07.08.2018 - 16:17 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Mehr Lkw, mehr Unfälle, aber keine Toten

Auf den Autobahnen A 93 und A 6 in der Region kracht es viel zu oft. Die Unfallzahl erreicht 2017 einen neuen Höchstwert. Das Positive: Es ist kein Todesopfer zu beklagen. Zum ersten Mal ist der Verkehr auf der A 93 rückläufig.

Am 6. Dezember 2017 fuhr ein BMW kurz vor Vohenstrauß in einen Lastwagen. Der Fahrer aus dem Landkreis Neustadt erlitt schwere Verletzungen. Sowohl auf der A 6 als auch auf der A 93 kam es 2017 zu keinen tödlichen Karambolagen.
von Martin Staffe Kontakt Profil

(ms) Eindrucksvolle Zahlen vermittelt das Verkehrslagebild der Verkehrspolizeiinspektion (VPI) Weiden für das Jahr 2017. Die Dienststelle ist zuständig für 80 Kilometer Autobahn: 58 Kilometer auf der A 93 zwischen den Anschlussstellen Pechbrunn und Wernberg sowie 22 Kilometer auf der A 6 von der Anschlussstelle Leuchtenberg bis zur tschechischen Landesgrenze.

Die Gesamtzahl der Verkehrsunfälle erhöhte sich im vergangenen Jahr um 7 Prozent auf 551 (2016: 515). Ein neuer Höchststand. Die Zahl der Unfälle mit Personenschaden ging um 7 Prozent auf 56 (2016: 60) zurück. „Erfreulicher Weise sind keine Verkehrstoten zu beklagen“, stellt Inspektionsleiter Erster Hauptkommissar Werner Ochantel fest. Allerdings ist die Zahl der Verletzten mit 92 (Vorjahr sogar 102) immer noch hoch. Auch die schwerwiegenden Karambolagen sind rückläufig: um 7 Prozent – von 121 (2016) auf 112. Dem Trend der vergangenen Jahre folgend stiegen dagegen die Kleinunfälle um 15 Prozent von 334 auf 383 an. Häufigste Unfallursachen: Fahrfehler (204) und ungenügender Sicherheitsabstand (67).

A 93:

Zwischen Pechbrunn und Wernberg erhöhte sich die Gesamtzahl der Verkehrsunfälle um 9 Prozent auf 484 (2016: 445), so viele wie noch nie. Die Unfälle mit Personenschaden blieben mit 53 konstant. Bei schwerwiegenden Karambolagen beträgt der Rückgang 6 Prozent (von 105 auf 99). Die Kleinunfälle nahmen dagegen weiter um 16 Prozent von 287 auf 332 zu. Die Unfallfluchten stiegen von 64 auf 76. 26 Unfallflüchtige konnte die Polizei ermitteln. Das bedeutetet eine Aufklärungsquote von 34 Prozent. Die häufigsten Unfallursachen: persönliche Fahrfehler (177), ungenügender Sicherheitsabstand (68), aber auch 42 Wildunfälle. 4 Fahrzeugführer standen unter Alkoholeinfluss.

A 6:

Zwischen Leuchtenberg und der Grenze zu Tschechien passierten 2017 nur noch 67 Unfälle (Vorjahr: 70). Das ergibt ein Minus von 4 Prozent. Die Polizei freut sich bei den Unfällen mit Personenschaden über einen sprunghaften Rückgang um 67 Prozent, von 9 auf nur noch 3. Und noch erfreulicher: Im Vergleich zu 2016 (2) sind keine Toten zu beklagen. Die Anzahl der schwerwiegenden Unfälle sank um 19 Prozent – von 16 auf 13. 51 Kleinunfälle (2016: 47) ergeben einen Anstieg um 9 Prozent. Die Zahl der Verkehrsunfallfluchten gingen von 13 auf 9 zurück. Kein Unfall war auf Alkoholgenuss zurückzuführen.

Geisterfahrer

Die VPI Weiden hatte es 2017 mit 10 (2016: 9) Falschfahrern zu tun, davon 1 auf der A 6 und 9 auf der A 93. Die Irrfahrten blieben ohne Folgen.

Transportbegleitung

Die Beamten eskortierten auf der A 93 und der A 6 insgesamt 49 (2016: 36) Großraum- und Schwertransporte.

Verkehrsstraftaten

Die Anzahl der Straftaten im Straßenverkehr sank um 2 Prozent, wobei die Tatbestände Fahren ohne Fahrerlaubnis mit 65 Aufgriffen und Nötigung im Straßenverkehr mit 22 Strafanzeigen dominierten. Die Trunkenheitsfahrten verdoppelten sich von 8 auf 15, ebenso die Anzahl der Fahrten unter Drogeneinfluss von 18 auf 39. Hier wirkt sich möglicherweise eine Intensivierung der polizeilichen Kontrollen aus.

Verkehrsüberwachung

Die VPI nahm 999 (2016: 1041) Geschwindigkeitsmessungen mit technischen Großgeräten (Einseitensensor 3.0 und Radarmessgerät Multanova) vor. 662 663 Fahrzeuge wurden gemessen, davon 9678 Fahrer beanstandet und diese Verstöße mit 7414 Verwarnungen, 2264 Anzeigen und 136 Fahrverboten durch die Zentrale Bußgeldstelle geahndet. Die Beanstandungsquote lag bei 1,46 Prozent (2016: 1,24 Prozent).

Das schnellste Kraftfahrzeug wurde innerorts im Landkreis Neustadt statt der erlaubten 50 km/h mit 96 km/h gemessen. Außerorts brachte es ein Fahrer im Landkreis Tirschenreuth auf 175 km/h bei erlaubten 100 km/h. Auf der A 93 im Bereich Weiden erreichte ein Raser in der 120 km/h-Beschränkung 189 km/h. Zudem hatten Abstandsmessungen 322 Fahrverbote zur Folge.

Schwerverkehr

Die Schwerverkehrskontrollgruppe (SKG) der VPI Weiden nahm 2538 Fahrzeuge (2016: 2156), unter anderem mit tschechischen Kollegen, unter die Lupe. Der Anteil an ausländischen Schwerverkehrsfahrzeugen belief sich auf 1832 (2016:1770). Die Überwachung führte zu 1194 Beanstandungen (2016: 891). Die Quote lag bei 47 Prozent (2016: 42 Prozent).

Im Gefahrgutbereich ergaben 712 Kontrollen (2016: 727) 433 Delikte (2016: 369). Dies entspricht einer Quote von mehr als 60 Prozent. 422 Anzeigen und 11 Verwarnungen wurden ausgesprochen.

Schleierfahndung

Die Beamten der Fahndungs- und Kontrollgruppe Verkehr (FKG-V) sind für die Bekämpfung der grenzüberschreitenden Kriminalität im sogenannten zweiten Fahndungsschleier zuständig. Der Bereich erstreckt sich mit Schwerpunkt A 93 auf den westlichen Landkreis Neustadt mit den überörtlichen Straßen B 22 , B 299 und B 470 sowie auf das Stadtgebiet Weiden. Die FKG-V bearbeitete insgesamt 200 (2016: 234) Fahndungsaufgriffe, die zu 156 (2016: 183) Straf- und Ordnungswidrigkeitenanzeigen führten.

Im Bereich der Rauschgiftkriminalität wurden wie schon im Vorjahr 35 Delikte bearbeitet, darunter 20 (2016: 19) Fahrten unter Drogeneinfluss. Bei den Tätern handelt es sich meist um durchreisende tschechische, ungarische und deutsche Staatsangehörige, die Marihuana und „Crystal Speed“ in geringen Mengen für den Eigenkonsum mitführten.

Die Sparte Eigentumskriminalität brachte 7 Delikte (2016: 6) mit osteuropäischen Tatverdächtigen (Albanern, Rumänen). Diebesgut waren hauptsächlich Fahrräder und Bauwerkzeuge.

Das Phänomen sogenannter Keyless-Go-Diebstähle teurer Autos nahm 2017 aufsehenerregend zu. Bayernweit kam es seither zu 235 Entwendungen (Stand: 27. Juli 2017) von Fahrzeugen, die mit Funkschlüsseln betrieben werden. Begehrte Wagen werden unter dem Einsatz sogenannter Funkstreckenverlängerer gestohlen. Diese hinterlassen keinerlei verwertbare Spuren am Tatort und ermöglichen ein Starten des Fahrzeugs in Funknähe zum Originalschlüssel.

Unfälle auf der A 6 und der A 93 (2010 - 2017)

Info:

A 93: Rückgang nur ein Ausreißer?

Die Verkehrsbelastung auf der A 6 steigt seit Jahren kontinuierlich an. Wurden an der Dauerzählstelle im Bereich Waidhaus im Jahr 2011 noch 4,3 Millionen Fahrzeuge registriert, so erhöhte sich diese Zahl bis Ende 2017 um 37 Prozent auf 5,9 Millionen (2016: 5,4 Millionen). Fast die Hälfte davon entfällt auf den Schwerverkehr (2017: 2,8 Millionen Lkw und Busse; 2016: 2,1 Millionen). Das Schwerverkehrsaufkommen schnellte von 2016 auf 2017 um beachtliche 33 Prozent nach oben.

Auch wenn es wohl niemand bemerkt haben dürfte: Erstmals waren auf der A 93 im vergangenen Jahr weniger Fahrzeuge unterwegs. Die Dauerzählstelle Wernberg-Köblitz spuckte 2011 noch 12 Millionen Fahrzeuge aus. Bis 2016 stieg diese Zahl um 10 Prozent auf 13 Millionen an. 2017 ging sie plötzlich auf 12,4 Millionen zurück, das sind minus 4,6 Prozent. Woran das liegt, kann Hauptkommissar Johannes Meckl von der VPI Weiden nur mutmaßen. Möglicherweise habe das mit Baumaßnahmen zu tun, denen Autofahrer ausgewichen seien. Erst wenn die Halbjahreszahlen 2018 vorliegen, wird es sich zeigen, ob 2017 nur ein Ausreißer war.

Der Schwerverkehrsanteil liegt bei über 20 Prozent (2017: 2,7 Millionen/2016: 2 Millionen). Bemerkenswert, so die Polizei, ist 2017 der starke Anstieg der Lastwagen und Busse um 35 Prozent.

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