10.05.2018 - 10:30 Uhr
Oberpfalz

Kolumne: OTon Du bist, was du isst

Schluss mit Spritzmitteln und Schummeleien bei Lebensmitteln. Mein Salat wächst auch ohne Chemie - genau wie vieles andere. Man braucht nur Mut, etwas zu verändern.
von Anne Spitaler Kontakt Profil

"Weißt du eigentlich, was genau du da so genüsslich in dich reinstopfst?", fragt die Vernunft und deutet auf den Teller. "Klar, ich sehe es ja", erwidert die Naivität irritiert und lugt zu der zartrosa Scheibe auf dem weißen Porzellan. "Es ist Schinken." "Aber bist du dir wirklich sicher, dass die Wurst nicht künstlich zusammengesetzt wurde?" "Quatsch. Wer würde denn so etwas machen?", wundert sich die Ungläubigkeit, die neben der Naivität sitzt. "Denkste", schaltet sich plötzlich das Wissen ein. "Schaut doch mal genau hin."

Das Wissen hatte kürzlich eine Undercover-Dokumentation gesehen und mal wieder genau aufgepasst. Ein Metzger zeigte, wie aus Wurstresten - sogar von verschiedenen Schweinen - mit Hilfe von ein paar Mittelchen eine schön-faserige, zartrosafarbene Scheibe Schinken wurde. Stück für Stück zusammengeklebt durch Zusatzstoffe. Die Augen der Ungläubigkeit und der Naivität werden bei jedem Wort größer, doch das Wissen erzählt einfach weiter: "Damit Rindfleisch schön rot-saftig aussieht, setzte der Metzger eine Spritze mit Wasser an und schummelte so auch beim Gewicht und der Farbe", erklärt der Schlaumeier in der Runde.

"Und das ist noch lange nicht alles. In einer anderen Dokumentation mischte ein Apotheker zu Demonstrationszwecken lustig Zutaten zusammen, um ein angebliches Nahrungsergänzungsmittel herzustellen. Darunter war auch eine giftige Substanz, um zu zeigen, wie es heutzutage auf der Welt zugeht. Denn eine detaillierte Kontrolle für das Mittel gab es nicht. Die Ampulle hätte auf den Markt gedurft, und die Menschen hätten es eingenommen, ohne zu wissen, was drin ist." Die Ungläubigkeit schüttelt den Kopf: "Das kann doch nicht wahr sein."

"Aber was können wir jetzt machen?", fragt die Naivität geschockt. "Besser darauf achten, was ihr esst", rät das Wissen und räuspert sich. "Wie wäre es denn mit einem eigenen Gemüsebeet? Spritzmittel kommen so nicht mehr an Salat, Tomate, Gurke ran. Erdbeeren schmecken viel besser, sobald echte Sonnenstrahlen sie gestreichelt haben und sie rot anlaufen. Und auch ein paar Hühner danken es euch mit einem gesunden, goldgelben Eidotter." Die Naivität kratzt sich am Kopf und schiebt nachdenklich die Unterlippe vor: "Ich glaube, es ist einen Versuch wert."

Da schaut plötzlich das Gewissen um die Ecke, kommt erleichtert und mit federndem Schritt auf die Gruppe zu, klopft der Naivität auf die Schulter und murmelt: "Schön, dass du dir ein Huhn zulegen willst. Bei dir wird es das Tier gut haben. Ich hätte auch schon einen Namen, nenn es doch Karma."

OTon

Wir sind junge Mitarbeiter der Oberpfalz-Medien. Im „OTon“ werden wir in losen Abständen über das berichten, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen. Alle Teile dieser Kolumne sind zu finden unter onetz.de/oton.

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