24.02.2019 - 11:49 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

"Können Strom selbst erzeugen"

Erneut lautstarker Protest gegen den Süd-Ost-Link, diesmal auf dem Neustädter Stadtplatz, und diesmal auch gegen die Novelle des Netzausbaubeschleunigungsgesetzes (NABEG), die als „Entrechtung der Bürger“ gegeißelt wird.

Der Sprecher der Neustädter Bürgerinitiative gegen den Süd-Ost-Link, Josef Langgärtner, geißelt die Novelle des Netzausbaubeschleunigungsgesetzes. Die Demonstration vor dem Landratsamt wird begleitet von einer beachtlichen Zahl von Bauern auf großen und kleinen Schleppern.
von Gabi EichlProfil

Als einziger Politiker stand wieder der Landtagsabgeordnete der Freien Wähler, Tobias Gotthardt, auf dem Podium. Der Kallmünzer vermisste seine Kollegen aus den anderen Parteien. Und er lädt sie ein, mit ihm gemeinsam irgendwo in dem derzeit veröffentlichten Korridor Trassenkreuze einzuschlagen. Um deutlich zu machen, dass „wir neue Netze brauchen“ und keine gigantische Trasse, die nur „dreckigen Kohlestrom“ nach Bayern transportiere.

Bernhard Schmidt, Geschäftsführer der Grafenwöhrer Bürger-Energiegenossenschaft Neue Energien West, legte den Demonstrierenden Zahlen vor. Durch die Abschaltung der Atomkraftwerke 2022 fehlten 125 Terrawattstunden (TWh) Energie. Abzüglich des Eigenbedarfs im Norden könnten maximal 53 TWh in den Süden des Landes geliefert werden, fehlten somit immer noch 72 TWh. Die maximale Übertragungsrate des Süd-Ost-Links liege bei 35 TWh. „Wie soll der Rest nach Bayern kommen? Das weiß nur TenneT oder?“, fragte Schmidt. Der Grafenwöhrer war sich gleichzeitig sicher: „Wir können den Strom selber erzeugen“, und er verweist unter anderem auf die bayerischen Gaskraftwerke. „Es wird in Bayern das Licht nicht ausgehen, versprochen, auch ohne HGÜ.“

Der Sprecher der Neustädter Bürgerinitiative gegen die Trasse, Josef Langgärtner, ging auf die NABEG-Novelle ein, die verschiedene Verfahrensvereinfachungen zur Beschleunigung des Netzausbaus vorsieht. Dies würde eine Beschneidung der Hoheitsrechte von Ländern und Gemeinden wie auch der Klage- und Widerspruchsrechte von Bürgern bedeuten. Die Demonstrierenden konnten sich in Unterschriftenlisten eintragen, in denen der Bundestag aufgefordert wird, die Novelle abzulehnen.

Auf die möglichen gesundheitlichen Folgen elektromagnetischer Felder, wie sie über den geplanten Erdkabeln bestünden, ging Medizinerin Dr. Marlies Neumann ein. Die elektrischen Ströme in einem gesunden Körper könnten schon durch geringe Feldstärken gestört werden, sagte sie. In Humanstudien sei bereits unterhalb der Grenzwerte ein möglicher Zusammenhang hergestellt worden mit Leukämie bei Kindern, neurodegenerativen Erkrankungen wie Parkinson, MS oder Alzheimer.

Eine amerikanische Studie belege, dass bestimmte Strukturen in der Zelle durch elektromagnetische Felder aktiviert würden und zu biologischen Fehlfunktionen führten; zu diesen Fehlfunktionen gehörten neuropsychiatrische, hormonelle, kardiologische, aber auch Chromosomenschäden, DNA-Schäden, Schlaflosigkeit.

In Neustadt demonstrieren die Stromtrassen-Gegner.
MdL Tobias Gotthardt (FW) ist wieder der einzige Politiker auf dem Podium; er bittet seine Kollegen der anderen Parteien, ebenfalls Gesicht zu zeigen. Die Demonstration auf dem Stadtplatz wird flankiert von einer beachtlichen Zahl von Bauern mit großen und kleinen Schleppern.

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Kommentare

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Maria Estl

Gute Zusammenfassung der wichtigsten Gründe gegen den Süd Ost Link. Ja wenn sonst kein Abgeordneter sich seinen Wählerinnen und Wählern stellen möchte, dann müssen das eben die Freien Wähler übernehmen, in Zusammenarbeit mit Bürgerinitiativen. Wir sind gut vernetzt und leisten seit nunmehr 5 Jahren Widerstand gegen diese unsinnigen Projekte. Und nochmal auf den Punkt gebracht: Der Süd Ost Link beginnt im Lausitzer und mitteldeutschen Kohlerevier. Er wird Kohlestrom transportieren, denn der dort erzeugte Windstrom wird für die Region selbst benötigt. Ansporn für den Bau der Leitung sind 9,05% Garantierendite, die wir alle über die Netzentgelte zahlen werden.

24.02.2019