20.07.2018 - 14:34 Uhr
PirkOberpfalz

Happy-End im Horst

Zwei dramatische Geschichten mit gutem Ausgang: Ein Storch fällt aus dem Nest - und findet eine Familie, die ihn aufpäppelt. Zwei andere genesen in der Auffangstation in Regenstauf - und sind schon wieder ausgewildert.

Die Etzenrichter Störche sind bereits genesen und wieder ausgewildert.
von Rita KreuzerProfil

(zer/war) Ein Storchenjunges im Vorhof. Hermann Schwab erzählt: "Es war am Montagnachmittag, ein Gewitter und sehr viel Wind zog auf. Die Bö beförderte den Storch nach unten. Er fiel raus, mit ausgebreiteten Flügeln". Auch Schwabs Ehefrau Marie-Luise war besorgt. Wichtig war es, den Spaziergänger einzufangen. Er war scheinbar nicht verletzt. Schwab gelang es, ihm in der Garage Schutz zu geben. Aber was tun? Schon 2017 fiel ein Junges aus dem Nest, es war an den Flügeln verletzt und kam in die Storchenklinik nach Regenstauf. Das war in diesem Jahr nicht nötig. Der Storch konnte die Flügel ausbreiten, stolzieren, aber nicht fliegen.

Schwabs Plan: Die Feuerwehr soll den Storch ins Nest heben. Das unterließ er, um die anderen drei Störche nicht zu stören. Der Rat des Landesverbands für Vogelschutz: den Storch starten lassen. Die Schwabs setzten das Tier auf das Flachdach. Prima: es hob ab - landete aber wie ein plumper Sack auf den Beinen. "Wir haben den Vogel wieder eingefangen und setzten ihn in den kleinen schützenden Garten im Innenhof. Hier kann meine Frau ihn durch die Bürotür beobachten und füttern", sagt Hermann Schwab.

Aber was füttern und vor allem - wie? Ratschläge erhielt das Ehepaar im Veterinäramt von Dr. Barbara Bäumler. Auch die Weidener Storchenbetreuerin Helga Bradatsch gab Tipps. "Schweinefleisch geschnitten hat er nicht genommen. Mein Mann kaufte Eintagsküken und Mäuse. Als wir diese auftauten, schleuderte der Jungstorch die mit dem Schnabel an und schwupp, waren sie weg", erzählt Marie-Luise Schwab. Die Küken in einem Eimer voller Wasser frisst der Storch. Dabei trinkt er auch. Solange diese Aufzucht klappt, muss er nicht in die Storchenklinik. So soll er noch eine Woche kontrolliert werden. Weil er schon die Flügel ausbreitet, wird ein Start vom Flachdach möglich sein - vorausgesetzt er zeigt Anlaufsprünge. Noch ist es nicht so weit. Die drei verbliebenen Störche im Nest fliegen auch noch nicht. Die Altvögel warten am Dach und locken. Sie bringen abwechselnd Futter, das sie sich am extra gebauten Weiher holen. Sie suchen Heuschrecken, Insekten, Frösche und Mäuse. Hermann und Marie-Luise Schwab hoffen, dass alles gut ausgeht. Im August starten die Jungvögel in Richtung Süden. Bis dahin müssen sie lernen, sich zu versorgen. Und Fliegen und Landen muss perfekt sitzen.

Auch beim Jungstorch-Quartett im Horst auf dem Etzenrichter Hammeranwesen gab es Drama. "Ungewöhnlich für den Standort hier, dass sich heuer speziell Schwierigkeiten beim Nachwuchs einstellen", erklärt LBV-Fachmann Adolf Küblböck aus Weiherhammer. Es sei bereits ein voll ausgebildeter Jungvogel im Nest verendet, die Feuerwehr übernahm die Bergung des Körpers. Damit nicht genug: Zwei weitere Störche verunglückten bei ihren Flugversuchen, zogen sich Verletzungen zu und wurden in die LBV-Auffangstation nach Regenstauf verfrachtet. Zuvor war eine Suchaktion angesagt: Ein lädierter Bruchpilot hatte sich nach der Havarie in einem Gebüsch versteckt. "Die Verfassung unserer Weißstörche wurde uns als sehr gut geschildert, mit der Empfehlung, sie daheim in den Haidenaab-Auen auszuwildern", freute sich Küblböck mit Linda Hammer. Der Grund: "Hier kommen sie in den Genuss, dass die Altvögel sie bei der Nahrungssuche anleiten". Beringung macht den weiteren Flug- und Lebensradius der Tiere verfolgbar.

"So eine intensive und aufwendige Betreuung ist nur durch die Aufmerksamkeit möglich, die die Hammers seit über 30 Jahren leisten", lobte der Fachmann. Als Startpiste diente eine gemähte Wiese in 200 Metern Entfernung zum Horst: "Die Zwei sind auf das Nest zurück gekehrt", freute sich Hammer über das Happy-End.

Der Jungstorch hat eine gute Betreuung. Langsam wird es Zeit mit dem Ausflug. Wenn die drei Störche vom Nest abfliegen, dann sollte auch der Abstürzer sich dazugesellen.

Der Jungstorch hat eine gute Betreuung. Langsam wird es Zeit mit dem Ausflug. Wenn die drei Störche vom Nest abfliegen, dann sollte auch der Abstürzer sich dazugesellen.

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