03.08.2018 - 09:05 Uhr
Krickelsdorf bei HirschauOberpfalz

Zithersieg im Biergarten

Samstagmorgen, die Sonne scheint, die Bedienung stellt das erste Weizen auf den Tisch. Entspannte Gelassenheit. Doch Martha Pruy zittert. Ob der musikalische Frühschoppen hält, was er verspricht?

Der Andrang ist schon mal nicht schlecht. Ein gewogenes Publikum hat sich eingefunden unter den schattigen Bäumen des Wirtshauses zur Linde in Krickelsdorf. "Alles Mamas und Papas, Omas und Opas", erzählt Pruy. Die Kreisheimatpflegerin hat die Eltern ihrer Schüler eingeladen. "Die Kinder sollen zeigen, was sie können." Aber auch klarstellen, dass die Stubenmusik nicht zum alten Eisen gehört.

Als Paul Gallner loslegt, ist der Beweis schon erbracht. Der Bub aus Schnaittenbach ist mit seinen sechs Jahren der jüngste der Volksmusikkinder. Und er spielt mehrere Stücke auf dem Hackbrett. "Ohne Noten", wie Pruy betont. "Weil den Spaß an der Freude lassen wir uns nicht mit der Theorie verderben." Pauls Geschwister Franz (4) und Greta (3) sitzen daneben und machen große Augen.

"Zither, was ist das überhaupt? Kannst Du mir mal ein Bild schicken?" Cornelia Siegert (18) aus Gebenbach musste ihren Freunden per Whats-App erst einmal eine Erklärung zu ihrem Hobby liefern. Corniela gehört wie sechs andere Jugendliche zur neu gegründeten Gruppe "Dou di niat o". Zwei Hackbretter, zwei Zithern, zwei Gitarren und eine Harfe lautet die Besetzung. Mit dabei sind neben Cornelia noch Michaela Stauber (20, Atzmannsricht), Martina Dotzler (14, Gebenbach), Teresa Stauber (18, Atzmannsricht), Theresa Schreglmann (18, Kainsricht), Christoph Ott (15, Weiher) und Noah Hausmann (14, Schnaittenbach).

Die Harfe spielt Michaela Stauber (20) aus Atzmannsricht. "Mal was anderes", wie sie lächelnd erklärt. "Harfenspieler gibt es jetzt im Landkreis nicht so viele." Und Stubenmusiken, die von Jugendlichen gemacht werden auch nicht. Doch Martha Pruy und ihre Mitstreiterin Rita Butz tun alles, damit sich das ändert - vor allem an diesem Vormittag. Sie präsentieren ein weiteres Trio: Raphael Plankl (8) aus Gebenbach, Maria Dotzler (9) und Tamia Stauber (10, beide aus Burgstall). Raphael spielt Gitarre, die Mädchen singen.

"Vor den Sängerinnen hab ich großen Respekt", sagt Butz. "Viele Musikanten verstecken sich ja gerne ein bisschen hinter ihrem Instrument. Wer aber singt, der gibt ganz viel Persönliches von sich preis." Maria und Tamia singen aus voller Kehle und gehen dabei von Tisch zu Tisch. Auch zu Ingrid Gericke. Die Schnaittenbacherin gilt in der Szene als eine Ikone. Zusammen mit ihrer Zither und ihrem Mann Franz ist sie schon in vielen Ländern und im Fernsehen sowieso aufgetreten.

Mit drei Stücken zeigt sie den Kindern und Jugendlichen, was man aus einer Zither so alles herausholen kann - sogar einen Swing-Klassiker. Gericke hat die Geschwister des Saiteninstruments dabei, eine Auto-Harp, wie sie die amerikanischen Cowboys für die Country-Musik verwenden und ein Raffele aus der Schweiz. "Die Zither ist sehr vielseitig", lacht sie und deutet auf die vielen Saiten. Annchristina Neuberger (15) aus Atzmannsricht darf gleich mal zeigen, was das heißt. Sie ist erst umgestiegen auf das Instrument, weil sie sich weiterentwickeln will.

"Musikmachen schult die Sinne und formt die Persönlichkeit", ist Kreisheimatpflegerin Pruy überzeugt. "Und Volksmusik stärkt ganz besonders auch die sozialen Bindungen." Das Musizieren in der Familie sei da ganz wichtig. "Es bringt nichts, wenn man die Kinder nur zum Unterricht bringt und sonst nichts mit der Musik zu tun haben will." Die Eltern müssten schon immer wieder ermuntern: "Spiel mir was vor!" Und am besten selbst mitspielen. "Spielerisch eben. Das ist gelebte Volksmusik."

An diesem Vormittag lebt die Volksmusik. Mamas und Papas, Omas und Opas grinsen wie die Honigkuchenpferde, die Kinder und Jugendlichen sind stolz auf den Applaus. Die Skepsis am Anfang war ganz umsonst. Der Frühschoppen war ein Zithersieg ohne zittern.

Kontakt:

Stubenmusik im Landkreis Amberg-Sulzbach

Wer sich dafür interessiert, ein Instrument, wie Zither, Harfe oder Hackbrett zu lernen, kann mit Kreisheimatpflegerin Martha Pruy Kontakt aufnehmen. Sie ist zu erreichen unter Tel. 09622/4120. Ausbilderin und aktive Musikantin in diversen Gruppen ist Rita Butz. Auch sie gibt gerne Auskunft: Tel. 09621/63594.

So hören sich die jungen Stubenmusikanten an

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