07.06.2018 - 16:10 Uhr
KulmainOberpfalz

Gefährliche Raupe

Der Eichenprozessspinner erobert den westlichen Landkreis. Zunächst ist in Kulmain der Hundeübungsplatz betroffen. Dann wird er auch beim Mehrzweckgebäude der Immenreuther Feuerwehr entdeckt. Beide Kommunen reagieren umgehend.

Hoch oben in einer Eiche in Kulmain ein Gespinstnest mit unzähligen Eichenprozessionsspinnern.
von Bernhard KreuzerProfil

(bkr) Die Plätze sind mit roten Flatterbändern abgesperrt, auch haben die Gemeinden Hinweisschilder anbringen lassen. Am Samstag wurden die Raupen des Nachtfalters in Kulmain auf dem Areal des Schäferhundevereins und am Mittwoch auf der Fischerwiese in Immenreuth entdeckt. Die Kommunen reagierten als Eigentümerinnen der Grundstücke sehr schnell und erklärten die Areale zu „Sperrzonen“.
Während in Immenreuth nur ein Gespinstnest gut sichtbar ist, sind es an einer Kulmainer Eiche gleich ein halbes Dutzend. Am Donnerstag nahmen Johannes Bradtka vom Amt für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten in Tirschenreuth, Außenstelle Kemnath, Kulmains Bürgermeister Günter Kopp, Geschäftsleiterin Kathrin König sowie der zweite Vorsitzende des Schäferhundevereins, Heinz Zucker, den befallenen Baum in Augenschein. Den Eichenprozessspinner gebe es schon seit Millionen von Jahren, erklärte Bradtka. Bisher sei er in Gegenden mit Weinbauklima aufgetreten. Die Menschen dort hätten gelernt, mit ihm zu leben. Aufgrund des Klimawandels sei es nur eine Frage der Zeit gewesen, bis er unsere Region erreicht, erklärte Bradtka. Heißes und trockenes Wetter begünstige seine Verbreitung. Kalte Winter schadeten dem Schmetterling dagegen nicht, jedoch nasskalte Witterung, die die Bildung von Pilzen begünstigt. „Der Eichenprozessspinner kann schnell wieder verschwinden“, betonte Bradtka.
Er führte weiter aus, dass die Härchen der Raupe schwere allergische Reaktionen auf der Haut hervorrufen und beim Einatmen unter Umständen lebensgefährlich sein können. Dies betreffe ebenso Tiere. Auch Dauerschäden seien möglich. Bei größerem Populationsdruck weiche der Eichenprozessspinner in Ausnahmefällen auch auf andere Bäume aus. Bei der Bekämpfung beraten die Landratsämter die Kommunen.
Bradtka riet, die Bekämpfung Spezialfirmen zu überlassen. Mit handelsüblichen Staubsaugern alleine könnten die Raupen oder deren hinerlassenen Gespinstnester nicht abgesaugt werden. Die giftigen Brennhaare behielten auch nach Jahren ihre Wirkung. Der Wind trage sie weit weg.
Eine Begiftung der Raupen ist nur nach Genehmigung durch die Regierung mit unzähligen Auflagen erlaubt. Die Giftstoffe hemmen die Häutung der Raupen, die dann zerplatzen. Ein "Schnapsidee" ist für den Fachmann, die Gespinstnester mit Haarspray einzusprühen und dann abzusaugen.
Die beiden betroffenen kommunalen Gelände zunächst bis auf Weiteres gesperrt. Für die Mitglieder des Hundevereins entfällt damit auch die Schafkopfrunde am Wochenende.

 

 

 

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