15.03.2020 - 17:13 Uhr
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Alltag mit Corona: Antworten auf Leser-Fragen [Teil 1]

Schulen geschlossen, Veranstaltungen abgesagt - das Coronavirus hat den Alltag der Oberpfälzer fest im Griff. Unsere Leser haben uns ihre konkreten Fragen zu dem Thema gestellt. Hier sind die wichtigsten Antworten. Teil 1.

Das Coronavirus hat den Alltag der Oberpfälzer fest im Griff.
von Julian Trager Kontakt Profil

Mittlerweile hat das neuartige Coronavirus das öffentliche Leben auch in Bayern weitgehend lahmgelegt. Mit der steigenden Zahl an Coronainfizierten im Freistaat und Maßnahmen gegen eine weitere Ausbreitung des Virus wächst auch die Verunsicherung in der Bevölkerung. Wir haben unsere Leser im Internet dazu aufgefordert, ihre konkreten Fragen zu dem Thema zu stellen.

Polizei, Betriebe, Sport: Teil 2 der Leser-Fragen

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Kurzarbeit, Taxifahren, Reisewarnung: Teil 3 der Leser-Fragen

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Ausgangssperre und Geschäfte: Teil 4 der Leser-Fragen

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Warum sind die Beschränkungen nötig?

Ohne Maßnahmen breitet sich das Virus ungebremst aus. Da Experten derzeit davon ausgehen, dass sich mehr als zwei Drittel der Bevölkerung anstecken wird, ist es nötig, die Ausbreitung zu bremsen. Dazu müssen soziale Kontakte begrenzt werden. Trifft es ein, dass sich zwei Drittel der Bevölkerung in Deutschland anstecken, würde das Virus im Land rund 58 Millionen Menschen infizieren. Rechnet man, so wie es die Zahlen aus China nahe legen, mit etwa einem Sechstel schwerer Verläufe, müssten 8,7 Millionen Menschen im Krankenhaus behandelt werden, rechnet die "Süddeutsche Zeitung" vor. Zwischen 300.000 und 1,8 Millionen Menschen könnten demnach letztlich an der neuen Krankheit sterben. Nicht eingerechnet sind dabei die Patienten mit anderen Krankheiten, die wegen des überlasteten Gesundheitssystems nicht behandelt werden könnten.

Können Wasser und Strom ausfallen?

Nein. Das versprechen die bayerischen Energieunternehmen. Die Versorgung mit Strom, Wasser, Gas und Wärme sei gesichert. "Derzeit sehen die Unternehmen kein Risiko für die Versorgungssicherheit", teilt der Verband der Bayerischen Energie- und Wasserwirtschaft mit.

Können arbeitende Eltern einfach daheimbleiben?

Nein. Arbeitsministerin Carolina Trautner (CSU) appellierte an die Arbeitgeber, Arbeitszeiten flexibel zu gestalten, Homeoffice zu ermöglichen oder Urlaub zu gewähren. Ein Anspruch darauf besteht nicht, wie Arbeitsrechtler erklären.

Was mache ich, wenn mein Jahresurlaub jetzt durch die Kinderbetreuung verbraucht ist und die Kitas noch länger geschlossen bleiben?

Mit dem Arbeitgeber reden und wenn möglich eine individuelle Regelung (Homeoffice, flexible Arbeitszeiten, unbezahlter Urlaub) treffen. Eltern können (siehe Frage oben) nicht einfach daheim bleiben.

Wer kommt für den Arbeitsausfall auf?

Das ist nicht klar. Das bayerische Arbeitsministerium schreibt dazu: "Wer für den Arbeitsausfall aufkommt, wenn Eltern wegen der Schließung von Kindergärten und Schulen daheim bleiben, hängt davon ab, welchen Weg die Eltern im Zusammenspiel mit dem Arbeitgeber wählen. Wenn sie die Schließzeiten zum Beispiel durch einen Abbau von Überstunden oder – sofern das im Betrieb zulässig ist – Arbeiten im Homeoffice überbrücken, erhalten sie weiterhin ihr Arbeitsentgelt. Dasselbe gilt, soweit Urlaub beantragt wird. Wichtig ist es hier immer, das Gespräch mit dem Arbeitgeber zu suchen und gemeinsam zu klären, welche Lösung in der konkreten Situation allen Beteiligten am besten Rechnung trägt."

Was sollten Menschen tun, die fürchten, sich mit dem neuartigen Coronavirus angesteckt zu haben?

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Können Supermärkte plötzlich leer sein?

Nein. Es kann zwar punktuell in einigen Supermärkten dazu kommen, dass Artikel ausverkauft sind, sagt ein Sprecher des Handelsverbands Bayern. Grundsätzlich sei die Warenversorgung aber gesichert. Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hob am Freitag das Sonntagsfahrverbot für Lkw in Bayern bis Ende März auf. Damit soll die Versorgung sichergestellt werden.

Kann ich meine Oma im Krankenhaus besuchen?

Nein. Besuche in Krankenhäuser, Altenheimen, etc. sind seit Samstag, 21. März, komplett untersagt. Ausgenommen sind lediglich Geburts- und Kinderstationen für engste Angehörige sowie Palliativstationen und Hospize

Kann ich noch ins Wirtshaus oder in die Disco gehen?

Nein.

Kann ich noch ins Schwimmbad gehen?

Nein.

Kann ich noch ins Fitnessstudio gehen?

Nein.

Kann ich noch den ÖPNV benutzen?

Schwierig. Experten zufolge ist die Teilnahme am öffentlichen Personennahverkehr mit einer Großveranstaltung vergleichbar. Epidemiologe Gerd Antes empfahl im "Tagesspiegel" den öffentlichen Nahverkehr einzustellen. Die Verkehrsunternehmen reagierten bereits. Im Stadtbus Weiden etwa öffnet ab diesem Samstag die Vordertür nicht mehr, Fahrgäste sollen im hinteren Bereich einsteigen, Fahrscheine werden nicht mehr verkauft. Verkehrsministerin Kerstin Schreyer (CSU) begrüßt diese Regelung. Die Deutsche Bahn will ihren Regionalverkehr in den nächsten Tagen reduzieren, hieß es am Sonntag. Zudem soll es keine Fahrkartenkontrollen mehr geben.

Fahrgäste steigen in Weiden im Bus hinten ein

Weiden in der Oberpfalz

Kann ich noch in die Kirche?

Nein. Die Sonntagsgottesdienste wurden von der Bundesregierung und den Ländern untersagt. Auch Firmungen und Hochzeit werden abgesagt.

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Muss ich die Entgegennahme eines Pakets mit dem elektronischen Stift des Postboten unterzeichnen?

Nein. Die Deutsche Post verzichtet seit Mittwoch auf eine Unterschrift, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Stattdessen dokumentierten die Zusteller die erfolgreiche Auslieferung mit ihrer eigenen Unterschrift.

Sollte ich beim Einkaufen einen Mundschutz tragen?

Nicht wirklich. Laut RKI ist der beste Schutz das Einhalten der Husten- und Niesregeln, eine gute Händehygiene sowie Abstand (ein bis zwei Meter) von krankheitsverdächtigen Menschen. Diese Maßnahmen sind in Anbetracht der Grippewelle aber überall und jederzeit angeraten. Wenn man selbst an einer akuten Atemwegsinfektion erkrankt ist, kann Mundschutzes sinnvoll sein - um das Risiko einer Ansteckung anderer Personen zu verringern.

Was sollen Hundebesitzer im Fall einer Quarantäne machen?

Wer einen eigenen Garten besitzt, kann sich selbst um den Vierbeiner kümmern. Wer keinen Garten hat, muss für Gassi-Ersatz sorgen, schreibt das Onlineportal diehundezeitung.com. Der Wiener Tierschutzverein empfiehlt: "Zur Sicherheit sollten Hundebesitzer bereits im Vorfeld eine geeignete Betreuungsstelle oder Person suchen, die im Ernstfall einer Ansteckung mit Corona die Betreuung des Tieres übernehmen könnte."

Wie funktioniert richtiges Husten und Niesen?

Wegdrehen und mindestens ein Meter Abstand zu anderen halten, erläutert die Website "Infektionsschutz.de". Idealerweise schnaubt oder hustet man in ein Papiertaschentuch, das man danach wegschmeißt. Ist keines zur Hand, hält man die Armbeuge eng vor Nase und Mund. Danach, wenn möglich: Hände waschen.

Was wenn sich Krankenhaus-Mitarbeiter anstecken?

Das ist ein schwieriger Fall. In Deutschland stellt das Coronavirus einen Stresstest für die Krankenhäuser dar - inklusive Personal. Auf die bange Frage, ob das deutsche Gesundheitssystem dem Druck standhalten könne, wiederholen Experten gebetsmühlenartig, dass dies besonders von der Geschwindigkeit der Ausbreitung abhängt. Das RKI empfiehlt häusliche Quarantäne für medizinisches Personal, das engen ungeschützten Kontakt zu einem bestätigten Fall im Rahmen der Pflege oder medizinischen Untersuchung hatte und dabei keine Schutzausrüstung trug. Uwe Janssens, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin, hält das für „schlichtweg nicht praktikabel“, wenn man das Gesundheitssystem nicht zum Einsturz bringen wolle. In Eschweiler etwa sei eine Krankenschwester erkrankt. Wäre man der Empfehlung des RKI gefolgt, hätten knapp 70 Mitarbeiter in Quarantäne gemusst. Janssens: „Dann hätten wir die Notfallversorgung abschalten müssen.“ Überhaupt seien im Gangelter Raum fast alle Mitarbeiter in den Kliniken kontaminiert. In Eschweiler lässt sich das betroffene Personal darum regelmäßig testen.

Krankenhäuser unter Druck

Deutschland & Welt

Kann man sich zweimal anstecken?

Wahrscheinlich nicht. Experten bezweifeln das, auch wenn Berichte aus Japan und China solche Sorgen schüren. Immunologen haben gute Gründe für die Annahmen, dass man sich nur einmal mit dem Erreger infizieren kann und man danach immun ist.

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