17.01.2022 - 15:29 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Fast alle Natur-Navi-Infostelen im Oberpfälzer Wald zerstört

Seit etwa drei Jahren stehen an 100 markanten Punkten entlang des Goldsteigs und des Nurtschwegs dunkelgraue Natur-Navi-Infostelen aus Glasschaumstoff. Über 80 davon müssen nun schon ersetzt werden.

Diese massiv zerstörte Natur-Navi-Infostele steht in Weiden am Schlörplatz. Mit dem Ausmaß an Vandalismus haben die Verantwortlichen nicht gerechnet.
von Thorsten Schreiber Kontakt Profil

Die Tourismusgemeinschaft Oberpfälzer Wald, der die Landkreise Neustadt/WN, Schwandorf und Tirschenreuth sowie die Stadt Weiden angehören, gewann 2017 mit dem Projekt „Natürlich unterwegs am Goldsteig – mein Natur-Navi durch den Oberpfälzer Wald“ den Wettbewerb „Modellregion Naturtourismus“ des Bayerischen Umweltministeriums. Dieses Projekt hat durch Vandalen einen Rückschlag erlitten, denn die Infostelen sind inzwischen fast alle zerstört oder so stark in Mitleidenschaft gezogen, dass sie ersetzt werden müssen.

Für das Natur-Navi-Projekt gab es damals 70 000 Euro an Fördermitteln, mit denen eine digitale Wanderkarte entwickelt wurde, informiert Stephanie Wenisch vom Tourismuszentrum Oberpfälzer Wald in Tirschenreuth. Neben Goldsteig und Nurtschweg sind viele Tourentipps enthalten. Außerdem gehören zum Konzept die Infostelen, die an 100 markanten Punkten aufgestellt wurden. Dort sind per QR-Code mit dem Smartphone Audioguides mit Hintergrundinformationen abrufbar.

27 Stelen befinden sich im Landkreis Neustadt, unter anderem in Altenstadt/WN, Eslarn, Floß, Flossenbürg, Georgenberg, Leuchtenberg, Moosbach, Neuhaus, Neustadt/WN, Parkstein, Tännesberg oder Windischeschenbach. In Weiden sind es 7. Von diesen Informationspunkten müssen praktisch alle ausgetauscht werden. „In Tirschenreuth hatten wir mehr Glück, da sind noch etwa 11 von 34 Stelen gut intakt“, informiert Stefanie Wenisch. „Das heißt, jetzt werden erst mal 23 ersetzt.“ Von den 32 Stelen im Landkreis Schwandorf sind nahezu alle zerstört oder massiv verunstaltet.

Stelen aus Glasschaum

Von den Stelen hatten sich die Verantwortlichen offenbar einiges versprochen. "Unser Ansatz für das ganze Projekt war, wirklich neue Wege zu gehen und jedes Detail passend zu unserer Region umzusetzen" erklärt Wenisch. "Daher haben wir uns auch beim Material für die Infostelen ganz bewusst nicht für eine Standardlösung entschieden, sondern uns etwas Besonderes überlegt." Die Stelen sind aus Glasschaum und damit zu 100 Prozent Recyclingmaterial, produziert von der Mitterteicher Firma Glapor. Schülerinnen der FOS Weiden hatten die Form entwickelt. "Der Glasschaumstoff ist witterungsbeständig, UV-resistent und mit den bloßen Fingern auch nicht zu bearbeiten", sagt die Sprecherin.

Augenscheinlich sind die Stelen nicht Vandalismus-resistent, denn über 80 sind dermaßen zerstört, dass sie nun ersetzt werden müssen. "Mit kleineren 'Verzierungen' hatten wir gerechnet. Aber das Ausmaß an Vandalismus, das unsere Stelen erfahren müssen, war nicht absehbar. Diese massiven Beschädigungen können nicht mal eben im Vorbeigehen reingekritzelt werden, sondern da muss mit Hilfsmitteln wie Stöcken oder Steinen durchaus Zeit und Mühe investiert werden. Es handelt sich dabei um bewusste Sachbeschädigung", ärgert sich Wenisch. "Im Stadtgebiet Weiden war es am schlimmsten, da müssen alle Stelen ersetzt werden." Im Landkreis Neustadt müssen ebenfalls alle getauscht werden. Anzeigen bei der Polizei blieben ergebnislos. Für den unterschiedlichen Zerstörungsgrad haben die Tourismus-Fachleute keine Erklärung. „Wir haben eigentlich in allen Landkreisen Standorte, die eher hoch frequentiert, und welche, die eher abgelegen sind“, erkennt die Leiterin des Tirschenreuther Tourismus-Zentrums kein Muster.

Zerstörungswut nimmt nicht ab

Die Verantwortlichen haben "in der Hoffnung, dass sich die Lage beruhigt" zwar versucht, die Stelen zu reparieren oder durch Reserve-Exemplare zu ersetzen. Es hat sich jedoch gezeigt, "dass die Zerstörungswut nicht abnimmt, so dass wir uns schweren Herzens nach einer Alternative umsehen mussten". Die neuen Stelen sind aus solidem Stahl in Rost-Optik statt in Hochglanz. Das soll besser zu reinigen sein, weil Spuren nicht mehr ganz so sichtbar sind und mit der Zeit verschwinden, erläutert die Tourismusexpertin. Der Austausch hat bereits im Herbst begonnen. Aktuell sind wegen des Frosts keine Bodenarbeiten möglich, im Frühjahr soll es weitergehen. Der Auftrag ist ausgeschrieben, Kosten nennt Wenisch nicht.

Am Konzept ändert sich ebenfalls nichts. Ein Austausch der Symbolbilder, die auf allen Stelen zu finden sind, ist nicht geplant. Charakteristische Aufnahmen der Flora oder Fauna um die einzelnen Stationen wird es also weiterhin nicht geben. "Die Infotafeln auf den Stelen bleiben auch in der Stahl-Variante gleich. Das einheitliche Bild ist beabsichtigt, um einen Wiedererkennungswert über das ganze Projekt hinweg zu erzielen. Man steht an der Infostele genau vor der Sehenswürdigkeit, die im Audioguide thematisiert wird, daher war es aus unserer Sicht zielführender, hier ein einheitliches Bild zu verwenden statt das abzubilden, was man vor sich sieht. Es handelt sich dabei übrigens nicht um ein angekauftes Bild aus irgendeiner Datenbank, sondern die Aufnahme stammt vom Schlossberg Tännesberg", betont Wenisch.

Natur-Navi wertet Wandergebiet weiter auf

Friedenfels
Am Altmugler Wasserfall bei Bad Neualbenreuth wurde die Stele schon in stabiler Stahl-Ausführung ersetzt.
Im Landkreis Neustadt müssen alle Stelen ersetzt werden. Im Sauerbachtal steht schon ein neues Exemplar aus Stahl.
Auch diese Stele am Alten Rathaus in Weiden ist Opfer von Vandalen geworden.
Diese Stele in der Weidener Innenstadt ist ebenfalls schon ziemlich gezeichnet.
Hintergrund:

Natur-Navi durch den Oberpfälzer Wald

  • Tourismusgemeinschaft Oberpfälzer Wald gewann 2017 mit dem Projekt „Natürlich unterwegs am Goldsteig – mein Natur-Navi durch den Oberpfälzer Wald“ den Wettbewerb „Modellregion Naturtourismus“ des Bayerischen
  • Digitale Wanderkarte auf www.oberpfaelzerwald.de/natur-navi mit Routenvorschlägen sowie Informationen über Gastronomie, Sehenswürdigkeiten und Veranstaltungen
  • An 100 Infostelen sind per QR-Code Audioguides mit Hintergrundinformationen abrufbar

"Mit kleineren 'Verzierungen' hatten wir gerechnet. Aber das Ausmaß an Vandalismus, das unsere Stelen erfahren müssen, war nicht absehbar."

Stephanie Wenisch vom Tourismuszentrum Oberpfälzer Wald in Tirschenreuth

 

 

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