21.06.2018 - 17:53 Uhr
KemnathOberpfalz

Das Prinzip Hoffnung ist strafbar

Der Prozess um die Cannabis-Plantage von Bad Lobenstein endet mit Haftstrafen für beide Angeklagte. Der 54-Jährige und der 30-Jährige, beide aus dem Landkreis Tirschenreuth, sind geständig.

Die Angeklagten, ein 54-Jähriger und ein 30-Jähriger aus dem Landkreis Tirschenreuth, müssen sich am Donnerstag vor dem Schöffengericht in Rudolstadt (Thüringen) verantworten.
von Anne Spitaler Kontakt Profil

Von Martin Lücke

Im außergewöhnlichen Gerichtsprozess um die Cannabis-Plantage in einer früheren Waschbretterfabrik bei Bad Lobenstein hat das Schöffengericht am Amtsgericht Rudolstadt (Thüringen) das Urteil gesprochen. Die beiden – nicht vorbestraften – Angeklagten wurden wegen des gemeinschaftlich betriebenen Handels mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge zu Haftstrafen von zwei Jahren und sechs Monaten verurteilt.

Dass am Ende kein allzu mildes Urteil durch Richter Andreas Spahn und die zwei Schöffen zu erwarten sein würde, konnten Beobachter schon zu Beginn ahnen. Einer der beiden Rechtsanwälte, Volker Beermann, bat eingangs darum, mit der Staatsanwältin Jana Kohlros ein Rechtsgespräch führen zu dürfen. Er wollte für die Angeklagten, den 54-jährigen Unternehmer aus dem Landkreis Tirschenreuth und einen 30-Jährigen (ebenfalls aus dem Landkreis Tirschenreuth), eine Verständigung mit der Staatsanwaltschaft aushandeln. Richter Spahn machte sogleich klar: „Ich bin kein Freund dieser Dealerei“, und meinte damit in diesem Fall mögliche Absprachen zwischen Staatsanwaltschaft und Verteidigung.

Dennoch befürworte er Gespräche zwischen den Verfahrensbeteiligten, sie sollten nur eben im Saal stattfinden. Es folgte die erste von mehreren Beratungs-Unterbrechungen auf Antrag der Rechtsanwälte. An die Verlesung der Anklage schloss sich eine umfassende Einlassung der Angeklagten an, die von Rechtsanwalt Beermann vorgetragen wurde.

Im Geständnis wurde eines deutlich. Die Männer bestreiten nicht, die laut der Aussage eines Kriminalpolizisten äußerst professionelle Cannabis-Plantage mit dem Ziel betrieben zu haben, damit Geld zu verdienen. Doch der Verteidiger zeigte einen ursprünglich ganz anderen Schwerpunkt der Unternehmung auf: Angesichts einer vermuteten baldigen Legalisierung der Droge hätten die Angeklagten die aufwendige Anlage mit Belüftungs-, Licht- und Bewässerungssystem errichtet, in der Hoffnung, später eine Genehmigung zu erhalten. Zudem hätten sie angenommen, mit dem sogenannten Cannabidiol (CBD) ein Arzneimittel herstellen und gewinnbringend verkaufen zu können.

Das Ergebnis dieser Arbeit hält das Urteil fest: Fast 18 Kilogramm Blattmaterial und 1833 Gramm des verbotenen Wirkstoffs THC haben beide auf diese Art produziert. Nichts davon ist in Umlauf gebracht worden, wobei die Angeklagten nicht ausschlossen, dass sie dieses später noch versucht hätten, nachdem ihnen klar wurde, dass die anderen Pläne nicht aufgehen würden.

„Das Prinzip Hoffnung ist strafbar“, fasste es Staatsanwältin Kohlros zusammen. Den Grenzwert für eine nicht geringe Menge Rauschgift haben die Angeklagten um das 130-fache überschritten. Eine mildere Strafe sei daher nicht denkbar, schloss Richter Spahn die Urteilsverkündung. Zuvor hatten sowohl der 54-jährige Angeklagte als auch der technik- und wissenschaftsaffine Kopf des Projekts, der 30-Jährige, noch selbst Reue geäußert. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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