19.08.2020 - 18:46 Uhr
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Corona-Gewinner aus der Region: Diese Firmen kamen gut durch die Krise

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Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit, Insolvenzen: Die Coronakrise kennt in der Wirtschaft vor allem Verlierer. Es gibt aber Firmen, die bisher besonders gut durch die Krise gekommen sind und teilweise sogar Personal aufbauten - auch in der Region.

Zehn Firmen aus der Region, die bisher besonders gut durch die Coronakrise gekommen sind.
von Julian Trager Kontakt Profil

Räder, Steine und vegane Lebensmittel waren in der Coronakrise offenbar besonders gefragt. Auch Klamotten aus dem Internet. Und Landmaschinen. Na freilich auch Spuckschutzscheiben, Bauteile für Dialyse- und Beatmungsgeräte sowie Pharmarohre, etwa für Impffläschchen. Das alles wird von Oberpfälzer Firmen hergestellt, verkauft oder versendet. Während andere Unternehmen stillstanden, konnten sie sich teilweise vor Aufträgen nicht retten. Wir haben in unseren Lokalredaktionen gefragt, welche Firmen - bisher - besonders gut durch die Krise gekommen sind. Ein unvollständiger Überblick.

Die neuen Wiesnwirte

WER? Die Fahrradhändler.

WAS MACHEN SIE? Verkaufen Fahrräder und Rad-Zubehör. Dazu Service und Reparatur.

WARUM IN DER KRISE ERFOLGREICH? In der Coronakrise haben die Menschen plötzlich den Sport und die Natur vor der eigenen Haustür entdeckt - und am besten lässt sich das mit dem Radl, am einfachsten mit dem E-Bike kombinieren.

WIE WIRKT SICH DAS AUS? Die Fahrradhändler werden seit Wochen von Kunden überrollt. "Dieses Jahr ist Bombe", sagt etwa Sibylle Lang von Fahrrad Schißlbauer in Schwandorf. Die Leute standen Schlange vor dem Laden - selbst im Regen, erzählte Carola Kohl vom Amberger Fahrradgeschäft Brunner im Mai. In vielen Läden waren viele Räder ausverkauft. "Der Mai war der stärkste Monat, den die Branche jemals erlebt hat", sagte David Eisenberger vom Zweirad-Industrie-Verband der dpa. Oder wie die "Süddeutsche Zeitung" kürzlich in einer Glosse schrieb: "Radlverkäufer generieren gerade Umsätze wie seinerzeit die Wiesnwirte, als es noch Volksfeste gab."

"Rolling Stones"

WER? Betonsteinwerk Godelmann in Fensterbach (Kreis Schwandorf).

WAS MACHT DIE FRIMA? Entwickelt, produziert und verkauft Steine. Rockt die Branche mit maßgeschneiderten Pflaster und ausgetüftelten Ökosteinen. Marktführer in Europa.

WARUM IN DER KRISE ERFOLGREICH? Weil die Menschen im Lockdown praktisch dazu gedrängt wurden, daheim aufzuräumen, Garten oder Terrasse auf Vordermann zu bringen, meint Geschäftsführer Bernhard Godelmann.

WIE WIRKT SICH DAS AUS? "Wir sind im positiven Sinn betroffen", sagt Godelmann über die Krise. "Wir haben ein sehr gutes Frühjahr hinter uns."

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Fensterbach

Gut geackert

WER? Der Landmaschinenhersteller Horsch in Schwandorf.

WAS MACHT DIE FIRMA? Produziert Maschinen zur Bodenbearbeitung, zum Säen oder für den Pflanzenschutz. Marktführer in Europa.

WARUM IN DER KRISE ERFOLGREICH? Die Bauern durften auch im Lockdown ackern, düngen, spritzen. Die Landwirtschaft wurde als systemrelevant eingestuft. "So gesehen waren wir das auch", sagt Horsch-Pressesprecher Daniel Brandt. Zudem habe die Firma viele Maßnahmen ergriffen, etwa von einer großen Schicht auf zwei kleinere umgestellt. "Wir haben es geschafft, alle Maschinen rechtzeitig zu liefern."

WIE WIRKT SICH DAS AUS? Die Belegschaft hat Sonderschichten eingelegt, am Samstag gearbeitet. "Stand jetzt stehen wir sehr gut da", sagt der Sprecher. Bei den Umsatzzahlen hält er sich aber bedeckt. Nur so viel: "Es wird definitiv besser als im letzten Jahr."

Es wird definitiv besser als im letzten Jahr.

Daniel Brandt, Pressesprecher Horsch

"Heavy Metall"

WER? Metallbau Eckert in Schwarzenfeld (Kreis Schwandorf).

WASMACHT DIE FIRMA? Bearbeitet Metall und Blech, fertigt "kundengerechte Lösungen" an.

WARUM IN DER KRISE ERFOLGREICH? Geschäftsführer Franz Eckert nennt zwei Gründe. Zum einen sei man bei den Kunden breit aufgestellt, weil diese in den unterschiedlichsten Branchen tätig seien. Zum anderen ist die Firma "schnell und flexibel", sagt Eckert.

WIE WIRKT SICH DAS AUS? "Wir sind ganz gut durch die Krise gekommen", sagt Eckert. "Wir liegen bis dato genau auf dem Niveau des Vorjahres." Das sei eben vor allem den Kunden zu verdanken, von denen in der Krise sogar mehr Aufträge kamen. Zum Beispiel von Horsch.

Das Imperium schlägt zurück

WER? Absolute Vegan Empire in Nabburg (Kreis Schwandorf).

WAS MACHT DIE FIRMA? Ist Europas größter Versandhändler für vegane Lebensmittel. stellt aber auch eigene Produkte her.

WARUM IN DER KRISE ERFOLGREICH? Weil die Leute daheim bleiben mussten, bestellten sie viel im Internet - auch Lebensmittel. Offenbar taten das auch Veganer. "Wir haben hiervon natürlich profitiert", sagt Chef Michael Schertl. Die Firma sei in der Lage gewesen, schnell und viel zu liefern.

WIE WIRKT SICH DAS AUS? "Im April und Mai haben sich die Bestellungen verfünffacht", sagt Schertl. "Wir haben etwa 5000 bis 6000 Neukunden dazubekommen." Neue Mitarbeiter wurden eingestellt. Und: "Natürlich hat das positive Auswirkungen auf unseren Umsatz", sagt Schertl.

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Nabburg

Logische Entwicklung

WER? Logentu Logistik in Mitterteich (Kreis Tirschenreuth).

WAS MACHT DIE FIRMA? Bietet Online-Dienstleistungen für andere Händler an. Übernimmt die Logistik, schickt die Pakete zum Endkunden, übernimmt Retouren.

WARUM IN DER KRISE ERFOLGREICH? Weil der Online-Handel in der Krise boomte, profitierte davon logischerweise auch der Logistiker.

WIE WIRKT SICH DAS AUS? Geschäftsführer Mathias Zintl spricht von einem "Vollgaswachstum" - in mehreren Bereichen. "Wir konnten nicht ein mal die Hälfte aller Kundenanfragen bedienen." Für drei Einzelhändler übernimmt man nun neu die komplette Logistik. Die verschickte Paketmenge stieg extrem: Im Februar waren es 6000 Pakete pro Monat, sagt der andere Geschäftsführer Daniel Müller, im Mai und Juni dann bis zu 17 000. Die Mitarbeiterzahl erhöhte sich von 8 auf 14, auch die Lagerflächen mussten erweitert werden.

Wir konnten nicht ein mal die Hälfte aller Kundenanfragen bedienen.

Mathias Zintl, Geschäftsführer Logentu Logistik

Test, Test, Test

WER? Synlab, medizinisches Versorgungszentrum in Weiden.

WAS MACHT ES? Labormedizinische Untersuchungen. In der Coronakrise vor allem Covid-19-Tests.

WARUM IN DER KRISE ERFOLGREICH? Der Weidener Standort ist so etwas wie das Coronazentrum innerhalb der 35 deutschen Synlab-Niederlassungen, erklärte der damalige Leiter Dr. Richard Mauerer im März. Der Grund: Es ist eines der großen Labore, in denen eine sehr spezielle Methode zum Erregernachweis angewendet wird.

WIE WIRKT SICH DAS AUS? Ende März führte das Labor bis zu 5000 Tests pro Tag. Aktuelle Zahlen - auch zum Umsatz - möchte das Unternehmen nicht nennen.

Synlab Weiden in der Coronakrise

Weiden in der Oberpfalz

Da bleibt die Spucke weg

WER? Sana Trennwandbau in Luhe-Wildenau (Kreis Neustadt/WN).

WAS MACHT DIE FIRMA? Produziert vor allem sanitäre Trennwände und Garderobenschränke.

WARUM IN DER KRISE ERFOLGREICH? Weil plötzlich jedes Geschäft eine Spuckschutzscheibe braucht. Die Firma fertigte erst eine Kleinserie von 50 Stück an, die an Bäcker, Metzger oder Apotheker im Raum Weiden gespendet wurden.

WIE WIRKT SICH DAS AUS? Die Schutzscheiben sprachen sich schnell herum. "Viele Leute kamen auf uns zu und wollten solche Scheiben kaufen", sagt Markus Kiener, einer der beiden Geschäftsführer. Die Luhe-Wildenauer versorgten Geschäfte in ganz Deutschland. Mittlerweile sei die Nachfrage aber wieder abgeflacht. "Das war ein kurzer Hype", so Kiener. "Wir haben damit jetzt nicht den Riesenumsatz gemacht, sind aber ganz zufrieden." Das große Geschäft sei ohnehin nicht geplant gewesen. "Das ist rein aus dem Zufall heraus gewachsen."

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Luhe-Wildenau

Gehäuse fürs Überleben

WER? IMG Industriemechanik-Gehäusebau in Luhe-Wildenau.

WAS MACHT DIE FIRMA? Produziert Gehäuse - unter anderem für die Medizintechnik.

WARUM IN DER KRISE ERFOLGREICH? Dialysegeräte waren plötzlich weltweit gefragt - viele Kliniken hatten zu wenige. IMG produziert für diese Geräte die kompletten Gehäuse.

WIE WIRKT SICH DAS AUS? "Wir konnten unsere Produktionszahlen für die Medizintechnik-Branche annähernd verdoppeln", hieß es im Mai. Die Mitarbeiter hätten viele Überstunden geleistet, Schichtbetrieb und Samstagsarbeit. Bis Ende Juli sind vier neue Mitarbeiter eingestellt worden, sagt Geschäftsführer Markus Prölß. Die Hochphase dauerte etwa drei Monate. Mittlerweile ist man aber "wieder auf dem Normalstand zurück".

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Luhe-Wildenau

Schöner Blick in die Glaskugel

WER? Schott in Mitterteich.

WAS MACHT DIE FIRMA? Entwickelt und produziert Spezialglasrohre - auch für die Pharmaindustrie, unter anderem Impffläschchen und Bauteile für Beatmungsgeräte. Weltmarktführer für Pharmarohr.

WARUM IN DER KRISE ERFOLGREICH? Pharmarohre und Bauteile für Beatmungsgeräte waren und sind extrem gefragt. Für Schott ist das gut, denn: "Jede dritte Glasspritze, jede dritte Ampulle und jedes dritte Glasfläschchen beim Arzt beginnt seine Reise in Mitterteich. Und das gilt weltweit", sagte Stefan Rosner, Werksleiter in Mitterteich, zu Beginn der Coronakrise.

WIE WIRKT SICH DAS AUS? Die Produktion läuft weiter jeden Tag 24 Stunden, erklärt Pressesprecher Ludwig Bundscherer. Zudem werde weiter Personal aufgebaut. Und in Zukunft? "Wer einen Impfstoff gegen Corona entwickeln wird? Das weiß niemand", sagt Bundscherer. Aber: "Wer das Glas für die Impffläschchen produzieren wird? Schott. Das ist bei unserem Weltmarktanteil sicher."

Schott in der Coronakrise

Mitterteich

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