20.03.2020 - 18:33 Uhr
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Ausgangsbeschränkungen: Antworten auf Leserfragen [Teil 5]

Die Ereignisse in der Coronakrise überschlagen sich. Seit diesem Samstag gelten in Bayern weitreichende Ausgangsbeschränkungen. Was bedeutet das? Der nächste Teil der Antworten auf Fragen unserer Leser.

Überall Verbotsschilder: Das öffentliche Leben ist in Bayern stark eingeschränkt. Ab Samstag gelten weitreichende Ausgangsbeschränkungen.
von Julian Trager Kontakt Profil

Im Freistaat ändert sich täglich die Lage. Ministerpräsident Markus Söder hat am Freitag weitreichende Ausgangsbeschränkungen erlassen. Es gibt aber einige Ausnahmen.

Was soll ich grundsätzlich beachten?

In der einer neuen Allgemeinverfügung heißt es: "Jeder wird angehalten, die physischen und sozialen Kontakte zu anderen Menschen außerhalb der Angehörigen des eigenen Hausstands auf ein absolut nötiges Minimum zu reduzieren." Wo immer möglich, sei ein Mindestabstand zwischen zwei Personen von 1,5 Metern einzuhalten.

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Wann darf ich das Haus jetzt noch verlassen?

Nur bei Vorliegen triftiger Gründe. Dazu zählen "insbesondere": "die Ausübung beruflicher Tätigkeiten"; der Gang zum Arzt oder Tierarzt sowie zu Psycho- und Physiotherapeuten, "soweit dies medizinisch dringend erforderlich ist"; notwendige Einkäufe von Gegenständen des täglichen Bedarfs (etwa Lebensmittelhandel, Getränkemärkte, Tierbedarfshandel, Brief- und Versandhandel, Apotheken, Drogerien, Sanitätshäuser, Optiker, Hörgeräteakustiker, Banken und Geldautomaten, Post, Tankstellen, Kfz-Werkstätten, Reinigungen) sowie die Abgabe von Briefwahlunterlagen. Ebenfalls ausgenommen sind der Besuch Alten, Kranken oder Menschen mit Einschränkungen (außerhalb von Krankenhäusern beziehungsweise Pflegeeinrichtungen); die Begleitung von Minderjährigen; die Begleitung Sterbender; Beerdigungen im engsten Familienkreis; die Versorgung von Tieren, etwa das Gassi-Gehen. Diese Ausgangsbeschränkungen gelten zunächst bis einschließlich 3. April.

Darf ich meinen Freund/Freundin besuchen?

Ja. Besuche von Lebenspartnern zählen ebenfalls zu den Ausnahmen, teilte Söder mit.

Darf ich noch joggen?

Ja. Sport und Bewegung an der frischen Luft ist erlaubt – allerdings nur alleine oder mit den Personen, mit denen man zusammenlebt.

Haben die Restaurants noch offen?

Nein. Es wird zunächst für die nächsten 14 Tage noch „to go, Drive-in und Lieferungen“, geben, sagte Söder.

Darf ich als Besucher noch ins Krankenhaus/Altenheim?

Besuche in derartigen Einrichtungen sind ab Samstag komplett untersagt. Ausgenommen sind lediglich Geburts- und Kinderstationen für engste Angehörige sowie Palliativstationen und Hospize.

Welche Geschäfte haben jetzt noch offen?

Ladengeschäfte müssen schon seit Mittwoch geschlossen bleiben. Ausgenommen sind nur die oben genannten Geschäfte für Gegenstände des täglichen Bedarfs. Für all diese Geschäfte wurden die möglichen Ladenöffnungszeiten ausgeweitet, um den Andrang zu entzerren. Sie dürfen werktags von 6 bis 22 Uhr und an Sonn- und Feiertagen von 12 bis 18 Uhr öffnen. Neu ist, dass ab Samstag auch Friseure, Bau- und Gartenmärkte geschlossen bleiben müssen. Handwerksbetriebe, Klempner, Monteure, Maler und Autowerkstätten können prinzipiell wie bisher weiterarbeiten.

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Wann werde ich getestet?

Nur im begründeten Verdacht – also wenn man Symptome aufweist. Diese Regelung hat das Robert Koch-Institut (RKI) angesichts der Pandemie angepasst. Das bisherige Kriterium, dass ein Patient in einem Gebiet mit Covid-19-Fällen gewesen sein muss, entfalle, sagte RKI-Präsident Lothar Wieler am Mittwoch in Berlin. Angesichts der immer weiteren Ausbreitung des Erregers mache es "irgendwann keinen Sinn mehr, nach einzelnen Gebieten zu unterscheiden". Prinzipiell sollen nur Menschen mit Symptomen getestet werden, bekräftigte Wieler. Die Entscheidung anhand weiterer Kriterien, wie Kontakt zu einem bestätigten Sars-CoV-2-Fall, treffe der behandelnde Arzt. Ziel sei es, die Testressourcen gezielter einzusetzen, betonte Wieler. Wer mild erkrankt sei und mangels Testkapazitäten derzeit nicht getestet werden könne, solle zu Hause bleiben und Abstand zu anderen halten, appellierte der RKI-Chef.

An wen wende ich mich, wenn ich Symptome aufweise?

Weiterhin telefonisch an den Hausarzt oder die kassenärztlichen Vereinigung unter der 116117, erklärt das LGL.

Warum dauert es so lange, bis ich getestet werde, obwohl ich als Verdachtsfall gelte?

Weil in Bayern derzeit mehrere Tausend Proben täglich untersucht werden, so das LGL. Zudem sind die Telefonleitungen der Hausärzte, Gesundheitsämter oder die 116117 überlastet, die Mitarbeiter arbeiten am Limit.

Mein Chef verlangt einen Test: Geht das?

Nein. Ob ein Test nötig ist, entscheidet der Arzt.

Wo wird getestet?

In der Oberpfalz gibt es vier Testzentren, teilt das LGL mit. Dazu gibt es einen Hausbesuchsdienst für die Abstrichentnahme. Dieser wird seit Anfang der Woche durch mobile Stationen, sogenannte „Drive-Through“-Lösungen, ergänzt, teilte die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) mit. Die mobilen Stationen werden in zahlreichen bayerischen Städten Halt machen, so aktuell beispielsweise in Nürnberg, Passau und Deggendorf. Der Test erfolge aber ausschließlich bei Patienten mit entsprechender Symptomatik, die vorher entweder über die Rufnummer 116117 oder über das jeweilige Gesundheitsamt einen Termin erhalten haben.

Können Folgeschäden der Erkrankung auftreten?

Ja. Ärzte aus Hongkong haben berichtet, dass manche Betroffene trotz eines scheinbar milden Krankheitsverlaufs langfristig schwere, dauerhafte Lungenschäden, sogenannte Lungenfibrosen, erlitten. Ob es sich dabei um Einzelfälle handelt, müssen weitere Untersuchungen zeigen, schreibt der NDR.

Ist das Coronavirus ein erhöhtes Risiko für Schwangere?

Wahrscheinlich nicht. Schwangere scheinen laut Weltgesundheitsorganisation WHO kein erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf zu haben. „Es gibt bislang keine Hinweise darauf, dass Covid-19 auf das Kind im Mutterleib übertragbar ist“, teilt das Robert-Koch-Institut (RKI) mit. Eine Übertragung auf das neugeborene Kind sei über den engen Kontakt und eine Tröpfcheninfektion möglich, bisher gebe es jedoch keine Nachweise von Sars-Cov-2 in der Muttermilch.

Wenn ich helfen möchte: Worauf sollte ich achten?

In der Region gibt es bereits sehr viele Hilfsangebote. Aber: „Man sollte zwischen Hilfe und gezielter Hilfe unterscheiden“, erklärt Barbara Hernes, Leiterin des Netzwerks Seniorenmosaik im Naturpark Hirschwald (Kreis Amberg-Sulzbach), die für acht Gemeinden eine Einkaufshilfe (für Lebensmittel und Medikamente) koordiniert. „Wir haben pro Gemeinde nur einen Kontakt“, sagt sie. So soll älteren Menschen geholfen werden und die Anzahl der sozialen Kontakte möglichst gering gehalten werden.

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