besten die Sachen in vorhandene Dosen verstauen und vielleicht auch noch einen Kühlakku dazulegen. So kann man auf Alufolie und Plastiktüten verzichten." Aber am allerwichtigsten sei es, den produzierten Abfall - alle Papierchen, Plastikbecher und leeren Gefäße - nach dem Picknick einzupacken und wieder mit nach Hause zu nehmen.

Semmel 2.0

Ganz so schlecht war die Hartwurstsemmel mit dem Erfrischungsgetränk aus dem Packerl ernährungstechnisch also nicht. Und unbestritten ist auch, dass sie damals als Zwischenmahlzeit bei einer anstrengenden Radtour selbst warm noch reißend Absatz fand. Aber natürlich hat die Ernährungswissenschaft in den vergangenen Jahrzehnten neue Erkenntnisse gewonnen und auch die Zusammenstellung des Reiseproviants bei Radtouren beeinflusst. Daher kommt in der heutigen Zeit die antiquierte Hartwurstsemmel leicht verändert daher, sozusagen als "Hartwurstsemmel 2.0": Sie präsentiert sich als ballaststoffreiches Mehrkornbrötchen und mit einer oder zwei Scheiben Salami. Darunter versteckt vielleicht noch ein Klecks Frischkäse oder eine Scheibe Hartkäse. Und selbstverständlich weiß man heute auch, dass das Getränk aus dem Karton zu den Süßigkeiten zählt und keinesfalls mit einer Saftschorle oder purem Mineralwasser zu vergleichen ist.

Eis erlaubt

Apropos Süßes: Darauf muss während einer Radtour nicht verzichtet werden, bei Auswahl und Menge gilt die Faustregel: "Alles, was schmeckt, aber maximal eine Handvoll davon." Denn das decke bereits die Tagesration ab, sagt Kristina Heinzel-Neumann. Möglich sei freilich auch, stattdessen einen Stopp an der Eisdiele einzulegen, und sich dort eine oder zwei Kugeln zu genehmigen. Natürlich nur, um eventuell leere Energiespeicher wieder aufzufüllen.

Hintergrund:

Proviant für eine Radtour ab eineinhalb Stunden

eine Milchkomponente: zum Beispiel Frischkäse, Scheibenkäse und Yoghurt.

eine Getreidekomponente: zum Beispiel Körnersemmel, Knäckebrot, Breze, Reis oder Salzstangen.

Getränke: zum Beispiel Schorle (ein Drittel Saft und zwei Drittel möglichst natriumreiches Mineralwasser) oder Mineralwasser. Für einfache Radtouren wird pro Erwachsenen ein Liter pro Stunde empfohlen.

Tipps:

Essen vor der Tour und nach der Tour

Zum Frühstück vor einer Tagesradtour empfiehlt die Ernährungsberaterin Kristine Heinzel-Neumann vier Komponenten: eine Getreideportion, eine Milchportion, ein Stück Obst und Wasser.

Und wer dann abends hungrig nach Hause kommt? „Einfach essen, worauf man Lust hat“, sagt sie. Will man Gewicht reduzieren: eiweißbetont essen (zum Beispiel Milchprodukte, Fleisch, Fisch, Ei), weniger Kohlenhydrate essen (Brot, Nudeln, Reis, Gummibärchen, Äpfel, Obst) oder weniger süße Getränke zu sich nehmen, um den „Nachbrenneffekt“ zu nutzen.

Man sollte bei einer Radtour den Gesundheitsaspekt keinesfalls überbewerten und sich nur von Salat oder Gemüsesticks ernähren, sagt Kristina Heinzel-Neumann.
Die klassische Hartwurstsemmel ist auch heute nicht verkehrt. Aufs Mehrkornbrötchen darf neben der Salami auch Frisch- oder Hartkäse.

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