07.11.2019 - 17:47 Uhr
MantelOberpfalz

Nach langer Diskussion im Marktrat von Mantel: Große Mehrheit genehmigt sozialtherapeutische Einrichtung

Der Antrag auf Neubau einer Einrichtung für ehemals suchtkranke Menschen kommt für viele Markträte überraschend. Doch letztlich lehnen nur zwei von 15 Stimmberechtigten die Baugenehmigung ab.

Anhand von Bildern und Grundrissen erläuterte Alexander Robl vom Bauträger das Projekt. Im Garten hinter dem Gebäude ist Platz für Hochbeete und Gewächshäuser.
von Eva SeifriedProfil

Überrascht wurden die Manteler Marktgemeinderäte vom Bauantrag der R & K Projektbau GmbH & Co. KG auf Neubau einer sozialtherapeutischen Einrichtung. Das Gebäude soll „Am Mühlbach“ entstehen, auch auf einem Teil des neuen Festplatzes. Ingeborg Hirschleb, die die Einrichtung leiten wird, und Alexander Robl von den Bauträgern erläuterten das Projekt.

Seit 1999 besteht die Sozialtherapeutische Einrichtung STE Lindau (Oberpfalz) bereits in Schönsee in einem ehemaligen Hotel. Verschärfte gesetzliche Vorschriften in Sachen Barrierefreiheit können dort nicht erfüllt werden, hieß es. Die Bewohner hätten zwei Jahre lang mit Baulärm leben müssen. Deshalb hatte sich der Bauträger an Bürgermeister Richard Kammerer gewandt.

Vorgesehen sind zwei Gebäude in L-Form für Verwaltung, Speiseräume, Büro und 41 Kleinstwohneinheiten. Dort werden laut der Leiterin suchtkranke Menschen betreut, die alkohol-, drogen- oder tablettenabhängig waren, aber bereits „clean“ sind. „Diese Menschen kommen freiwillig zu uns“, sagte Ingeborg Hirschleb. „Viele kommen aus zerrütteten Familien und alle haben den Wunsch, ihr Leben wieder in den Griff zu kriegen“.

Bürgermeister Richard Kammerer war begeistert von dem Gebäude und der Einrichtung. „Auch in Mantel gibt es Menschen mit Suchtproblemen“, wie überall. Der neue Festplatz sei eigentlich aus der Not heraus errichtet und von der Bevölkerung nie richtig angenommen worden. "Dieser Betrieb ist für uns ein Idealfall, es gibt weder Lärm noch Abgase." Der Baubeginn könnte bereits im Frühling 2020 erfolgen mit einer Bauzeit von einem Jahr.

Bernhard Weigl von der SPD hätte sich mehr Zeit für die Informationen gewünscht. Er fühlte sich in gewisser Weise überrannt. Außerdem beurteilte er die Zufahrt über die Straße am Mühlbach als nicht ausreichend. Auch Reinhold Meier von der CSU ging das alles zu schnell. Es hatte bereits ein Info-Abend mit den betroffenen Anwohnern stattgefunden, bevor der Marktrat von den Plänen informiert wurde. Franz Sperl von der FWG bezeichnete das Projekt als „Neuland“ für Mantel und meinte, eine eventuelle Belastung für die Anwohner sollte nicht außer Acht gelassen werden.

Siegfried Janner von der CSU hätte sich ebenfalls gewünscht, dass die Fraktionssprecher vorab informiert worden wären. Sitzungsleiter Kammerer erklärte dazu, dass er die Fraktionssprecher am Donnerstagvormittag informiert hätte und erst am Abend seien die Anwohner eingeladen gewesen. „Wir wollen uns nicht vorwerfen lassen, wir hätten gepennt“, sagte Kammerer. Positiv stand Johann Gurdan von der CSU dem Projekt gegenüber. „Das ist wesentlich ruhiger als ein Verbrauchermarkt, der da auch hätte hinkommen können." Reinhold Meier betonte, dass er prinzipiell nichts gegen die Einrichtung habe.

Die R & K Projektbau errichtet das etwa sechs Meter hohe, zweistöckige Gebäude mit Flachdach und vermietet es auf 20 Jahre an die Sozialtherapeutische Einrichtung. Franz Sperl hätte sich auf dem Bauplan die Unterschriften der Nachbarn gewünscht. Entscheidungsfreudig zeigte sich Friedrich Janner von der FWG: „Wir wurden gewählt, um Verantwortung zu übernehmen.“ Dennoch wurde erwogen, den Punkt zu vertagen und in zwei Wochen in einer Sondersitzung zu entscheiden. Von den 15 Ratsmitgliedern votierten aber letztlich zehn gegen eine Vertagung. Die Baugenehmigung wurde erteilt. Lediglich Bernhard Weigl (SPD) und Reinhold Meier (CSU) verweigerten ihre Zustimmung. Nicht zuletzt wegen dieses Tagesordnungspunktes war das Zuhörerinteresse an dieser Sitzung überaus groß.

Einrichtungsleiterin erläutert die Konzeption:

15 Arbeitsplätze in Aussicht

„Die Menschen mit Suchtproblemen werden immer jünger“, erklärte STE-Leiterin Ingeborg Hirschleb in der Marktgemeinderatssitzung. Häufig seien sie zwischen 25 und 30 Jahre alt. „Wir bieten eine feste Tagesstruktur mit festen Mahlzeiten, Holz- oder Metallarbeiten, Malen, Basteln, ein evolutions- und erlebnispädagogisches Programm und vieles mehr." Der im Durchschnitt einjährige Aufenthalt fördert die Wiedereingliederung in die Gesellschaft. Hirschleb versprach, dass es ein ruhiges Haus sein werde, weil die Bewohner von ihrem Programm am Abend so erschöpft seien, dass sie nur noch Ruhe suchten. Wenn jemand rückfällig werde, werde er sofort in den Entzug zurückgeschickt.

Im Haus arbeiten nach ihren Angaben Diplom-Psychologen, Sozialtherapeuten, Ergotherapeuten, Heilerziehungspfleger, Medizinisches Personal, Verwaltungskräfte, Hauswirtschaftspersonal und Hilfskräfte. Da von den 25 Mitarbeitern in Schönsee laut einer Befragung nur zehn Leute mit nach Mantel gehen wollen, würden mindestens 15 neue Arbeitsplätze entstehen. Der Bauträger bezeichnet das als „Win-Win Situation“ für Mantel. „In den 20 Jahren hatten wir in Schönsee keinerlei Probleme mit der Bevölkerung. Im Gegenteil, die Bewohner brachten sich mit Hilfsarbeiten im Ort ein", berichtete Hirschleb.

Die Parkplätze für die Mitarbeiter und relativ wenige Besucher liegen hinter dem Verwaltungstrakt, so dass die Anwohner auf der anderen Seite vor Lärmbelästigung durch anfahrende Autos oder Türen schlagen relativ geschützt sind.
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