25.02.2021 - 10:40 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

Grafenwöhrer Schüler im Homeschooling: Soziale Kontakte fehlen

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Eines haben Lehrer und Schüler der Grafenwöhrer Grund- und Mittelschule im Homeschooling gemeinsam: Ihnen fehlen die sozialen Kontakte. Aber nach einiger Eingewöhnungszeit machen sie nun das Beste daraus.

Klassenlehrerin Kerstin Schröder und Lehramtsanwärterin Nicola Putzer sitzen beim Online-Unterricht vor dem großen Whiteboard. Nach der Einarbeitungszeit ist die Situation mittlerweile zum Alltag geworden.
von Stefan NeidlProfil

Am frühen Morgen haben Klassenlehrerin Kerstin Schröder und Lehramtsanwärterin Nicola Putzer das Klassenzimmer der 4a noch ganz für sich allein. Denn die Schüler sind im Homeschooling. Bevor der Online-Unterricht über eine Chat-, Konferenz- und Videoplattform beginnen kann, müssen die beiden Lehrerinnen noch letzte Vorbereitungen treffen.

Schröder erklärt ihren Plan für die Woche: In Mathematik stehen Längenumrechnungen an, in Deutsch sollen Zeitformen geübt werden und im Heimat- und Sachkundeunterricht geht es um das sichere Fahrradfahren mit Fahrradhelm. Dafür erklärt sie ihren Schülern in zwei Liveblöcken à 60 bis 90 Minuten pro Tag die Theorie. Dann müssen die Schüler dies eigenständig mit Übungsaufgaben einstudieren. Diese liegen in "analogen Päckchen" im Eingangsbereich des Schulhauses für die Woche parat und können dort abgeholt werden.

Kamera keine Pflicht

Nach Beginn der Online-Konferenz werden die 23 Schüler zum Anwesenheits-Check namentlich aufgerufen. In den seltensten Fällen liegt eine Abwesenheit daran, dass die Schüler verschlafen haben, erklärt Schröder – meist sind es Verbindungs- oder Softwareprobleme. Den Schülern ist freigestellt, ob sie ihre eigene Kamera aktivieren – Datenschutz lässt grüßen. Darum erscheint oft nur ein schwarzes Bild mit dem Namen der Kinder auf dem großen White-Board im Klassenzimmer.

Um die Schüler bei Laune zu halten, gestaltet Schröder ihren Unterricht interaktiv. Sie macht gerne Frage-Antwort-Spiele zu den Themen. Die Nachbereitung kann dann alleine oder in einem privaten Chat-Room mit einem Partner erfolgen. Die Ergebnisse können als Datei oder Foto hochgeladen werden, sodass Schröder diese in Echtzeit kontrollieren kann.

Schröder hält ihren Distanzunterricht mittlerweile wie ihren Präsenzunterricht ab. Sie merke viele Lerneffekte bei sich und den Schülern: Was am Anfang noch schwer im Umgang mit dem Programm und den neuen Umgangsformen fiel, sei mittlerweile in Fleisch und Blut übergegangen. Oft hält sie Rücksprache mit Eltern. Allerdings mussten auch geringe Anpassungen gemacht werden. Das Kultusministerium habe beim Stoff abgespeckt, der Rückblick auf das Wochenende, ein beliebtes Ritual am Montagmorgen der 4a, ist weggefallen, dafür wurde die "warme Dusche" zum Geburtstag eines Kindes wieder eingeführt: "Jeder Klassenkamerad muss am Ehrentag etwas nettes über das Geburtstagskind sagen."

Mehr Flexibilität nötig

Außerdem ist viel Flexibilität gefordert: Sie weiß, dass nicht alle Eltern zu Hause helfen können: "Wir wollen dass Eltern nicht Lehrer spielen müssen." Oft fragten Schüler auch außerhalb der Schulzeiten mal etwas und schon ploppe die Frage auf ihrem Handy auf. Diese Fragen beantworte sie dann auch außerhalb der normalen Schulzeiten gerne: "Ich nehme meine Schüler mit aufs Sofa – besondere Situationen verlangen eben besonderes Handeln."

Vom Stoff ist Schröder so weit wie in einem normalen Schuljahr auch, erklärt sie. Aber eines vermisse sie und das gehe ihren Schülern genauso: die Nähe zu einander, den Augenkontakt, ritualisierte Vorgänge, den persönlichen Umgang. Darum sei für sie auf Dauer der Präsenzunterricht alternativlos. Gleichzeitig wünsche sie sich für eine Nach-Corona-Zeit, dass das Digitale nicht wieder in der Schublade verschwindet, sondern ein Baustein für zukünftigen Unterricht werden soll.

Lehramtsanwärterin Nicola Putzer ist seit September im Referendariat mit der Fächerkombination Kunst und Sport. Anstelle von Turnübungen in der Sporthalle stellt sie nun Links von Online-Übungen in die Klassengruppe. Die Kick-Zahlen verraten ihr, dass die Schüler diese auch tatsächlich ansehen. Der Präsenzunterricht in ihrer Ausbildung fehlt ihr, aber sie gibt sich zuversichtlich: "Ich werde von der Schule stets ermutigt, viel neues auszuprobieren und meine Erfahrungen eben digital zu sammeln." Schröder lobt sie als Digitalexpertin, die den Unterricht so bereichert.

Schüler vermissen Freunde

Auch für die Schüler hat das Homeschooling Licht und Schatten: Paula Findling ist 13 Jahre alt und besucht die 8. Klasse der Grund- und Mittelschule bei Lehrerin Annika Heisig. Die Schülerin vermisst ihre Freunde, darum wird viel im Internet besprochen: "Das soziale Leben findet jetzt eben online statt." Sie findet es auch schwieriger, Fragen zu stellen. Diese schreibe man nun per Text und warte auf Antwort, anstelle einfach die Hand zu heben. Aber sie lobt die Lehrer für deren Einsatz und Verständnis. Auch merkt sie, dass die Toleranz bei Terminen deutlich größer ist.

Ihre Mutter Melanie arbeitet als Köchin im Kindergarten und auch deren Mann ist berufstätig. Für sie ist es ein Glück, dass Schwager und Großvater gleich nebenan wohnen und so immer jemand bei der Aufsicht von Paula und ihren Geschwistern unterstützen kann. Dennoch räumen die Eltern ein, dass es für sie im Augenblick weniger Freizeit als zu normalen Schulzeiten gibt. Paula hat noch einen 8-jährigen Bruder und eine 18-jährige Schwester – deshalb hat die Familie einen Leihlaptop von der Schule bekommen, um nicht drei Geräte selbst haben zu müssen.

Die 8-jährige Summer Kastenmeier tat sich anfangs schwer mit dem Online-Unterricht. Sie besucht die Klasse 3b bei Lehrerin Ingrun Allwardt und räumt ein, dass ihr das Lernen in der Schule leichter fällt. Auch sie hat von der Schule ein Leih-Tablet erhalten, damit sie sich mit ihrer Schwester am Gymnasium in Eschenbach nicht um das Heim-Notebook streiten muss. Mittlerweile hat sie sich mit der Situation arrangiert und hätte kein Problem, wenn der Lockdown länger dauert. Und doch vermisse sie ihre Freunde und den sozialen Kontakt, der im Augenblick nur aus Chatten und Telefonieren besteht. Sie wünscht sich darum sehnlichst eines: "Dass Corona endlich vorbei ist." Einen Wunsch, den wohl viele Menschen teilen.

Homeschooling in der Realität

Amberg
Paula Findling beim Online-Englischunterricht. Den gibt Schulleiterin Anja Bräu sogar selbst. Auch Bruder Ben ist im Homeschooling. Mutter Melanie guckt mal über die Schulter.
Summer Kastenmeier fiel es Anfangs schwer, auf den Kontakt zu Freunden in der Schule zu verzichten. Mittlerweile hat sie sich an den Unterricht zu Hause gewöhnt.
Hintergrund:

Darum bleiben die Schulen in Weiden und im Landkreis zu

  • Zahl der Neuinfektionen ist in den letzten Tagen gestiegen
  • Neuinfektionen verteilen sich diffus in der gesamten Bevölkerung; alle Altersstufen betroffen
  • Kein spezieller Hotspot; Eingrenzungen damit nicht möglich
  • Anteil der britischen Verdachtsfälle mit erhöhter Übertragbarkeit weiter an

 

 

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