16.03.2020 - 16:48 Uhr
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Alltag mit Corona: Antworten auf Leser-Fragen [Teil 2]

Der Freistaat hat den Katastrophenfall ausgelöst. Das Coronavirus hat den Alltag der Oberpfälzer fest im Griff. Unsere Leser haben uns ihre konkreten Fragen zu dem Thema gestellt. Hier finden Sie den zweiten Teil der Antworten.

Symbolbild
von Julian Trager Kontakt Profil

Das neuartige Coronavirus hat das öffentliche Leben in Bayern weitgehend lahmgelegt. Mit der steigenden Zahl an Coronainfizierten im Freistaat und Maßnahmen gegen eine weitere Ausbreitung des Virus wächst auch die Verunsicherung in der Bevölkerung. Wir haben unsere Leser im Internet dazu aufgefordert, ihre konkreten Fragen zu dem Thema zu stellen.

Arbeit, Freizeit, ÖPNV: Teil 1 der Leser-Fragen

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Kurzarbeit, Taxis, Reisewarnung: Teil 3 der Leser-Fragen

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Ausgangssperre und Geschäfte: Teil 4 der Leser-Fragen

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Weshalb sind solch drastische Maßnahmen nötig?

Ohne Maßnahmen breitet sich das Virus ungebremst aus. Da Experten derzeit davon ausgehen, dass sich mehr als zwei Drittel der Bevölkerung anstecken wird, ist es nötig, die Ausbreitung zu bremsen. Dazu müssen soziale Kontakte begrenzt werden. Trifft es ein, dass sich zwei Drittel der Bevölkerung in Deutschland anstecken, würde das Virus im Land rund 58 Millionen Menschen infizieren. Rechnet man, so wie es die Zahlen aus China nahe legen, mit etwa einem Sechstel schwerer Verläufe, müssten 8,7 Millionen Menschen im Krankenhaus behandelt werden, rechnet die "Süddeutsche Zeitung" vor. Zwischen 300.000 und 1,8 Millionen Menschen könnten demnach letztlich an der neuen Krankheit sterben. Nicht eingerechnet sind dabei die Patienten mit anderen Krankheiten, die wegen des überlasteten Gesundheitssystems nicht behandelt werden könnten.

Gibt es Hilfsangebote für ältere Menschen in der Region?

Ja, es haben sich bereits einige Initiativen gegründet. Unter anderem in Grafenwöhr, Kirchenthumbach und Cham. Das Onetz Amberg startet zudem eine Hilfsaktion für Menschen im Landkreis Amberg-Sulzbach.

Überblick über Hilfsangebote

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Wie werden Polizisten geschützt?

Die Oberpfälzer Polizei steht im engen Kontakt mit den zuständigen Gesundheitsbehörden. Sie hat ihre Mitarbeiter sensibilisiert. Das heißt: "Regelmäßig Hände waschen, Vermeidung des Händeschüttelns, Husten- und Niesetikette", teilt die Pressestelle des Polizeipräsidiums (PP) mit. "Für besondere Einsatzszenarien, bei welchen beispielsweise ein enger körperlicher Kontakt mit Infektionsverdächtigen zu erwarten ist, verfügt das PP Oberpfalz über Seuchen-Infektions-Schutz-Sets, die zum Beispiel einen Schutzanzug und Einwegüberschuhe beinhalten."

Kann es bei der Polizei zu Beeinträchtigungen des Dienstbetriebs kommen?

Nein. "Die Lage wird durch uns fortlaufend bewertet und wir passen unsere Maßnahmen und innerdienstlichen Abläufe entsprechend an", teilt das Präsidium Oberpfalz mit. "Das Fortbestehen unserer Einsatzbereitschaft hat oberste Priorität. Unsere Dienststellen sind derzeit wie gewohnt im Einsatz und es gibt aktuell keinerlei Beeinträchtigungen des Dienstbetriebs."

Wer bezahlt den Arbeitsausfall für Reinigungskräfte an den Schulen?

Das hängt von den Sachaufwandsträgern ab. In der Stadt Weiden etwa schon. Die Reinigungskräfte an Schulen werden von den jeweiligen Landkreisen oder kreisfreien Städten angestellt. Ob sie trotz Schulausfall weiter bezahlt werden, hängt von den jeweiligen Verträgen ab, erklärt Günther Schuster, Pressesprecher des bayerischen Kultusministeriums. Die Stadt Weiden etwa stellt in Folge der Schließungen der Weidener Schulen die dort tätigen Reinigungskräfte frei, erklärt Alexander Grundler von der Stadt Weiden. "Die Stadt behält sich aber vor, die betroffenen Mitarbeiter für andere Aufgaben im Reinigungsdienst einzusetzen." Grundler nennt Beispiele: "Durchführung von Grundreinigungsarbeiten, Einsatz in anderen städtischen Gebäuden." Entsprechend der Empfehlung des Kommunalen Arbeitgeberverbandes werde die Entgeltzahlung an die Reinigungskräfte für die Dauer der Freistellung unter Vorbehalt aber fortgeführt.

Sind private Feiern noch erlaubt?

Nein.

Was, wenn ich gegen die Verbote verstoße?

Das kann durchaus teuer werden. Zu kontrollieren, ob die Verbote eingehalten werden, obliegt den Kommunen. Bei Verstößen drohen Geldstrafen von bis zu 25.000 Euro. Im Extremfall sogar Freiheitsstrafen.

Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Coronavirus selbst

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Können Handwerker noch arbeiten?

Ja. Klempner, Monteure, Maler, Dachdecker, Autowerkstätten und Co. können prinzipiell wie bisher weiterarbeiten. Trotzdem haben einige Betriebe bereits eigenständig den Betrieb eingestellt.

Wie können sich Bäckerei-Verkäufer schützen?

Die Bäckereien verstärken den Hygieneschutz. "Unsere Verkäuferinnen haben wir über ein Rundschreiben über die vom RKI empfohlenen Vorbeuge-Maßnahmen informiert, die wir ja größtenteils schon regelmäßig in unserem Alltag im Bäckereifachverkauf praktizieren", erklärt Petra Zimmert, Verkaufsleiterin bei der Bäckerei Brunner. Dazu gehörten das regelmäßige Händewaschen und Desinfizieren. Und dass sich die Verkäufer nicht mit der Hand ins Gesicht fassen und eine korrekte Hust- und Nies-Etikette beachten sollen. Auch Händeschütteln sollte vermieden werden. "Durch die Theke besteht ja schon ein gewisser Abstand von Verkäuferin und Kunde", so Zimmert. "Bei einem augenscheinlich kranken Kunden ist es sicher in der derzeitigen Situation möglich, sich zwischen dem Bedienen von zwei Kunden, die Hände zu waschen. Genauso sind unsere Kolleginnen vor Ort jederzeit in der Lage, sich etwas wegzudrehen oder den Kunden um einen Abstand zur Theke bitten." Andreas Gräf von der Bäko Oberpfalz sagt: "Wir konnten eine etwas erhöhte Nachfrage an "Clean Hands Hygienehandschuhen" und Mehlstaubmasken verzeichnen."

Müssen Kindergärtner weiter in die Kita?

Ja. Trotz der angeordneten Schließung von Kindergärten gilt grundsätzlich die Pflicht zur Einhaltung des Arbeitsvertrags, teilt das bayerische Arbeitsministerium mit. Die Notbetreuung müsse sichergestellt werden. "Einzelfallentscheidungen obliegen der jeweiligen Leitung. Zum Erhalt eines möglichen Entgeltanspruchs muss der Arbeitnehmer arbeitsfähig und -bereit sein."

Wer zahlt die Kita-Gebühren, wenn die Kinder daheim bleiben müssen?

Das ist nicht klar. Eine anteilige Erstattung von Kita-Gebühren betrifft das Vertragsverhältnis der Eltern zum Träger, so das Arbeitsministerium. "Entscheidend ist daher was im Betreuungsvertrag oder in der kommunalen Satzung geregelt ist."

Wird ein Arbeitnehmer im Fall einer Quarantäne weiter bezahlt?

Ja. Der Arbeitgeber ist grundsätzlich weiter zur Entgeltzahlung verpflichtet, wenn der Arbeitnehmer arbeitsfähig und arbeitsbereit ist, aber er ihn aus "Gründen nicht beschäftigen kann, die in seiner betrieblichen Sphäre liegen", erklärt das Arbeitsministerium. Dazu zählen auch Fälle, in denen es wegen Covid-19-Erkrankungen zu erheblichen Personalausfällen oder Versorgungsengpässen käme, in deren Folge der Arbeitgeber die Betriebsfähigkeit vorübergehend einstellen würde.

Kann ich noch innerhalb Bayerns in den Urlaub fahren?

Nein. Hotels dürfen keine touristischen Gäste mehr aufnehmen.

Kann ich noch auf den Sportplatz?

Nein. Ab Dienstag müssen sämtliche Freizeiteinrichtungen geschlossen sein. Auch Sportplätze und Spielplätze werden gesperrt.

Darf ich noch joggen?

Ja, das ist erlaubt. Allerdings nur alleine oder mit der Familie. Mindestens zwei Meter Abstand halten.

Ich habe eine Reise gebucht. Das Zielland hat jedoch ein Einreiseverbot verhängt. Bekomme ich mein Geld zurück?

Ja, wahrscheinlich schon. Bei einem behördlichen Einreiseverbot bleiben Urlauber in den meisten Fällen zumindest nicht auf ihren Kosten sitzen. Pauschalreisende sind ohnehin gut abgesichert, es gilt das deutsche Pauschalreiserecht. "Wenn ich nicht einreisen kann, bekomme ich vom Veranstalter mein Geld zurück", erklärt dazu die Reiserechtsexpertin Sabine Fischer-Volk. "Ein zusätzlicher Schadenersatz steht mir aber nicht zu, weil es sich um außergewöhnliche Umstände handelt."

Auch bei individuellen Buchungen von Hotels oder Ferienhäusern gilt nach Einschätzung von Fischer-Volk: "Kann ich das Ziel überhaupt nicht erreichen, bekomme ich das Geld zurück." In aller Regel streichen Fluggesellschaften ihre Flüge, sobald ein Land eine Einreisesperre verhängt. "Sobald die Fluggesellschaft den Flug einstellt, erstattet sie den Ticketpreis", sagt die Juristin. Eine Entschädigung nach der EU-Fluggastrechte-Verordnung gebe es nicht, da außergewöhnliche Umstände vorlägen.

Wie ist die Lage in den Intensivstationen und den Frühgeborenen-Stationen?

Stabil, erklärt Michael Reindl, Pressesprecher der Kliniken Nordoberpfalz AG. Mehr könne er dazu nicht sagen.

Sind die Eckert-Schulen in Regenstauf auch geschlossen?

Ja. Der Unterricht wird von Dienstag an bis auf weiteres unterbrochen, alle Teilnehmer werden nach Hause geschickt, teilen die Eckert-Schulen in Regenstauf mit. Die Unterbrechung bedeutete allerdings keine Erweiterung der Ferien, sondern eine Lernphase daheim (Home-Schooling). Die Schüler werden von Dozenten und Ausbildern unterstützt. Zunächst hieß es, dass in Regenstauf nur die staatlichen Schulen geschlossen werden. Das wurde jetzt geändert.

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