11.07.2019 - 10:46 Uhr
OberpfalzOberpfalz

Badeseen schnappen nach Luft

Weiher und Seen stinken nach faulen Eiern, Fische ersticken in den Gewässern. Wie es dazu kommt, dass Badeseen kippen, erklärt Prof. Dr.-Ing. Franz Bischof von der OTH Amberg-Weiden.

Was passiert, wenn in den Seen Fische sterben und das Wasser nach faulen Eiern stinkt? Wir haben die Erklärung.
von Gabi EichlProfil

Die Trockenheit des vergangenen Jahres, die sich aktuell in der Oberpfalz fortsetzt, lässt nicht nur Bäume dürsten, sie bringt auch Gewässer in Bedrängnis. Badeseen laufen Gefahr zu kippen. Durch den Klimawandel nimmt die Belastung von Gewässern zu, Seen sind zunehmend gestresst.

Je kleiner, je flacher der See, je mehr er von Badegästen zur Abkühlung genutzt wird, umso größer ist die Gefahr des Kippens. „Der Bodensee wird nicht kippen, weil er zu viel Masse hat“, sagt Prof. Dr.-Ing. Franz Bischof, der an der Fakultät Maschinenbau und Umwelttechnik der OTH in Amberg lehrt. Sein Spezialgebiet sind Verfahren für Wasser- und Abwasseraufbereitung und Biogastechnik.

Zu viele Nährstoffe

Prof. Dr.-Ing. Franz Bischof von der OTH Amberg-Weiden kennt die physikalischen und biologischen Vorgänge, die zum Kippen eines Gewässers führen, und kann sie nicht nur seinen Studenten allgemeinverständlich erklären.

Es sei in der Regel immer ein Zuviel an Nährstoffen, das ein Gewässer an den Rand seiner Selbstreinigungskräfte bringt. Die Sauerstoff verbrauchenden Mikroorganismen eines Weihers oder Sees seien die Putzfrauen des Gewässers, solange sie sich nicht zu stark vermehren und zu viel Sauerstoff verbrauchen. Dann graben sie den Fischen und irgendwann sich selbst die Luft zum Atmen ab.

Sauerstoffverbrauch und Abbauleistung der Mikroorganismen müssen also im Gleichgewicht bleiben. Dieses Gleichgewicht gerät in Gefahr, wenn es längere Zeit sehr warm ist oder wenn sich die Nährstoffverhältnisse in einem Gewässer verändern, zum Beispiel durch Überdüngung, wenn etwa der Regen Gülle aus angrenzenden Feldern in das Gewässer schwemmt, oder durch eine zu starke Nutzung durch Badegäste, die nicht nur Sonnenschutzcreme, Haare und Hautschuppen hinterlassen – so mancher spart sich planschend auch einmal den Gang zur Toilette. All das ist Futter für die Mikroorganismen, die sich in einem warmen Gewässer zusätzlich schnell vermehren. Pro zehn Grad Celsius mehr verdoppelten die Bakterien die Geschwindigkeit ihrer Vermehrung, gibt Bischof zu bedenken.

Physikalische Reaktion

Zu diesem biologischen Faktor komme ein physikalischer Aspekt, ausgelöst durch steigende Temperaturen: Je wärmer eine Flüssigkeit, umso schlechter kann sie ein Gas halten. Ein Grundgesetz der Physik besagt, dass alle Gase sich im Wasser lösen. Je kälter, umso mehr Gas ist in der Flüssigkeit gelöst – im Fall eines natürlichen Gewässers ist umso mehr Sauerstoff enthalten. Nun ist Sauerstoff ohnehin nicht eines der am leichtesten löslichen Gase. Erwärme sich ein Gewässer also über die Maßen, stehe immer weniger gelöster Sauerstoff zur Verfügung.

Kommen das Zuviel an Bakterien und der Schwund des Sauerstoffs durch hohe Temperaturen zusammen, sind irgendwann alle Nährstoffe verbraucht. Vorher hat sich noch eine starke Vermehrung der Algen dazugesellt, die die Situation zusätzlich verschlechtert. Sind keine Nährstoffe mehr da, sterben die Algen, sterben die Bakterien und sinken zu Boden. Die Fische sind zu diesem Zeitpunkt schon tot.

Am Teichgrund werden die toten Bakterien von anderen Mikroorganismen gefressen, die wieder ganz andere Bedürfnisse haben als ihre Sauerstoff verbrauchenden Kollegen. Jetzt sei es soweit, dass ein Weiher zu stinken anfängt und keinesfalls mehr zum Abkühlen genutzt werden kann. Aber so weit muss es nicht kommen. Die Gesundheit eines Gewässers steht und fällt mit seiner Pflege, die aber auch eine Geldfrage ist. Badeweiher sollten regelmäßig zu einem Teil ausgebaggert werden, um die im Teichgrund gelagerten Nährstoffe herauszuholen. In heißen, trockenen Sommern könnten verstärkte Messungen des Sauerstoffgehaltes frühzeitig vor negativen Veränderungen warnen, denen wiederum am billigsten durch rechtzeitige Badeverbote begegnet werden kann.

Technische Gegenmaßnahmen, die aber in erster Linie an Fischteichen angewandt werden, seien zum Beispiel Belüftungs-Aggregate für zusätzlichen Sauerstoff. Als Notmaßnahme wäre es möglich, mit Hilfe von Injektoren reinen Sauerstoff in das Gewässer zu blasen, ein unpopuläres Badeverbot lange vorher wäre natürlich weit billiger gewesen.

Badeseen wie der Rußweiher bei Eschenbach sind an heißen Tagen sehr beliebt. Je mehr Menschen sich jedoch eine Abkühlung gönnen, desto mehr Stress bedeutet dies für das Gewässer.
Badeverbote sind die günstigste Methode, um Badeseen und Weiher zu entlasten.

Klimawandel ist Stress

Bischof geht davon aus, dass der Klimawandel die Gewässer weiter unter Stress setzen wird. Man werde zunehmend messen müssen, verstärkt Badeverbote aussprechen und auch mit Landwirten reden müssen. Aber auch jeder einzelne Badegast könne dazu beitragen, so wenig wie möglich in den See zu entlassen: keine Essensreste, keine Pflegeprodukte und den Weiher nicht als Toilette missbrauchen. Denn: „Alles, was Bakterien abbauen können, bauen Bakterien ab, und zwar auf Kosten des Sauerstoffs.“

Gewässer bepflanzen

Eine Möglichkeit, den Sauerstoffgehalt eines Gewässers zu erhöhen, seien Wasserpflanzen. Diese will man in einem Badeweiher jedoch vermeiden, da die Badenden ungern an den Blättern und Wedeln unter Wasser entlangstreifen. In einem Gartenteich könne man sich jedoch auf diese Weise behelfen. Gut gepflegte Weiher und Seen haben vielfach bepflanzte Zonen, die für Badegäste tabu sind, diese dürfen jedoch nicht zu weit von den Badebereichen entfernt sein, denn ein Gewässer kann auch nur teilweise kippen.

„Lassen wir uns mal überraschen, was noch kommt im Sommer“, sagt Bischof. Wichtig wäre Wasser von oben. Viel Wasser. Die Hauptregenmonate seien früher Juli und August gewesen. „Das entfällt zur Zeit.“

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Aktuell und Wissenswert

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.