08.05.2018 - 18:00 Uhr
KirchenthumbachOberpfalz

Bittprozessionen vor Christi Himmelfahrt: So war's früher "Heiliher Hoppsassa" neu in der Litanei

Die Fronleichnamsprozession ist schon immer ein öffentliches Bekenntnis zur Eucharistie und die Lichterprozession beim Kirchenthumbacher Bergfest Ausdruck der Marienverehrung. Um Schutz vor Unwettern, um das Gedeihen der Feldfrüchte und um das tägliche Brot wird bei drei Bittprozessionen vor Christi Himmelfahrt gebetet.

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Von Georg Paulus

Die Bitttage wecken bei mir Erinnerungen an die Zeit vor mehr als einem halben Jahrhundert. Früher war es üblich, dass aus jedem Haus eine Person an den Bittgängen teilnahm, aus Bauernhöfen sogar zwei: Bauer, Bäuerin, einer der Knechte oder eine Magd. Die Gläubigen nahmen sich die Zeit, um gutes Wetter, um eine gute Ernte, um das tägliche Brot zu beten.

In einem Messbuch des Benediktiner-Ordens ist nachzulesen, dass, "wenn im Frühjahr Fluren grünen und eine gute Ernte versprechen, aber auch durch Frost und Hagel vernichtet werden können, die Prozessionen den ohnmächtigen Menschen mahnen, sich demütig und vertrauensvoll an den Geber alles Guten zu wenden".

Der Bittgang der Kirchenthumbacher Pfarrei nach Schlammersdorf begann immer in aller Frühe. Den Ministranten mit Kreuz und wehenden Fahnen folgten wir Schüler der oberen Klassen, weil wir für die Bittprozessionen immer schulfrei hatten. Dann kamen der Kaplan und die Männer, dann die Frauen.

Es waren keine normalen Straßen, auf denen wir pilgerten, es waren ungeteerte Straßen, die uns als Wege beim Beten und Singen dienten. Schlimmer war, wenn wir über mit Wurzeln übersäte Waldwege laufen mussten - da ist man leicht gestolpert. Waren wir an der Pfarrkirche mit den Kirchenthumbacher Pilgern und den Bauern der angrenzenden Dörfer aufgebrochen, so wurden es unterwegs immer mehr Beter: Bewohner von Orten entlang unseres Pilgerweges reihten sich ein.

Durch den Wald

Manchmal ging es bei den Bittgängen nicht sehr ernst zu. In Erinnerung ist mir noch ein Bittgang, bei dem wie immer Herr Schieder aus Metzenhof vorgebetet hat. Weil man sich bei Litaneien nicht besonders konzentrieren muss, hatte der Kaplan gebeten, in den Wäldern wegen der Stolpergefahr die Allerheiligen-Litaneien zu beten.

Einmal ist unser Vorbeter just in dem Moment gestolpert, in dem er den heiligen Antonius anrufen wollte. Herr Schieder hatte zwar schon angesetzt, und die Gläubigen vernahmen auch das "Heiliger", aber wegen des Stolperers dann ein "Hoppsassa". Auf diesen neuen "Heiligen" nicht gefasst, antworteten die Gläubigen wie gewohnt: "Wir bitten dich, erhöre uns." Von Beten war danach minutenlang keine Rede mehr - vielleicht musste selbst der liebe Gott darüber schmunzeln.

Wenn wir aus dem Wald heraus kamen, den Schlammersdorfer Kirchturm sahen, Pfarrer und Ministranten die Bittprozession abholten, wir unter Glockenläuten in die Pfarrkirche einzogen und dort mit Orgelklang begrüßt wurden: Dann waren wir froh, dass es geschafft war.

Ein "Spitzl" und eine Limo

Wir Kinder freuten uns auf die Brotzeit nach der "Schauermesse". Es gab für jeden immer ein "Spitzl", ein Paar Knacker und eine Limo. Auch die Erwachsenen machten Brotzeit, meistens gab es eine warme Stadtwurst, Brot und dazu eine oder zwei "Halbe". Gestärkt ging es nach einer Stunde zurück. In der Kirchenthumbacher Pfarrkirche endete mit dem Wettersegen dann der Bittgang.

Die Sassenreuther St.-Georgs-Filialkirche war am zweiten Tag das Ziel des Bittgangs, auf den wir uns ebenso freuten. Der Grund: Nach den Strapazen des Wegs wurden wir nach der Messe beim "Steiger-Wirt" mit Knackern und einem "Windsheimer" belohnt.

Der kürzeste Bittgang war der zur Bergkirche, die damals auf den Kreuzweg-Stufen zu erklimmen war. Leider gab es als Dank für uns Kinder weder eine Brotzeit noch ein "Kracherl", wie das Limo genannt worden ist: Wir waren ja nicht "aushäusig", sondern zum Mittagessen daheim.

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