14.07.2018 - 12:18 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Mülltourismus sorgt für Ärger

Die Sperrmüllsammlung 2018 wird unter der Rubrik "Rekorde" in die Chronik des Landkreises eingehen. Doch Fahrzeuge mit tschechischen und polnischen Nummern kurven Tag und Nacht durch die Straßen. Viele Bewohner sind genervt.

Auf Kleinlastern und Autoanhängern mit osteuropäischen Kennzeichen werden überwiegend Fahrräder und Elektrogeräte gestapelt. Die Möbel bleiben meist liegen.
von Gertraud Portner Kontakt Profil

(ptr) Die kostenfreie Sperrmüllabholung für Privathaushalte bietet der Landkreis Schwandorf im Abstand von mehreren Jahren an. Die letzte Aktion fand vor vier Jahren statt. Doch das was heuer am 9. April in Burglengenfeld startete, und am 27. Juli in der Gemeinde Thanstein vorbei sein wird, ist einmalig. "Es ist ein Phänomen und nicht zu verstehen", sagt Hans Prechtl, Pressesprecher des Landratsamtes Schwandorf, auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien. "Wir sind regelrecht überschüttet worden und hatten schon zur Hälfte der Aktion die Menge erreicht, die ansonsten im gesamten Jahr gesammelt wird."

Zu größeren Verschiebungen im Tourenplan kam es nicht. Das Landratsamt hatte Puffertage eingeplant und das Gebiet für drei Abfuhrunternehmen aufgeteilt. "Wenn ein Bereich in Verzug war, konnte das andere Unternehmen trotzdem termingerecht anfangen", betont Prechtl. Verzögerungen verursachten dabei die Zwischenfuhren zum Müllkraftwerk Schwandorf. Hier landete der klassische Sperrmüll, während Schrott und Holz - wie auch über den Wertstoffhof - einer zertifizierten Versorgung zugeführt werden. "Wir können erst am Ende des Jahres Bilanz ziehen, ob in den Wertstoffhöfen weniger angeliefert wird", meint der Pressesprecher. Denn viele Möbel lagerten augenscheinlich schon länger am Dachboden oder Keller und wären dort wahrscheinlich noch Jahre stehen geblieben. Eine Mengen-Kontingentierung sei am Landratsamt bisher kein Thema.

Die ersten zwei Juli-Wochen stand die Sperrmüllsammlung im Altlandkreis Oberviechtach im Abfallkalender, der wie man das Gefühl hat, europaweit im Internet gehandelt wird. Kleinlaster und Autoanhänger, überwiegend mit tschechischen und polnischen Kennzeichen, kurvten Tag und Nacht durch die Straßen - immer in der Hoffnung, es könnte noch jemand etwas Neues vor die Tür stellen. Dabei war auch die Gefahr groß, dass "aus Versehen" Sachen eingetütet werden, die deren Eigentümer bestimmt nicht entsorgen wollten. In der Sailergasse beobachtete beispielsweise ein osteuropäisches Paar ein am Hauseingang abgestelltes Fahrrad und fragte vorbeigehende Passanten "Das Sperrmüll?".

Auch Profis waren unterwegs, die weite Anfahrten auf sich nehmen und die Gegenstände gewerbsmäßig weiterverwerten. In Teunz hatten die osteuropäischen Sperrmüll-Touristen zwei Zwischenlager eingerichtet. Während die Tschechen den Parkplatz beim SpVgg-Sportplatz nutzten, hatten sich die Polen am anderen Dorfende, am Waldfrieden niedergelassen. Hier wurde die Ware mit kleinen Transportern und Autoanhängern angekarrt, aussortiert und dann mit großen Lkw's in die Nachbarländer gebracht. "Das ist eine Müll-Mafia", schimpften etliche Bürger verärgert. Auch wenn die Aktion jetzt vorbei ist, sind die Plätze nicht restlos geräumt. Letztendlich werden es dann wohl die Gemeinden sein, die wieder für Sauberkeit in ihren Fluren sorgen müssen. Die nicht vom Abfuhrunternehmen mitgenommenen Gegenstände in den Straßen müssen allerdings von den jeweiligen Besitzern einer ordnungsgemäßen Entsorgung zugeführt werden.

"Dem Landratsamt sind diese Begleiterscheinungen nicht verborgen geblieben", sagt Hans Prechtl. Allerdings sei es nachvollziehbar und plausibel, dass Leute etwas mitnehmen, was andere nicht mehr brauchen und weggeschmissen haben. Doch auch das Verhalten der Bevölkerung befeuere den Sperrmülltourismus. Denn wenn die Sachen nicht erst am Vorabend, sondern schon etliche Tage vorher auf der Straße lagern, lockt das natürlich zum Durchfahren an. Außerdem würden gehäuft Güter rausgestellt, die bekannterweise von den Sammelfahrzeugen nicht mitgenommen werden, wie Autoreifen, Elektrogeräte, Fernseher, Badkeramik. "Die große Masse der Bevölkerung sieht die kostenfreie Sperrmüllsammlung aber sehr positiv", bekräftigt Prechtl. Trotzdem seien natürlich Beschwerden beim Sachgebiet Abfallwirtschaft am Landratsamt eingegangen. Auch die Anrufe von Bürgern, die sich in ihrem Sicherheitsgefühl beeinträchtigt sahen, würden ernst genommen. Am Ende der Aktion werde Bilanz gezogen und dann neu entschieden - unter Abwägung der verschiedenen Modelle zur Sperrmüllentsorgung. Die erste flächenmäßige Sammlung wurde vor circa 20 Jahren ins Leben gerufen. "Aber da hatten wir noch nicht das gut ausgebaute System der Wertstoffhöfe", betont Prechtl. Klar sei derzeit nur eines: "Es ist die größte Sperrmüllaktion, die es im Landkreis gegeben hat und geben wird."

Sperrige Holzabfälle wurden vom Abfuhrunternehmen Lober mit einem Spezialfahrzeug abgeholt.

Verlassen und nicht abgeholt: In Teunz hatten die polnischen und tschechischen Sperrmülltouristen je ein Zwischenlager eingerichtet (im Bild: beim SpVgg-Fußballplatz). Diese sind bis auf einige unbrauchbare Sachen mittlerweile wieder aufgelöst.

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