05.08.2018 - 11:25 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Bauern dürsten nach Regen

35 Grad misst Josef Irlbacher dieser Tage nachmittags um halb Drei am Bifang seines Feldes bei Grubhof (Stadt Nabburg), Unter der Erde sind es um die 60 Grad. "Da kochen die Kartoffeln fast im Boden."

Eigentlich sollte der Mais jetzt sattgrün da stehen und einen grünen Schutzwall bilden. Stattdessen sieht er bemitleidenswert aus.
von Irma Held Kontakt Profil

In diesem Satz steckt eine gehörige Portion Galgenhumor. Den braucht ein Landwirt angesichts der Dürre. Der Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) ist ein zurückhaltender Mann, keiner der gleich Alarm schlägt, wenn es mal nicht optimal läuft. Aber derzeit ist nichts Gutes zu erwarten, vor allem nicht von oben, in Form von Regen. Schon im Frühjahr sei es relativ warm gewesen. "Der erste Grasschnitt war aber noch nicht besorgniserregend. der zweite schwach, der dritte fällt komplett aus und wenn es um den 15. August nicht zu regnen beginnt, auch der vierte." Mit Regen meint Irlbacher nicht einen oder mehrere heftige Gewittergüsse. Das sind nur die berühmten Tropfen auf die heiße Erde.

Natürlich sei es punktuell mal leicht entspannter, auch südlich von Schwandorf zum Beispiel. "Wo viele Gewitter niedergehen, fallen die Erträge etwas besser aus." Der BBV-Funktionär geht von Einbußen zwischen 30 und 50 Prozent aus. "Am trockensten ist es in Flusstälern oder in dere Nähe." Früh gesäter Mais, nennt der Landwirt ein Beispiel, ist noch gut gekommen, aber zur Kolbenbildung fehlt das Wasser. Später gesäter Mais steht "im Miniaturstatus" da. Da keine großen Regenmengen prognostiziert würden, werde der Mais notreif siliert. Irlbacher erklärt auf seinem Maisfeld, die Reaktion der Pflanze auf Wassermangel. Sie rollt die Blätter ein, verkleinert die Oberfläche und gibt gleichzeitig den Boden der sengenden Sonne preis. "Den Futterbaubetrieben", fasst er zusammen,"geht es schlecht". Einige könnten noch von Vorräten zehren. Stroh wurde bereits in Tschechien gekauft.

Bei der Sommergerste hat er "die Hälfte gedroschen". Auch beim Raps spricht er von bis zu 50 Prozent Verlust. Mit Blick auf den Zustand der Kartoffelpflanzen überrasche es ihn, "dass ein Ertrag entstanden ist." Bei den frühen Sorten sogar "nur" leicht unter dem Durchschnitt. Im späten Segment sieht er "die Felle davon schwimmen". Er gräbt auf seinem Acker. Normalerweise steckt ein Kilo Kartoffeln im Boden, jetzt liegen etwa 300 Gramm vor ihm, davon viele kleine "Schusser". Sie können nur verfüttert, gleichzeitig aber die Lieferverträge mit Burgis oder Lorenz Snackworld nicht erfüllt werden, "Die Verträge sind so aufgebaut, dass die Menge nicht geliefert werden muss. Das beruhigt, löst aber das Problem nicht." Irlbacher hofft, dass auch Abstriche in Qualität und Größe gemacht werden.

Er ist nicht derjenige, der sofort staatliche Hilfen einfordert, geht aber davon aus, dass "etwas kommen muss". Er denkt beispielsweise nicht nur an Soforthilfen, sondern an günstige Kredite. In der Diskussion sei die "Risiko-Rücklage", will heißen Betriebe können Notgroschen für Dürre, Hagel oder Überschwemmungen steuerfrei auf die hohe Kante legen. Dass bei diese für Irlbacher "nicht normalen Trockenheit" Hofbesitzer in finanzielle Schwierigkeiten geraten, ist ganz klar. Bleibe es so trocken, sei auch der Zwischenfruchtanbau in Gefahr. Bei der Sommergerste bezeichnet er den Ertrag schlecht und den Eiweißgehalt zu hoch. 13,8 Prozent habe er gemessen. "Das ist Futtergetreide, der Brauer mag das nicht." Eine gute Nachricht hat er trotz allem. "Ich gehe aber nicht davon aus, dass es kein Bier mehr gibt."

Josef Irlbacher schaut auf seinem Kartoffelfeld nach. Wenig und viel zu kleine Knollen stecken im heißen und staubtrockenen Boden.

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