23.08.2020 - 18:29 Uhr
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Bauern in Sorge: Immer weniger Rinder und Schweine in der Oberpfalz

Der Trend ist eindeutig: In der Oberpfalz werden immer weniger Rinder, Milchkühe und Schweine von Bauern gehalten. Der Bauernverband sorgt sich um die Sicherstellung der Nahrungsmittelversorgung - und nimmt die Verbraucher in die Pflicht.

In der Oberpfalz werden immer weniger Schweine gehalten.
von Julian Trager Kontakt Profil

In der Oberpfalz werden immer weniger Tiere von Bauern gehalten. Allein in den vergangenen Jahren nahm die Zahl der Rinder, Milchkühe und Schweine jeweils um bis zu sechs Prozent ab, wie aus dem bayerischen Agrarbericht 2020 hervorgeht.

Demnach hielten Oberpfälzer Landwirte im vergangenen Jahr 409 000 Rinder (minus 5,1 Prozent im Vergleich zu 2017). Milchkühe waren es 156 800 (minus 4,9 Prozent). Bei Schweinen sind die aktuellsten Zahlen von 2016, die Bauern hielten damals 270 900 Schweine im Bezirk (minus 6,0 Prozent im Vergleich zu 2010).

In ganz Bayern hat sich die Zahl der Rinder laut Agrarbericht seit 1985 fast halbiert, bei der Schweinehaltung ist die Entwicklung ähnlich. Der Oberpfälzer Bezirkspräsident des Bayerischen Bauernverbands (BBV), Josef Wutz, ist laut einer Pressemitteilung überzeugt, dass sich dieser Rückgang auch in der Oberpfalz fortsetzen wird - angesichts der ständigen Kritik an den Bauern. Wutz fordert eine Sicherung der Nahrungsmittelversorgung, die wieder stärker in den Mittelpunkt gestellt werden müsse.

Auch immer weniger landwirtschaftliche Betriebe

Peter Huber, Direktor der BBV-Geschäftsstelle Niederbayern-Oberpfalz, sagt auf Nachfrage: "Diese Entwicklung ist eine Folge der schwierigen Rahmenbedingungen für die Landwirtschaft mit immer mehr Auflagen und Beschränkungen." Aktuell führe etwa die neue Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung bei Zuchtsauen zu einem erheblichen Investitionsbedarf für mehr Platz in den Betrieben. Landwirte, die erst vor einigen Jahren Ställe errichtet haben, müssten nun wieder umbauen, bevor der alte Stall überhaupt abgeschrieben ist. "Viele können da nicht mehr mithalten und geben auf."

Auch die landwirtschaftlichen Betriebe werden in der Oberpfalz weniger. Laut Agrarbericht gab es 2019 im Bezirk noch rund 13 000 landwirtschaftliche Betriebe - 2,5 Prozent weniger als 2017. Die Anzahl der Milchkuhhalter sank in diesem Zeitraum um 10,8 Prozent auf 3805. Noch gravierender ist es bei den Schweinehaltern, deren Zahl zwischen 2010 und 2016 um 40,1 Prozent auf 1306 fiel.

BBV-Direktor Huber nimmt die Konsumenten in die Pflicht: "Wichtig ist, dass die Verbraucher den Wert der Erzeugung von Lebensmitteln in ihrer Heimat erkennen und bereit sind, Lebensmittel aus der Region zu kaufen und dafür mehr zu bezahlen."

Bäuerin als Traumberuf

Obertresenfeld bei Vohenstrauß
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Kommentare

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Simone Bloemhof

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich möchte der Meinung des Herrn Wutz vom BBV bezüglich der Gründe für die Rückläufigkeit der Tierhaltung und kleinen bäuerlichen Betriebe widersprechen. Es ist hinlänglich bekannt, dass kleine und mittlere Betriebe wie sie hauptsächlich in der Oberpfalz anzutreffen sind große Schwierigkeiten haben, beim Preisdumping für Lebensmittel mitzuhalten, sprich: die Landwirte erhalten einfach zu wenig Geld für ihre Produkte um überleben zu können. Die durch den Klimawandel bedingte Dürre hat in den letzten Jahren zusätzlich zu einer Futtermittelknappheit geführt und die Situation für viele derart verschärft, dass viele Tiere vorzeitig geschlachtet werden mussten - dies war ganz extrem vor zwei Jahren der Fall.
Nun ist es aus Sicht des Klimaschutzes definitiv besser, wenn weniger Tiere gehalten werden, und Klimaschutz heißt auch Nahrungsmittelsicherheit. Da Deutschland als Fleischproduzent Exportweltmeister ist halte ich einen Rückgang bei der Tierhaltung nicht für gefährlich, da wir sehr viel mehr Fleisch produzieren als wir brauchen. Anstatt hier unnötige Ängste zu schüren würde ich den Umbau der Landwirtschaft zu weniger aber besserer Tierhaltung definitv begrüßen - allerdings stimme ich zu, dass der Konsument tatsächlich auch bereit sein muss, mehr Geld für bessere und regionale Lebensmittel zu bezahlen, sonst wird das nicht funktionieren.
Simone Bloemhof, Erbendorf

27.08.2020