06.07.2018 - 16:12 Uhr
RötzOberpfalz

Kraftwerk hat sich warmgelaufen

Seit gut einem Jahr ist das neue Wasserkraftwerk am Eixendorfer Stausee in Betrieb. Knapp eine Million Kilowattstunden Strom sind bislang produziert worden. Selbst Hochwasser bremst die Energieerzeugung an der Vorsperre nicht aus.

Seit März 2017 ist das neue Kraftwerk "Eixendorf II" an der Vorsperre bei Hillstett in Betrieb.
von Philipp Mardanow Kontakt Profil

(mp) "Monatlich erzeugt das Kraftwerk ,Eixendorf II' zwischen 30 000 und 100 000 Kilowattstunden Strom", erläutert Thomas Liepold, Geschäftsführer der Bayerischen Landeskraftwerke GmbH, gegenüber Oberpfalz-Medien. Die Energiemenge sei abhängig vom Abfluss der Schwarzach. Wenn der Fluss in trockenen Zeiten wenig Wasser anspült, springt weniger Strom heraus als nach Niederschlägen mit hohen Abflüssen.

Technik mit Auftrieb

Zwar könne die Turbine auch bei geringen Abflussmengen arbeiten, produziere aber dann im Vergleich nur wenig Strom. Aktuell beispielsweise laufe das Kraftwerk nur mit einem Teil seiner Leistung, so Liepold. Grund ist die anhaltende Trockenheit, die den Zufluss aus der Schwarzach auf 1,6 Kubikmeter (1600 Liter) pro Sekunde zurückgehen ließ. "Eigentlich ist das Kraftwerk für maximal fünf Kubikmeter ausgelegt", beschreibt der Geschäftsführer. Punkten könne das Kraftwerk bei Hochwasser, wie Liepold schildert. Als die Anlage heuer im Januar vollständig "überstaut" war, habe es Dank des beweglichen Kraftwerkmoduls keine Probleme geben. Turbine und Generator befinden sich in einem Stahlkasten, der angehoben werden kann.

Ohne "Kinderkrankheiten"

Im bisherigen Betrieb, der im März vergangenen Jahres begann, "hat Eixendorf II uns sehr positiv überrascht", berichtet Liepold. Üblicherweise müsse bei neuen Kraftwerken mit einer Einlaufphase und "Kinderkrankheiten" gerechnet werden. Doch die Anlage bei Hillstett laufe bisher weitgehend störungsfrei. Das Kraftwerk sei rund um die Uhr in Betrieb, kurzfristige Abschaltungen gebe es nur bei Revisionsarbeiten oder Störungen.

Für den Betrieb zeichnen vor Ort die Mitarbeiter des Wasserwirtschaftsamtes Weiden verantwortlich. Als "besonderen Vorteil" sieht es Liepold, dass die örtliche Firma FEE die Elektro- und Steuerungstechnik geliefert hat. Bei Störungen könnten die Techniker wegen der unmittelbaren Nähe zum Kraftwerk sehr schnell reagieren. Als "ökologisches Wasserkraftwerk" ermögliche "Eixendorf II" einen permanenten Fischabstieg. Am oberen Ende des Feinrechens, der mit einem Stababstand von 18 Millimetern verhindern soll, das möglichst keine Fische in die Turbine gelangen, sitzt eine Klappe, die sich bei der automatischen Reinigung des Rechens legt. Mit einem Schwall Wasser gelangten die Fische gefahrlos ins Unterwasser. Zudem fließe durch einen Ausschnitt der Klappe permanent Wasser und ermögliche es den Fischen, von der Vorsperre in die Hauptsperre zu wechseln.

Lückenschluss

Auswirkungen des Kraftwerks auf den Fischbestand werden im Verlauf eines Monitorings durch die Technische Universität (TU) München untersucht. Dafür seien im Bereich von "Eixendorf II" über 30 000 Fische eingesetzt worden, um mögliche Schäden durch den technischen Betrieb und das Abstiegsverhalten festzustellen. Zwar gebe es bislang noch keine Ergebnisse, doch habe - wie Liepold berichtet - das TU-Personal beobachtet, dass kleine Tiere durch den Spalt zwischen Feinrechen und Wehrwand in die Turbine geraten können. Auch hätten relativ wenige Fische den Abstieg durch den seitlich platzierten Ausschnitt in der Klappe gefunden. Der Spalt sei nun mit einem Bürstenrechnen verschlossen und die Aussparung der Klappe in die Mitte verlegt worden. Wie sich diese Umbauten auswirken, werde ebenfalls untersucht.

Regenerativer Strom aus dem neuen Kraftwerk bringt auch Elektro-Räder wieder auf Touren: Radfahrer, die mit E-Bike oder Pedelec am Stausee unterwegs sind, können an zwei Steckdosen am Betriebsgebäude kostenlos ihr Gefährt für die nächste Etappe aufladen. Als "netten Service" sieht Thomas Liepold dieses Angebot - während die Akkus neuen Saft kriegen, können die Radfahrer auf einer Bank daneben Brotzeit machen.

Thomas Liepold, Geschäftsführer der Bayerischen Landeskraftwerke, mit einem Modell, das die Technik der Anlage veranschaulicht.

Strom aus der Talsperre:

Strom aus der Talsperre

Insgesamt zwei Kraftwerke im Eixendorfer Stausee liefern Energie: Neben dem neuen "Eixendorf II" an der Vorsperre, produziert ein weiteres Kraftwerk an der Hauptsperre seit den Anfangstagen der Talsperre Strom. Die jährliche Energiemenge beziffert Landeskraftwerke-Geschäftsführer Thomas Liepold auf jährlich 4,6 Millionen Kilowatt Strom. Damit könne der Bedarf von rund 4600 Personen - mehr als die Hälfte der Bevölkerung von Neunburg - mit erneuerbarem Strom direkt vor der Haustür gedeckt werden. (mp)

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