24.11.2020 - 12:26 Uhr
KrummennaabOberpfalz

Inklusives Gemeindehaus Krummennaab - Ein Ort für alle

Barrierefrei und offen für alle Menschen: So soll das evangelische Gemeindehaus in Krummennaab nach der Sanierung genutzt werden – ein Leuchtturmprojekt in der Region.

Die Kirchenvorsteherinnen Petra Prölß und Katharina Purucker stehen mit Pfarrer Manuel Sauer (von links) vor dem evangelischen Gemeindehaus in Krummennaab, das in den nächsten Monaten inklusiv und behindertengerecht umgebaut wird.
von Katrin Pasieka-Zapf Kontakt Profil

Große Pläne hat die evangelische Kirchengemeinde Thumsenreuth-Krummennaab für ihr Gemeindehaus in Krummennaab. Das Gebäude soll in Zukunft generationenübergreifend und inklusiv genutzt werden. Dazu wurde ein Runder Tisch Inklusion ins Leben gerufen, der die Kommune und weitere gesellschaftliche Akteure mit einbezieht. Das Projekt ist in dieser Form im Landkreis Tirschenreuth und Dekanat Weiden einzigartig.

"Ins Rollen gebracht haben das Projekt Pfarrerin Nadine Schneider und der damalige Bürgermeister Uli Roth", erzählt Pfarrer Manuel Sauer, der die Pfarrei derzeit übergangsweise leitet. Dass das Gemeindehaus erhebliche Mängel aufweist und saniert werden müsste, stand bereits vor drei Jahren fest. Bis zur geplanten Fertigstellung im kommenden Jahr will die Kirchengemeinde das Gemeindehaus innen und außen sanieren und behindertengerecht umbauen. "Ziel ist es, das Haus möglichst vielen unterschiedlichen Gruppen zur Verfügung zu stellen", sagt Pfarrer Manuel Sauer. Für den Kirchenvorstand steht fest: "Wenn wir es machen, dann ordentlich" – aber woher wissen, was Menschen mit Behinderung benötigen?

Taktile Führung weist den Weg

Die Kirchengemeinde bat Christina Ponader vom Netzwerk Inklusion im Landkreis Tirschenreuth um Rat. Ein Runder Tisch, bestehend aus Familien-, Behinderten- und Seniorenbeauftragen, Vertretern von Vereinen und dem Netzwerk Inklusion, berät über Ideen und Möglichkeiten.

Ziel ist es, das Haus möglichst vielen unterschiedlichen Gruppen zur Verfügung zu stellen.

Pfarrer Manuel Sauer

Bisher hat sich die Runde drei Mal getroffen. "Zusammen haben wir ein Gebäudekonzept erstellt", erklärt Ponader. Dabei orientiert sie sich an den Vorgaben der Aktion Mensch. Man stellt zunächst fest, welchen Bedarf die unterschiedlichen Gruppen haben und wie die Räume genutzt werden sollen und können. Daraus ergibt sich auch, welche Aktivitäten möglich sind.

Der Plan ist wie folgt: Vom Bürgerpark aus wird es einen behindertengerechten Zugang zur mittleren Etage geben. In der befindet sich derzeit und auch nach dem Umbau der große Gemeindesaal. "Die Toiletten werden behindertengerecht umgebaut", sagt Kirchenvorsteherin Petra Prölß. Die bisherige Küchenzeile wird in den Gemeindesaal verlegt. Die offene Küche wird dann für Rollstuhlfahrer nutzbar sein – sprich mit einer unterfahrbaren Spüle. Auch hier der eindeutige Tenor: "Jeder soll die Küche nutzen können." Für Blinde und Sehbehinderte wird es auf dem Fußboden eine taktile Führung geben.

Jugend zieht ins Dach

Änderungen gibt es für den bisherigen Jugendraum. "Der zieht vom Erdgeschoss unter das Dach", sagt Manuel Sauer. Zudem entstehen im Dachgeschoss mehrere Besprechungszimmer. Der Raum im Erdgeschoss kann dann multifunktional verwendet werden. Der Zugang hierzu ist ebenfalls barrierefrei.

Pfarrerin Nadine Schneider hat die Oberpfalz verlassen

Thumsenreuth bei Krummennaab

Das Interesse am inklusiven Gemeindehaus war im Ort schnell geweckt. "Die Gruppenleiter und Beauftragten der Vereine waren sehr erfreut, dass die evangelische Kirche bereit ist, so etwas zu machen", erzählt Katharina Purucker, die ebenfalls im Kirchenvorstand tätig ist. Alle waren begeistert, dass dieses Haus für alle nutzbar sein soll. "Ich bin der Meinung, dass es nur miteinander geht", sagt Pfarrer Sauer. Seiner Meinung nach ist es schwierig, wenn jede Gruppe ihre eigene Suppe kocht. Wenn viele sich für diese Idee begeistern lassen, wird das Haus für viele einen Nutzen haben. "So stell ich mir die Kirche von heut vor", sagt Sauer. Auch Vertreter der katholischen Pfarrgemeinde sind mit im Boot. "Die Ökumene wird bei uns seit Jahrzehnten gelebt", sagt Petra Prölß. Es sei ganz normal, sich bei Veranstaltungen gegenseitig zu besuchen.

Für eine Mitnutzung haben bereits der Kindergarten und die Schule von Krummennaab angefragt. Sollte die Corona-Pandemie geteilte Gruppen erfordern, gäbe es hier Ausweichklassenzimmer beziehungsweise Gruppenräume.

Auch Kirche soll inklusiv werden

Bis Ende nächsten Jahres sollen alle Arbeiten am Gemeindehaus erledigt sein. Im ersten Schritt wird das Dach erneuert, später folgt die Außenfassade. Im letzten Schritt stehen die Innenarbeiten an. "Für die Dach- und Spenglerarbeiten konnten wir Firmen aus der Region gewinnen", sagt Pfarrer Sauer. Der Inklusionsgedanke geht in Krummennaab über das Gemeindehaus hinaus. Langfristiges Ziel sei es, auch die Leonardikirche barrierefrei zu gestalten und inklusive Gottesdienste anzubieten.

Das neue Gemeindehaus ist für Christina Ponader vergleichbar mit einem Mehrgenerationenhaus". "Die verschiedenen Angebote werden das Haus beleben", sagt sie.

Dass die Kirchengemeinde von sich aus das Thema Inklusion anpackt, ist für Ponader einmalig. Das inklusive Gemeindehaus ist ihrer Meinung nach das erste und einzige kirchliche Gebäude in der Region. "Es ist eine Chance für die Gemeinschaft und die Zusammengehörigkeit im ganzen Ort", sagt sie.

Für die Komplettsanierung rechnet man mit Kosten von 320.000 Euro. 150.000 Euro übernimmt die Gemeinde, die 120.000 Euro durch Fördergelder der Städtebauförderung erhält. Der Rest wird von Geldern aus dem Dekanat, der evangelischen Landeskirche und durch Eigenmittel der evangelischen Kirchengemeinde beglichen.

Dort, wo Petra Prölß, Katharina Purucker und Pfarrer Manuel Sauer stehen, entsteht eine offene, und inklusive Küche.
Neben dem neu gestalteten Bürgerpark befindet sich die Leonardikirche und das evangelische Gemeindehaus.

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