17.08.2020 - 08:23 Uhr
EslarnOberpfalz

Pfarrer Martin Rupprecht dankt Feuerwehr: "Euer Einsatz ist der beste Gottesdienst"

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Mitten im Heimaturlaub wird Pfarrer Martin Rupprecht aus Wien Zeuge des Großbrandes von Gleiritsch. Der gebürtige Eslarner ist den Großstadttrubel gewöhnt, sehnt sich danach. Doch der Zusammenhalt im Dorf hat ihn schwer beeindruckt.

Johannes (links) ist der Neffe von Pfarrer Martin Rupprecht (rechts) und war mit seinen Kameraden der Feuerwehr Tännesberg einer der ersten beim Großbrand am Sonntag. Über die Einsatzbereitschaft könne Rupprecht nur staunen.
von Vanessa Lutz Kontakt Profil

Das Dorfleben ist auf Dauer nichts für Pfarrer Martin Rupprecht (57), der in Wien lebt und arbeitet. "Das ist mir zu ruhig." Doch Eslarn, das ist für ihn trotzdem "einfach Heimat", wie er mit Wiener Dialekt sagt. Immer wieder komme er hier her, zum Urlaub machen, zum Durchschnaufen. Seine Familie wohnt in der Gegend, die 80-jährige Mutter im Elternhaus in Eslarn. "Fest verwurzelt" sei er hier. Am Sonntag kam der Pfarrer wieder in Tännesberg bei der Schwester an. Und diesen Kurzurlaub, hier, daheim im beschaulichen Tännesberg, wird Rupprecht wohl nie mehr vergessen. Denn er wurde Zeuge des Großbrands in Gleiritsch. "Eine Fügung" nennt er das.

150 Einsatzkräfte kämpften gegen die Flammen

Gleiritsch

Am Sonntag, als der Bauernhof dort brannte, kam der Pfarrer um 23.30 Uhr gerade "aus der Zoiglstube in Isling", seinem Stamm-Wirtshaus. Sein Neffe Johannes (21), lange Jahre Mitglied bei der Tännesberger Feuerwehr, sei da an ihm vorbeigeflitzt. Stiefel, kurze Lederhose, oben ohne. Draußen habe bereits ein Auto gewartet, "reingesprungen" sei er und davongefahren - hin zum Brandort. Überall sei Blaulicht gewesen, die Sirenen hätten geheult.

Der Pfarrer habe sich schlafen gelegt, "hoffentlich nichts Schlimmes", war sein Gedanke. Irgendwann nachts ging zweimal die Tür. Auf, zu. Einmal war es 3 Uhr morgens, dann 5 Uhr. Es war sein Neffe - um 3 Uhr kam er vom Einsatz zurück, um 5 Uhr ging er ganz normal in die Arbeit.

Rupprecht besuchte am nächsten Morgen die Brandstelle - und staunte. "Der verbrannte Dachstuhl ist schon vom Stall abgeräumt, die Brandstelle sauber. Im Stall halten 100 Eisenstützen die Betondecke. Ringsherum die Gleiritscher Feuerwehr. Sie säubern die Straße, räumen weg, machen Ordnung. Sie halten zusammen", erinnert er sich.

Ein Geschenk sei es für Rupprecht, das mitbekommen zu haben. Denn "die Burschen", wie Rupprecht sagt, seien hier, am Dorf, ganz bescheiden. Gelobt wolle niemand werden. Engagement, das Miteinander für das Dorf, seien da ganz normal. "Die Stiefel stehen einfach immer neben dem Bett."

Vorbildhaft sei der Einsatz der Wehren gewesen, alles habe Hand in Hand funktioniert - und das mache für Rupprecht das Dorfleben aus. "Die Gemeinschaft, das Einbringen im Verein, das Mithelfen und Gestalten - das fehlt in der Großstadt."

Rupprecht braucht Trubel

"Länger als eine Woche halte ich das am Dorf trotzdem nicht aus", gibt Rupprecht zu und lacht dabei. Er meint es aber so. Rupprecht braucht den Großstadttrubel. Viel unterwegs sei er in Afrika, in Millionenstädten wie in Addis Abeba in Äthiopien oder Daressalaam in Tansania, erzählt er. Die Arbeit mit seiner Stiftung führt ihn immer wieder dorthin. Und alleine in seinem Pfarrgebiet in Wien leben 110 Nationen, wie er sagt. Gottesdienste werden da in fünf Sprachen abgehalten.

Am Dorf sei das natürlich anders, idyllischer. "Die Leute arrangieren sich dort miteinander - müssen sie ja auch. Man kann sich nicht aus dem Weg gehen." Auch die Freizeitangebote seien dort eingeschränkter. Vereine seien deshalb ein fester Bestandteil der Dorfgemeinschaft. Ihr Grundpfeiler. Nachhaltig beeindruckt habe ihn dieses Engagement, vor allem am vergangenen Sonntag.

Darum wolle Pfarrer Rupprecht "von Herzen Danke sagen" an die Feuerwehr. "Ihr seid nicht nur die Helden des Tages, der Woche, jederzeit." Vorbilder seien die Wehren - auch für seinen Berufsstand. "Denn da wird wirklich viel gejammert", sagt Rupprecht. "Euer Einsatz – das ist der beste Gottesdienst."

Das Großfeuer hatte in der Nacht zum Montag ein landwirtschaftliches Anwesen in Steinach (Gemeinde Gleiritsch, Kreis Schwandorf) völlig verwüstet. Ställe, eine Maschinenhalle und eine Scheune wurden ein Raub der Flammen. Rund 150 Mann der umliegenden Feuerwehren bekämpften die Flammen von allen Seiten her. Sieben Kälber sind bei dem Brand gestorben, der Schaden beläuft sich auf eine Höhe von circa einer Million Euro.

Hintergrund:

Das ist Pfarrer Martin Rupprecht

Martin Rupprecht (57) ist gebürtiger Eslarner und dort gut bekannt. Sein Vater war Mitglied im Kreisrat, sein Bruder ist bei der örtlichen Feuerwehr. Schon seit 28 Jahren lebt und arbeitet Rupprecht in Wien.

  • Herkunft: geboren und aufgewachsen in Eslarn, aufgewachsen auf dem Bauernhof, fünf Geschwister.
  • Studium: in Eichstätt und Regensburg Religionspädagogik, Philosophie und Theologie
  • Priesteramt: Weihe 1992 in Regensburg. 1994 Gründung der Pfarre „St. Cyrill und Method“ in Wien. Seit 1. Januar 2017 Pfarrer der Pfarre "Hildegard Burjan".
  • Stiftung: Gründung von „Jugend fördern – Grenzen überspringen“. Seitdem vor allem in Afrika unterwegs, um den Austausch zu fördern und junge Menschen zum Einsatz zu bewegen.

Die Feuerwehr war zuletzt sehr gefordert

Schlammersdorf
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