30.08.2019 - 17:48 Uhr
KümmersbruckOberpfalz

Seniorenwohnpark Kümmersbruck: Baustart Ende Oktober

"Jetzt wird's ernst", sagt Bürgermeister Roland Strehl: Ende Oktober beginnt in Kümmersbruck die Erschließung für den Seniorenwohnpark am Rathaus. Ein eigenes Viertel, ganz speziell für Ältere.

Das Modell des Kümmersbrucker Seniorenwohnparks am Rathaus: Zwischen dem Rathaus-Rundbau (links) und dem AWO-Seniorenheim (vorne rechts) entstehen drei Wohnblöcke (Bildmitte), rechts daneben in dem quadratischen Bau soll unter anderem ein Kindergarten Platz finden und im Vordergrund sind ein Dienstleistungszentrum sowie eine Erweiterungsmöglichkeit für die AWO zu sehen.
von Heike Unger Kontakt Profil

Auch in Kümmersbruck wächst der Anteil der älteren Bevölkerung. Und, erfreulich für den Bürgermeister: Diese Senioren wollen in der Gemeinde bleiben und nicht wegziehen, um altersgerecht zu wohnen. Das müssen sie auch nicht: Die Gemeinde und ein Investoren-Duo wollen mit der Arbeiterwohlfahrt (AWO) als weiterem Partner zwischen dem Kümmersbrucker Rathaus und dem AWO-Seniorenheim ein ganz neues Viertel schaffen, das speziell auf die Bedürfnisse alternder Bewohner ausgerichtet ist.

Barrierefreie Eigentumswohnungen in ökologischer Holzbauweise mit Tiefgaragenstellplätzen, nach Wunsch buchbare Leistungen wie Hausmeister oder ambulante Pflegedienste, Einkaufsservice, Praxen für Ärzte und Therapeuten und E-Car-Sharing sollen hier verfügbar sein. Strehl schwärmt von einem "Wohnpark mit hohem Aufenthaltscharakter", viel Grün und beruhigten Innenbereichen. Gebaut werden sowohl frei finanzierte Appartements als auch Sozialwohnungen. Letztere errichtet die Gemeinde Kümmersbruck, die damit in den sozialen Wohnungsbau einsteigt.

Das, gibt Bürgermeister Strehl zu, sei wegen der vielen staatlichen Vorgaben gar nicht so einfach. Und wohl auch der Grund dafür, dass sich viele Kommunen an dieses Thema gar nicht erst heranwagen, wie Herbert Mirbeth anmerkt. Der ehemalige Bürgermeister von Hemau, frühere Landrat des Landkreises Regensburg und Ex-Landtagsabgeordnete ist als Projektentwickler und Berater in der eigens für dieses Vorhaben gegründeten Herbstwiesen Kümmersbruck GmbH tätig. Seine Partner sind sein Sohn Florian (Verkauf) und Thomas Semmler (Bauleitung) von der gleichnamigen Holzbau-Firma. Alle drei haben ein ähnliches, wenn auch deutlich kleineres Seniorenwohnprojekt schon erfolgreich in ihrem Heimatort Hemau verwirklicht.

Der dortige Erfolg habe letztlich auch Bürgermeister Strehl überzeugt: Nachdem man fast zwei Jahre mit ihm im Gespräch gewesen sei, sei bei einer Besichtigung der Anlage in Hemau "der Knoten geplatzt", schildert Mirbeth erfreut. Dessen kommunalpolitische Erfahrung und die positiven Äußerungen der Hemauer Wohnpark-Bewohner waren laut Strehl maßgebliche Gründe, dass Ähnliches nun auch in Kümmersbruck entsteht. Planerisch mit an Bord sind das Büro Stadt und Raum Martina und Stephan Dietrich (Konzept/Planung), Landschaftsarchitekt Lösch sowie Renner und Hartmann Consult (Erschließung). Erschließung ist ein gutes Stichwort für Roland Strehl: "In der letzten Oktoberwoche wollen wir damit anfangen", kündigt er im Gespräch mit der Redaktion an. Dieser Teil soll bis zum nächsten Sommer fertig sein: "Im Juli/August spätestens wollen wir da ein Band durchschneiden." Von der Schulstraße aus soll der Seniorenwohnpark erschlossen werden.

Einzug "Ende 2020"

Thomas Semmler will dann auch schon im November mit dem Bau der Gebäude beginnen. "Ende 2020" sei als Einzugstermin realistisch, meint er. Zunächst entstehen zwei Baukomplexe - ein frei finanziertes Wohngebäude und ein Dienstleistungszentrum. Die Gemeinde Kümmersbruck wird für ihren Part, den sozialen Wohnungsbau, etwas länger brauchen. "Wir hoffen, dass wir 2020 anfangen können", gibt Strehl als Zeithorizont für den dritten Gebäudekomplex vor.

Info:
  • Etwa 1500 Quadratmeter Wohnfläche entstehen laut Herbert Mirbeth unter Regie der Herbstwiesen-Gesellschaft im Seniorenwohnpark Kümmersbruck. Geplant sind 19 unterschiedlich große Appartements (55 bis 95 Quadratmeter).
  • Die Wohnungen sind seniorengerecht geplant – alle „barrierefrei bis zum Bad“, wie es Mirbeth formuliert, mit Aufzug bis in die Tiefgarage, in ökologischer Holzbauweise (KfW-Effizienzhaus 40) und überdachtem Freisitz (Loggia oder Balkon) und Hackschnitzel-Fernwärme-Versorgung von der nahe gelegenen Schule.
  • Rund 1000 Quadratmeter Nutzfläche wird der Dienstleistungsbereich haben. Man führe bereits Gespräche mit Partnern, die hier ihre Dienste, speziell für Senioren, anbieten sollen. Geplant sind drei Geschosse für Läden wie Apotheken und Praxen (Ärzte/Therapeuten) und Wohnen (im obersten Geschoss) – und zwar ganz bewusst nicht als Konkurrenz zu den Geschäften an der Vilstalstraße.
  • Aus der bereits bestehenden Seniorenwohnanlage (13 Wohnungen) in Hemau weiß Herbert Mirbeth, dass es älteren Menschen nicht leicht fällt, ihre gewohnte Umgebung zu verlassen. Dennoch entschieden sich viele, ihr Haus gegen eine seniorengerechte Wohnung zu tauschen – weil ihnen Gartenarbeit, Winterdienst oder Treppen im Haus zu anstrengend geworden sind. Trotzdem seien diese Menschen noch selbstständig, im „aktiven Ruhestand“ und damit eine „Sandwich-Generation“ zwischen der berufstätigen und der, die Betreuung im Heim braucht.
  • Eine kleine, aber doch bemerkenswerte Erkenntnis nimmt Mirbeth aus Hemau mit nach Kümmersbruck: Dort sollen alle Wohnungen eine kleine Computer-Ecke bekommen, damit die Bewohner auf diese inzwischen vertraute Technik nicht verzichten müssen, auch wenn sie kein Arbeitszimmer mehr brauchen.

Vorstellung des Modells

Kümmersbruck
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