02.06.2020 - 13:29 Uhr
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Coronakrise: Falsche Angaben von Gästen machen Wirt Probleme

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Wegen Corona müssen Gäste beim Besuch einer Gastronomie derzeit ihre Kontaktdaten angeben. Im Tagesgeschäft kommt es dabei auch vor, dass manche falsche Angaben machen. Das bringt die Wirte in eine schwierige Lage.

Symbolbild.
von Matthias Schecklmann Kontakt Profil

Die Gastronomie läuft langsam wieder an, doch wegen der Coronakrise sind strenge Vorgaben zu beachten. Eine davon ist, Kontaktdaten der Gäste zu erfassen. Doch das bringt auch Probleme mit sich, die erst im alltäglichen Betrieb zum Vorschein kommen.

„Beschwerden über die Erfassung der Daten habe ich noch nicht bekommen. Wir verweisen immer auf die Vorgaben. Ein Problem ist aber, dass es schon vorgekommen ist, dass Gäste bewusst falsche Angaben gemacht haben, vielleicht weil sie ihre Daten nicht preisgeben wollten“, erklärt ein Gastronom aus dem Landkreis Neustadt/WN, der anonym bleiben möchte. So tauchten auf seiner Liste schon offensichtlich erfundene Namen auf.

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Das bringt die Betreiber natürlich in Bedrängnis. „Ich muss schon glauben, was die Gäste in die Liste schreiben“, sagt der Gastwirt. Das Landratsamt Neustadt/WN erläutert zu diesem Fall: „Wenn der Betreiber die Gäste darauf anspricht und sie trotzdem nicht bereit sind, ihre richtigen Daten anzugeben, muss er sie auffordern zu gehen. Genauso, wenn er die Gäste kennt und merkt, dass die Angaben absichtlich falsch sind.“

Bei den Wirten geht es um die Existenz. „Wir sind um jeden Gast froh, der kommt. Ich beobachte schon, dass Ältere kaum kommen, es sind schon eher die Jüngeren. Gäste über 60 oder 70 Jahre kommen zu mir derzeit weniger. Vielleicht schrecken die Vorgaben auch ein wenig ab“, erklärt der Gastwirt. Über konkrete Fälle war Kreisvorsitzenden Robert Drechsel vom Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband und Betreiber der Gaststätte „Zum Alten Schuster“ in Weiden bisher nichts bekannt.

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Auch Beschwerden über Datenschutz kämen bisher kaum vor. „Da bei mir zumeist Stammgäste kommen, habe ich da keine Probleme. Sollte ich jedoch merken, dass jemand bewusst falsche Angeben macht, würde ich ihn sofort rausschmeißen, denn die Infektionsketten können nur wirksam gebrochen werden, wenn die Kontaktpersonen ermittelbar sind. Wer seine Identität nicht preisgeben will, der soll zu Hause bleiben“, sagt er.

Der Hotel- und Gaststättenverband versucht derweil die Betreiber zu unterstützen und bietet zum Beispiel Vordrucke für die Datenerfassung an. „Gemäß des Datenschutzes müssen die Listen vor Einsicht von Dritten geschützt sein. Sie dürfen nicht offen rumliegen“, erläutert Landesgeschäftsführer Thomas Geppert.

Sollten Gäste sich mit klar ersichtlichen falschen Namen eintragen, muss der Betreiber die Gäste bitten zu gehen oder den Zutritt verweigern. „Uns bleibt in dieser Zeit nichts anderes übrig als die Gäste um Verständnis zu bitten. Die Listen sind ja auch im Interesse des Gaststättenbetreibers, der bei einem Corona-Fall dann punktuell reagieren kann und vielleicht nicht gleich die gesamte Gaststätte schließen muss“, erklärt er.

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Bayern
Vorgaben zur Datenerfassung:
  • Neben den Gaststätten müssen viele weitere Gewerbetreibende und Veranstalter „Schutz- und Hygienekonzepte“ mit vergleichbaren Vorgaben haben, die in der Regel ja von den jeweiligen Verbänden entwickelt und vom zuständigen Ministerium abgesegnet werden. Als Beispiele sind hier Frisöre, Veranstalter von Versammlungen (Demos) oder nach den nächsten Lockerungen künftig Hotels und Fitnessstudios zu nennen.
  • Die Gäste müssen Vor- und Nachnamen, Telefonnummer und Zeitraum des Besuchs hinterlassen. Natürlich dürfen die Gäste nicht die Daten der anderen Gäste sehen, also eine Liste einfach auslegen geht nicht. Es empfiehlt sich, dass entweder Mitarbeiter die Daten erfassen oder pro Tisch ein entsprechendes Formular mit allen Namen ausgefüllt wird. Diese Daten müssen einen Monat aufgehoben werden und sind danach zu vernichten.
  • Wenn man gegen den Datenschutz verstößt, zum Beispiel die Daten für Werbezwecke nutzt oder an Unbefugte Dritte weitergibt, könnte nach dem Datenschutzgesetz ein Bußgeld theoretisch bis in die Millionen oder 4% des letzten Jahresumsatzes festgesetzt werden. Hier gilt es, alle Umstände genau zu betrachten, um die Schwere des Verstoßes zu beurteilen.
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