03.12.2019 - 16:14 Uhr
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Ein Dorf im Takt der Dreschflegel

Wer kennt noch das "Wiederhilfdreschen"? In den Wintermonaten helfen sich die Bauern in früheren Zeiten aus. Gemeinsam wird eine Dreschmaschine angeschafft und von Hof zu Hof gezogen.

Dieses Bild wurde in Hohenkemnath aufgenommen und zeigt das Dreschen auf dem Strobl-Hof, der ehemaligen Hausnummer 1 im Dorf.

Im Jahresablauf der Bauern war das Dreschen eine der schwersten Arbeiten. So schnell und gut mechanisiert heute die Arbeit mit den teils riesigen Mähdreschern getan werden kann, so mühsam, Kräfte zehrend und zeitaufwendig ging das Dreschen noch bis Anfang der 1960er Jahre vor sich. Dennoch zählte der Dreschertag neben dem Kirchweihfest zu den Höhepunkten des weltlichen Festkreises.

Was bedeutet nun das "Wiederhilfdreschen"? Die Bauern einer Dreschgenossenschaft hatten sich gemeinsam eine Dreschmaschine angeschafft. Im Spätherbst und in den Wintermonaten halfen sich die Bauern gegenseitig aus. "Du hilfst mir, ich helfe dir", hieß das Motto. Für die Kinder eines Dorfes war es immer ein großes Ereignis, wenn die Dreschmaschine von einem Hof zum anderen gezogen wurde.

Schlachttag

Nach der schweren körperlichen Arbeit kamen aber auch das Essen und das Feiern nicht zu kurz. Auf vielen Anwesen wurde extra geschlachtet und es wurden Kücheln gebacken. 1961 schafften sich in Hohenkemnath (Gemeinde Ursensollen im Landkreis Amberg-Sulzbach) die Landwirte Anton Scharl und Josef Niebler den ersten Mähdrescher im Ort, einen "Cormick" an. Damit ging auch in diesem Dorf eine Ära zu Ende, die bis heute, gerade bei der älteren Generation, wehmütige Erinnerungen an die "gute, alte Zeit" hervorruft.

Im Winter, so erzählen es die Alten, war aus den Scheunen der Takt der Dreschflegel zu hören. Die Getreidebüschel waren auf dem Tennenboden ausgebreitet. Gekonnt ließen vier Bauern beziehungsweise Knechte die Dreschflegel fliegen, genau im Takt, damit sich die hölzernen Schlegel nicht verhedderten. Das Drischeldreschen wird im Landkreis immer wieder nachempfunden. Auch das Dreschen mit dem Göpel kennt unsere Generation nicht mehr.

Zum Antrieb der ersten "Dreschmaschinen" wurde die Zugkraft von Ochsen oder Pferden eingesetzt. In einem sogenannten "Triebhaus" (von "antreiben") mussten die Tiere im Kreis gehen und bewegten so über einen Balken eine Transmission. Diese trieb die "Stiftmaschine" an, deren mit Eisenstiften versehene Trommel wie der Drischel die Körner aus den Ähren schlug. Eine Winterarbeit war dann das Drehen von Roggenstroh, das sogenannte "Bänderstroh". Damit band man die Getreidegarben.

Maschinenkraft

Nachdem mit fortschreitender Mechanisierung die Arbeitskraft immer mehr durch Maschinenkraft ersetzt werden konnte, wurden auch in der Oberpfalz erste Dampfdreschmaschinen eingesetzt. In vielen Dörfern bildeten sich Dreschgemeinschaften, und es wurde gemeinsam eine Dreschmaschine angeschafft. Anfangs gab es noch keine Strohpressen. So musste das ausgedroschene Stroh wieder per Hand zusammengebunden werden. Dies war meistens Frauen- und Kinderarbeit. Kleinere Mengen Getreide wurden auch mit einer sogenannten "Hex", einer kleinen Handdreschmaschine, ausgedroschen.

Nachdem die ehemaligen Gemeinden Haag und Hohenkemnath 1922/23 elektrifiziert wurden, wurden nun die Dreschmaschinen von Elektromotoren angetrieben. In den Ortschaften installierte man dazu Masten mit Starkstromanschlüssen. Der Motor und das Anschlusskabel wurden in einem extra Kastenwagen mitgeführt. Nunmehr war während der Herbst- und Wintermonate auf den Dörfern weithin ein dumpfes Summen zu hören, wenn die großen Dreschmaschinen liefen. Drei Gespanne zogen am Tag vor dem Dreschen die schwere Dechentreiter-Dreschmaschine und den Binder zum jeweiligen Gehöft. Der Maschinist brachte die Geräte in Stellung. Mit einer großen Winde brachte er den Dreschkasten "ins Wasser", in die Waage. Das Amt des Maschinisten war angesehen. Manchmal gab es zwei. Der erste kümmerte sich mehr um das Technische, der zweite war der sogenannte "Aanloaerer" ("Einlasser"), der die geöffneten Garben in die Einlege einließ.

Nach der Ernte

Zu Beginn der Erntezeit wurde sich bereits um die Einteilung zum Dreschen gekümmert. Die Arbeit begann bei großen Bauern oft gleich nach der Ernte, da die Vorräte manchmal schon aufgebraucht waren. Sie ließen sich den Roggen gleich vom Acker weg zum Dreschen in den Hof oder manchmal in den Garten bringen. Den Roggen brauchte man ja gleich wieder im Herbst für die Wintersaat. Nur die Gerste, die allerdings früher mengenmäßig weit weniger angebaut wurde, drosch man auch bei den größeren Bauern erst im Herbst, denn sie "pressierte" ja nicht so sehr.

Spott der Nachbarn

Der Bauer, der zuerst im Dorf zu dreschen begann, musste gar oft den Spott der Nachbarn fürchten. Nur ungern gab man zu, dass die vorjährige Ernte aufgebracht war. "So, toust ebba schou d'Meis anlocka?" In Leinsiedl sagte man: "Bei dem is aa schou D'Bodnstejch (die Bodenstiege/-treppe) brocha!" (von der "Last" des nicht mehr vorhandenen Strohs oder Getreides). Eine Ausrede war: "Ich brauch' ja bloß a Bänderstroh!" (schß)

Mehr zum Thema lesen Sie in der nächsten Ausgabe der OWZ.

Dreschen bei der Familie Schuhmann in Garsdorf, zirka 1955. Ganz rechts sieht man den Motorwagen, denn Dreschkasten und Antrieb waren noch von einander getrennt. Die Strohpresse war bei den Dreschkästen dieser Zeit schon integriert. Als Fortschritt wurde bereits angesehen, dass das „G’sod“, also die abfallenden Spelzen, mit einem Gebläse (Bildmitte) vom Dreschkasten weggeführt werden konnte.
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