27.03.2020 - 12:48 Uhr
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Alltag in der Coronakrise: Antworten auf Leserfragen [Teil 9]

Darf ich eine Motorradtour machen? Darf ich angeln? Hilft viel trinken gegen das Coronavirus? Die nächsten Antworten auf die Fragen unserer Leser.

Eine Spritztour mit dem Motorrad ist nicht mehr erlaubt.
von Julian Trager Kontakt Profil

Das Wetter wird schöner und die Menschen wollen raus. Aber was ist denn jetzt in Zeiten der Coronakrise noch erlaubt? Hier finden Sie weitere Antworten auf Leserfragen.

Darf ich eine Spritztour mit dem Motorrad machen?

Nein. "Fahrten zum Spaß, beispielsweise mit dem Motorrad, sind nicht erlaubt. Spritztouren, die zu keinem triftigen Grund gemacht werden, sind untersagt. Ausnahme ist lediglich, wenn die Fahrt zum Beispiel zum Einkaufen oder für den Arztbesuch erfolgt", heißt es aus der Pressestelle des Polizeipräsidiums Oberpfalz. Noch am Tag zuvor hatte es geheißen, dass Spitztouren erlaubt sind. Das hat die Polizei nun nach einer Neubewertung mit den Ministerien und den Präsidien revidiert. Das Polizeipräsidium Oberpfalz bittet um Entschuldigung für die Verwirrung.

Darf ich zum Angeln?

Ja. Angeln und auch Jagen sind weiter erlaubt – aber nur allein oder mit Personen, mit denen man zusammenlebt. Gemeinschaftlich jagen und Gemeinschaftsfischen sind verboten, teilt das Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten mit.

Kann ich meinen Vater im Lastwagen begleiten?

Nein. „Wir raten davon grundsätzlich ab“, sagt der Pressesprecher des Landesverbands bayerischer Spediteure. Das habe mehrere Gründe. Unter anderem erhöhe sich für den Sohn die Ansteckungsgefahr, weil der Vater immer wieder aus dem Lastwagen muss. Wenn der Sohn kein Angestellter in dem Betrieb seines Vaters ist, greife zudem das Kontaktverbot.

Können sich Tiere anstecken oder das Virus übertragen?

Nein. Nach aktuellem Stand der Wissenschaft kann das Coronavirus nicht von Tieren auf Menschen oder umgekehrt von Menschen auf Tiere übertragen werden, erklärt das Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten.

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Hilft viel trinken gegen Corona?

Nein. Das hört man zwar immer wieder, stimmt aber nicht. Denn sobald das Virus auf die Schleimhaut gelangt ist, breitet es sich aus, erklärte Dr. Jörg Schelling aus München auf Bayern 3. „Da bringt es auch nichts, mit einer Kanne Wasser nachzugießen.“ Zwar begünstige ein trockener Hals das Eindringen von Keimen. Aber deswegen müsse man jetzt nicht alle 15 Minuten literweise Wasser trinken. „Denn viel bringt nicht unbedingt viel.“ Mit drei bis vier Litern am Tag könne man den Körper sogar Überwässern. Das könne Krankheiten unter Umständen sogar begünstigen. Auch Mundwasser schütze nicht.

Darf ich meine Kinder bei meinen jungen Großeltern (43 Jahre alt) abgeben?

Eigentlich nicht, aber... „Jeder ist angehalten, die Kontakte zu anderen Menschen außerhalb der Angehörigen des eigenen Hausstandes auf ein absolutes Minimum zu reduzieren“, erklärt das Innenministerium. Das gelte für alle Altersgruppen. Deswegen sollten Kinder nicht von Personen betreut werden, die nicht Angehörige des eigenen Hausstandes sind. Eine Betreuung von minderjährigen Kindern durch Dritte aus triftigem Grund, insbesondere zur Ausübung der beruflichen Tätigkeit, ist aber möglich.

Soll ich noch zur Vorsorge-Untersuchung für Babys und Kleinkinder?

Das kommt aufs Alter des Kindes an. Wegen der Coronakrise werden die Vorsorge-Untersuchungen, die eigentlich einen festen Termin haben, nun teilweise aufgehoben. Das haben die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und der Spitzenverband der Krankenkassen (GKV-Spitzenverband) beschlossen. Konkret bedeutet das: Beginnend bei der U6, die eigentlich zwischen dem zehnten und zwölften Lebensmonat stattfinden soll, gelten die fixen Intervalle vorübergehend nicht mehr – Eltern und Ärzte können die Untersuchungen zu einem späteren Zeitpunkt nachholen. Ein Muss ist das aber nicht. Sollte die Untersuchung aus irgendwelchen Gründen stattfinden müssen, können Kinderärzte sie weiter machen und abrechnen. Keine Änderungen gibt es bei den früheren Untersuchungen U2 bis U5: Das sei aus medizinischer Sicht nicht sinnvoll, sie sollen daher weiter im festgelegten Terminrahmen stattfinden. Gleiches gilt in der Regel auch für Impftermine.

Kann man sich weiter telefonisch krankschreiben lassen?

Ja, jetzt sogar länger. GKV-Spitzenverband und KBV haben die Regelung für telefonische Krankschreibungen ausgeweitet: Bisher konnten sich Menschen mit Grippe- und Erkältungssymptomen für 7 Tage krankschreiben lassen, ohne in die Praxis zu gehen. Das ist jetzt für 14 Tage möglich – und ab sofort auch bei einem Verdacht auf Infektion mit dem Coronavirus. Der Arzt entscheidet dann, welche Tests und Untersuchungen bei einem solchen Verdacht möglich sind. Die Regelung ist bis zum 23. Juni befristet.

Was sollen Mieter bei Wohnungsbesichtigungen beachten?

Wenn der Eigentümer die Mietwohnung neu vermieten oder verkaufen will, ist der Mieter dazu verpflichtet, Nachmietinteressenten, Käufer oder den Makler in die Wohnung zu lassen – unter normalen Umständen. Wie Monika Schmid-Balzert vom bayerischen Landesverband des Deutschen Mieterbundes erklärt, ist jedoch die Leitlinie des Freistaats Bayern, dass soziale Kontakte auf das Allernötigste heruntergefahren werden sollen. Deswegen könnten Besichtigungstermine nach Meinung des Mietervereins München derzeit abgesagt werden – egal wie viele Personen zur Besichtigung kommen würden. Denn jeder unnötige zusätzliche Kontakt zu Menschen sei derzeit zu vermeiden, um das Virus nicht weiterzuverbreiten. Die Besichtigung einer Wohnung gehörten nicht zu den lebensnotwendigen Tätigkeiten.

Ich kann meine Reise nicht antreten, weil das Hotel geschlossen hat. Der Reiseveranstalter will mir aber meine Anzahlung nicht erstatten. Stattdessen will er mir einen ein Jahr gültigen Gutschein ausstellen. Ist das erlaubt?

Das ist schwierig, zu beantworten. „Da ist die Rechtslage wirklich unklar und diese Frage wird aktuell in der Branche heiß diskutiert“, erklärt Sonja Honig vom Amberger Reisebüro Dronzella-Reisen. „Nach unserem Kenntnisstand ist das in Deutschland nicht zulässig, in anderen Nachbarländern teilweise schon. Wobei diese Situation natürlich eine Ausnahmesituation darstellt – höhere Gewalt–, in der unter Umständen andere Regeln als bisher angewandt werden könnten.“ Eine rechtsverbindliche Aussage könne Honig allerdings nicht geben. „Wir würden in so einem Fall für unsere Kunden beim entsprechenden Veranstalter nachfragen, um alle Details zu klären.“

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Nicole Prüll

Als Anwohnerin einer so genannten Motorradstrecke freue ich mich nach diesem Statement zum Thema Motorradspritztour schon auf das nächste Wochenende. Gutes Wetter im Frühjahr und sonst wenig Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung, da wird das Motorrad nur allzu gerne aus dem Winterschlaf geweckt werden. Widerspricht in meinen Augen ganz klar der Aussage, dass nur notwendige Fahrten erlaubt sind. Von der Umwelt und Lärmbelästigung mal abgesehen.

27.03.2020
Philip Lobenhofer

Was die Motorradtouren angeht, hört man von jedem Polizeirevier was anderes. In meinen Augen ganz klar verboten. Ist das Sport? Nein. Ist es absolut nötig? Nein. So what?

27.03.2020