27.07.2018 - 15:30 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Spuren einer entsetzlichen Zeit

Der Dreißigjährige Krieg von 1618 bis 1648 hat in der Region bei der Bevölkerung viel Leid und in der Landschaft viele Spuren hinterlassen. Eine davon ist für Kreisheimatpfleger Peter Staniczek von "überregionalem Rang".

Deutlich sind in der 1611 errichteten Tillyschanze bei Eslarn die Gräben zu erkennen, die einst noch tiefer waren. Von der früheren Bebauung ist nichts mehr zu sehen, aber ein Wald stand damals nicht an der Stelle.
von Thorsten Schreiber Kontakt Profil

1621 rückte das Grenzgebiet in den Brennpunkt der europäischen Geschichte. Ab Juli lagen sich Johann Tserclaes Graf Tilly auf bayerischer und Peter Ernst Graf zu Mansfeld auf böhmischer Seite mit ihren Truppen bei Waidhaus gegenüber, weiß Staniczek.

Am 16. Juli kam es zur ersten großen Schlacht. Im August stieß Tilly mit seinen Männern durch den Pass bei Eslarn vor, den Mansfeld daraufhin besetzen ließ. Die kriegerischen Handlungen endeten erst am 21. September, als Tilly die Befestigungen von Waidhaus übernahm, nachdem Mansfeld diese geräumt und übergeben hatte. Zwischen 1639 und 1647 kam es in der Gegend zu weiteren Auseinandersetzungen zwischen kaiserlichen und schwedischen Truppen. Staniczek hat sich intensiv mit den Anlagen der bereits 1611 errichteten Tillyschanze bei Eslarn beschäftigt, Texte für Info-Tafeln des Oberpfälzer Waldvereins verfasst und das Bodendenkmal auch unter Denkmalschutz stellen lassen. Sonst würde es nicht mehr existieren.

Wo heute nur noch Gräben und Erhöhungen im Forst zu sehen sind, standen früher Gebäude aus Holz. Einen Wald gab es damals nicht, nur vereinzelt Bäume. Aber auch die wurden teilweise umgeschlagen („verhauen“). Die Stämme blieben stehen, der Rest lag wahllos in der Gegend, um feindlichen Truppen zusätzlich ein Vordringen zu erschweren. Die Waldabteilung „Verhau“ an der Grenze bei Eslarn erinnert noch an diese Art der Grenzsicherung.

Einem Verhau gleicht jetzt auch der Weg zum Bodendenkmal. Von der Infotafel am Parkplatz beim ehemaligen Grenzübergang ist die Schanzanlage eigentlich nicht mehr zu erreichen, man muss einen Umweg über das Betriebsgelände der Staatsforsten nehmen. „Das Gebüsch gehört sich einfach einmal ausgeschnitten“, findet der Kreisheimatpfleger.

Heimatforscher Karl Ochantel hat ein umfangreiches Archiv über den Dreißigjährigen Krieg. „An diese Zeit erinnern auch Flurnamen wie Schanzberg bei Waidhaus oder Mansfelder Weg von Waldau nach Roggenstein sowie das Schwedenschanzl bei Obertresenfeld.“ Mansfelds Truppen plünderten am 12. Juli 1620 Schloss Leuchtenberg.

Ein Jahr später blieb auch Kaimling nicht verschont. „Sechs Wochen haben die Weimarer Soldaten in Kaimling Quartier bezogen, geraubt und geplündert. Die Mansfeldschen Truppen lagen bei Waidhaus und zogen plündernd nach Leuchtenberg.“ Weitere Plünderungen gab es 1621 in Vohenstrauß, Altenstadt, Waldau und Floß. „Das niedergebrannte Schloss Waldthurn ist hier nicht mit eingerechnet“, informiert Ochantel. Mansfeldsche Truppen drangen zudem in Moosbach, Burgtreswitz und Altentreswitz ein, die Stadt Pleystein war drei Jahre im Belagerungszustand.

Danach herrschte wohl einige Zeit etwas Ruhe, das Jahr 1633 brachte im Wirrwarr dieser entsetzlichen Zeit jedoch die Pest nach Vohenstrauß. 1634, 1636 und 1641 wüteten dann die Schweden. „Die Untertanen litten unter den unaufhörlichen Truppendurchzügen, Einquartierungen und Kontributionen derart, dass sie sich mit ihrem Vieh beim Anmarsch von Militär in die Wälder flüchteten. Hunger und Pest forderten ihre Opfer“, weiß Ochantel.

Burkhardsrieth wurde damals eingeäschert, Waidhaus geplündert und 1634 von Kroaten niedergebrannt. Ein Steinkreuz bei Braunetsrieth wird im Volksmund als Schwedenkreuz bezeichnet. Hier soll ein Schmied von einem Schweden erschlagen worden sein, es stammt aber wohl aus dem 15. oder 16. Jahrhundert. In Vohenstrauß gab es 1634 für die Armen an der Pleysteiner Straße mit der damaligen Nummer 151 ein kleines Häuschen, in dem notleidende Familien eine Unterkunft fanden. Es wurde 1596 oder 1597 gebaut und war nach der Friedrichsburg lange Zeit das älteste Haus. Weiter heißt es in Ochantels Unterlagen: „Unsägliche Drangsale kamen noch über den Markt. Im Winter 1640 auf 1641 stieg die Not so hoch an, dass sich die Bürger in die Wälder verkrochen. Fast acht Wochen lang währte das Elend.“

Dank Kreisheimatpfleger Peter Staniczek steht die Tillyschanze unter Denkmalschutz.

Diese Tafel informiert über das Bodendenkmal. Links ist zu sehen, wie die Tillyschanze einmal ausgesehen hat.

Deutlich sind die Gräben zu erkennen, die einst noch tiefer waren. Von der früheren Bebauung ist nichts mehr zu sehen, aber ein Wald stand damals nicht an der Stelle.

Wandern zur Tillyschanze:

Wallenstein-Tilly-Weg

Die Gegend ist für Wanderer sehr interessant. Der Wallenstein-Tilly-Weg des OWV entstand als Fortsetzung des Albquerwegs von Nürnberg nach Vilseck mit gleicher Markierung nach Osten (rotes Diagonalkreuz auf weißem Feld). Die Strecke führt von Vilseck über Kohlberg und die Hohe Straße nach Luhe, durch das Luhetal bis nach Leuchtenberg und weiter bis zum Kalten Baum. Böhmischbruck, Tröbes, Eslarn sind unter anderem weitere Stationen, informiert der Kreisheimatpfleger. Ziel ist die Ortschaft Tillyschanz. Dort schließt sich der Fränkische Jakobsweg an, der mit einer weißen Muschel auf hellblauem Grund markiert ist. „Zu den historisch bedeutsamsten Denkmälern dieses an geschichtlichen Zeugen nicht armen Fernwanderwegs zählt zweifelsohne die Tillyschanze“, erklärt Kreisheimatpfleger Peter Staniczek. „Es ist ein Bodendenkmal von überregionalem Rang.“ Die ursprüngliche Eslarner Grenzbefestigung von 1611 dürfte aus einem umwallten Quadrat mit nach Osten vorgelagertem Graben bestanden haben.

Heute sind nur noch die Reste der Befestigungen nördlich der Straße vorhanden, der größte Teil der Anlage wurde beim späteren Straßen- und Häuserbau zerstört. Die bestehenden und deutlich sichtbaren Schanzanlagen haben eine Ausdehnung von rund 90 Metern in west-östlicher und etwa 170 Metern in nord-südlicher Richtung.

Hintergrund:

Der Dreißigjährige Krieg

Der Dreißigjährige Krieg von 1618 bis 1648 war ein Konflikt um die Hegemonie im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation und in Europa. Er hatte als Religionskrieg begonnen. In ihm entluden sich auf europäischer Ebene der habsburgisch-französische Gegensatz sowie auf Reichsebene derjenige zwischen Kaiser und Katholischer Liga sowie Protestantischer Union, heißt es auf Wikipedia. Mit ihren Verbündeten im Reich trugen die habsburgischen Mächte Österreich und Spanien ihre dynastischen Interessenskonflikte mit Frankreich, den Niederlanden, Dänemark und Schweden aus.

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