29.07.2018 - 08:14 Uhr
FreudenbergOberpfalz

Mit dem Blutmond ins ewige Leben

Wegen der Mondfinsternis kam sicherlich keiner zur Premiere. Was aber könnte dem Freudenberger Brandner Kaspar besser gerecht werden als dieses Jahrhundertereignis, das gleichzeitig über dem Johannisberg sichtbar war?

von Christian LinglProfil

Am Ende der Vorstellung steht einem der Tod keine fünf Meter entfernt gegenüber. Seine Augen zeigen noch immer starke Anspannung, obwohl er seine Aufgabe längst erfüllt hat. Und zwar mit Bravour. Der Tod, oder Boandlkramer wie er im Brandner Kaspar heißt, ist Reinhold Escherl und er ist der unbestrittene Star des Abends. „Ich bin unheimlich zufrieden, dass es so gut geklappt hat. Eine Last ist von mir abgefallen.“ Ein längeres Gespräch kommt so unmittelbar nach Ende des Stücks jedoch nicht zustande. Zum einen sind die Eindrücke der Premiere bei ihm noch zu präsent. Zum anderen drängen sich Massen von Zuschauern um ihn. Jeder klopft ihm auf die Schulter. Diesem kleinen, schmächtigen „Mannerl“, das sich geschmeidig wie eine Katze über die Bühne bewegt. Aber auch linkisch und unsicher, wenn es vom Petrus zum Rapport gerufen wird. Escherl ist wohl die Idealbesetzung dieser Rolle. Jeder möchte ein Foto mit ihm haben. Sogar Alois Karl. Der Bundestagsabgeordnete war zu Gast auf der Premiere und ist hellauf begeistert. „Ich war beim letzten Mal schon hier, aber das ist so gut gespielt, die Kulisse ist herrlich und auch das Publikum ist so gut.“

Dieses spendete entsprechend viel Applaus für das Ensemble. Aber eigentlich müsste man treffenderweise sagen für das Dorf. Natürlich sind es die Sprechrollen, die am meisten gewürdigt werden. Der Brandner ist jedoch eine Gemeinschaftsproduktion. Alleine knapp 70 Schauspieler wirken mit, aber der Festspielbetrieb erfordert auch noch jede Menge anderer, sichtbarer und unsichtbarer Helfer. Kurzum, so gut wie ganz Freudenberg und Wutschdorf ist an der Produktion beteiligt.

Zum vierten Mal spielen die Freudenberger nun das Stück unter freiem Himmel auf dem Kirchplatz. Dabei halten sie sich an das Original von Kurt Wilhelm. Sowohl in Bühnenbild, in Kostümen und selbstverständlich in Mundart, auch wenn sie dem lokalen Idiom angepasst wurde. Nur Erzengel Michael, alias Norbert Altmann, darf bisweilen auch hochdeutsch sprechen. Der Vorsitzende der Bauernbühne nimmt Anleihen bei Bully Herbig im "Schuh des Manitou", ohne jedoch zu dick aufzutragen. Das Publikum honoriert es mit Lachsalven. Gott sei Dank erspart die Freudenberger Bauernbühne dem Publikum einen Laserschwert tragenden Michael.

Der Namensgeber des Stücks, dargestellt von Spielleiter Benno Schißlbauer, steht dem Boandlkramer schauspielerisch in nichts nach. So wie auch all die anderen Mitwirkenden. Sei es Bernhard Bamler als heiliger Petrus oder Ramona Miesbeck als Marei, die hier stellvertretend erwähnt seien. Jeder für sich ist sehr nahe dran an der Idealbesetzung.

Das sah auch der ehemalige Landrat Armin Nentwig so. Für ihn könnten alle Schauspieler am Staatsschauspiel tätig sein. „Es ist eine Freude, als Zuschauer so etwas erleben zu dürfen.“ Aber auch ein Privileg. Denn alle Vorstellungen sind seit über einem Jahr ausverkauft.

Blick hinter die Kulissen

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