21.04.2018 - 22:50 Uhr
Oberpfalz

Kardinal Beran – ein toter Antikommunist kehrt zurück

Von sechs schwarzen Rössern wurde der mit Blumen geschmückte Wagen auf dem der Sarg von Kardinal Josef Beran ruhte vom Strahov Kloster zum Veitsdom gebracht. Die Beisetzung findet am Tag des böhmischen Landespatrons, dem Heiligen Adalbert angesetzt. Hinter dem Sarg Kardinal Duka
von Rainer ChristophProfil

Prag. (cr) "Frühling in Prag und gewaltige Glockenklänge am Freitag und Samstag in der Stadt. Nach 50 Jahre kehrte am Donnerstag letzter Woche der Leichnam des ehemaligen Kardinal Josef Beran mit dem Flugzeug nach Prag zurück. Sein Weg führte ihn am Freitag unter großer Anteilnahme zunächst ins Strahov Kloster. Am Samstag wurde der Sarg von sechs schwarzen Pferden auf einer Bahre im Rahmen einer Prozession zum Veitsdom gebracht. Mit dabei unter der Leitung von Kardinal Duka, höchste kirchliche Vertreter aller Orden und vieler Religionsgemeinschaften. Eine gewaltige Menschenmenge, mit dabei Gruppen mit Bannern, Trachten- und kirchlicher Vereine schlossen sich dem Trauerzug an. "
Ein letztes Kapitel kommunistischer Willkür wurde abgeschlossen In der Krypta des Petersdoms lag mit den Päpsten bislang nur ein Kardinal begraben. Es war der Tscheche Josef Beran, der 1969 im Exil in Rom starb. Die damalige kommunistische Regierung der CSSR, untersagte strikt den Leichnam zu überführen. Nicht einmal tot wollte man ihn ins Land lassen. Eigentlich war es ein Zufallsfund, der den Anlass dazu gab, mit dem Vatikan über die Umbettung von Josef Beran zu verhandeln. Der 29. Dezember 1888 in Pilsen geborene Kardinal ist derzeit in einen Seligsprechungsprozess eingebunden. Im Pilsner Dom wird um das Gebet der Gläubigen für ein gutes Ergebnis gebeten. Für dessen Vorbereitung wurde sein Nachlass von Rom nach Prag gebracht. Bei der peniblen Sichtung der Unterlagen wurde ein vergessenes Testament gefunden. Darin war der Wunsch des Kardinals entdeckt in seiner tschechischen Heimat beigesetzt zu werden. Josef Beran musste seine letzten Lebensjahre im Exil im Vatikan verbringen. Da die Kommunisten seinen Leichnam nicht in die damalige ČSSR überführen ließen, wurde er als einziger Tscheche im Petersdom beigesetzt, wo sonst nur Päpste die letzte Ruhe finden.
Papst Franziskus respektierte den Wunsch des Kardinals
Ein Jahr lang hatte der tschechische Botschafter beim Vatikan, mit den zuständigen Stellen über eine Umbettung der Gebeine des toten Kardinals verhandelt. Papst Franziskus stimmte nachdem er die Hintergrundinformationen hatte dem Wunsch zu. Während der NS-Herrschaft im sogenannten "Protektorat Böhmen und Mähren" war Josef Beran ins KZ Dachau verschleppt worden. In der kommunistischen ČSSR wurde er 1949 wegen eines regimekritischen Hirtenbriefs 14 Jahre unter Hausarrest gestellt. Im Rahmen eines Hochverratsprozesses enthob ihn das Regime als Bischof von Prag. 1965 konnte er dank der Bemühungen von Papst Paul VI. nach Rom ausreisen um am Zweiten Vatikanischen Konzil teilzunehmen. Auch in der Zeit des Prager Frühlings änderte sich nichts. Den mutigen Josef Beran konnte niemand zum Schweigen bringen. Immer wieder meldete er sich kritisch über Radio Vatikan zu den unmenschlichen Vorgängen in seiner Heimat. Seine letzte Rundfunkrede stammt vom Januar 1969. Hier geißelte er die russische Regierung nach dem Überfall, der die Selbstverbrennung des Studenten Jan Palach und vier weiterer junger Tschechen auslöste. Seine Worte: „Ich verbeuge mich vor ihrem Heldenmut, auch wenn ich ihre verzweifelte Tat nicht gutheißen kann." Einigen Monate später starb Kardinal Josef Beran am 17. Mai 1969. Es war eine große Ehre, als ihm der Papst die Beisetzung in der Krypta des Petersdoms bewilligte. Am Montag um 18 Uhr wird der Kardinal im Prager Veitsdom feierlich seiner letzten Ruhe übergeben. Während des Wochenendes wird sein Sarg dort aufbewahrt, dass die Gläubigen von ihm Abschied nehmen können

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