21.01.2020 - 19:09 Uhr
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Dorfkinder – und stolz darauf!

"Dorfkinder haben den Dreh raus": Eine Kampagne von Agrarministerin Julia Klöckner sorgt für Streit. Wir haben Kollegen von Oberpfalz-Medien gefragt, was Landleben für sie bedeutet: Freiheit oder Engstirnigkeit, Idylle oder Langeweile?

Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) wirbt mit neuer "Dorfkinder"-Kampagne für den ländlichen Raum
von Anna Dobler Kontakt Profil

"Dorfkinder lenkt den Blick auf die Menschen, die Tag für Tag daran mitwirken, die Dörfer und Landgemeinden voranzubringen – mit Engagement, Ideen, Leidenschaft", heißt es vom Landwirtschaftsministerium. In den Sozialen Medien wird das Thema allerdings kontrovers diskutiert. Zwar gibt es auch hier stolze "Dorfkinder". Doch andere Nutzer betonen, auf dem Land sei es langweilig, die Menschen seien engstirnig, am Abend würden die Gehsteige hochgeklappt. Wie sehen das unsere Kollegen von Oberpfalz-Medien?

Jacqueline Roscher, Projektmanagerin. Aufgewachsen in Schirmitz (Kreis Neustadt an der Waldnaab).

"Bei uns im Ort gab es einen Metzger und einen kleinen Laden, zu denen wir nach der Schule gerne gegangen sind. Der Metzger, ich weiß noch, dass er Rudolf Niedermayer heißt und einen Schäferhund hatte, der hat uns Kindern immer eine Scheibe Gelbwurst geschenkt. Danach sind wir weiter in den Tante-Emma-Laden und haben uns dort um zehn Pfennig Süßigkeiten gekauft und am Nachhauseweg vernascht. Einfach herrlich!"

Andrea Saame, Unternehmenskommunikation. Lebt auf einem Einsiedlerhof in Rötz (Kreis Cham).

"Ich habe mich ganz bewusst für ein Leben im Grünen entschieden und wohne mit meinem Partner und meinen Eltern auf einem kleinen Bauernhof mit Pferden, Hühnern, Hund und Katze. Bei uns kommen immer frische Eier auf den Tisch und unser Nachbar schenkt uns oft seinen selbstgemachten Honig. Die Menschen kennen sich hier alle und helfen sich gegenseitig, etwa wenn im Winter Schnee geräumt werden muss. Das finde ich klasse."

Josef Wieder, Redakteur in der Weiden-Redaktion. Aufgewachsen in Waldsassen (Kreis Tirschenreuth)

"Die ersten Jahre meines Lebens habe ich auf einem kleinen Einödhof verbracht. Drei Kilometer war die Grundschule entfernt, der Weg führte über den Kastlrangen, den wir im Winter gerne runter gerodelt sind. Und zwar auf unseren Schulranzen! Die Schule war so klein, dass die Kinder von der ersten bis zur vierten Klasse gemeinsam unterrichtet worden sind. Später bin ich dann nach Waldsassen gezogen und habe mein Taschengeld mit Schwarzbeeren-Pflücken aufgebessert. Von dem gesparten Geld habe ich mir mein erstes Fahrrad geleistet und später sogar eine Schreibmaschine."

Julian Trager, Redakteur in der Zentralredaktion. Aufgewachsen in Ensdorf (Kreis Amberg-Sulzbach)

"Die Ruhe und Lebensqualität in Ensdorf ist wirklich unvergleichlich. Einmalig ist auch die Lage im Vilstal und die Nähe zum Hirschwald. Dort haben wir als Kinder immer Baumhäuser gebaut, heute bin ich dort mit meinem Mountainbike unterwegs. Ich spiele auch leidenschaftlich gerne Fußball, wir waren fast jeden Tag am Sportplatz, und habe den Nachwuchs bei uns im Verein als Jugendtrainer betreut. Meine besten Freunde kenne ich schon seit dem Kindergarten beziehungsweise seit der F-Jugend. Wir spielen immer noch zusammen in einer Mannschaft."

Christian Gold, Mediengestalter. Aufgewachsen in Schirmitz.

"Heute wäre das vermutlich gar nicht mehr möglich, aber wir sind als Kinder beim 'Räuber und Gendarm'-Spiel immer quer durch alle Gärten und über alle Zäune geflitzt. Die Nachbarn waren da zum Glück entspannt. Kein Wunder, jeder kannte ohnehin jeden im Ort. Bei uns spricht man vom unteren und vom oberen Dorf, aus letzterem stamme ich. Wir haben auch oft Fußball gespielt auf der Straße. Die Tore waren kleine Hütchen, die wir aufgestellt haben. Im Winter waren wir oft Schlittschuhlaufen am Weiher und haben uns selbst ein kleines Flutlicht gebastelt, damit wir auch noch nach Einbruch der Dunkelheit weiter draußen sein konnten."

Monika Ackermann, Produktionshelferin im Druckzentrum. Aufgewachsen in Wendersreuth in Kirchendemenreuth (Kreis Neustadt an der Waldnaab)

"Bei uns im Dorf gab es nur zehn Häuser und alle Kinder haben sich nach der Schule in der Dorfmitte getroffen. Dann haben wir entweder mit dem Ball gespielt oder Baumhäuser gebaut. Im Sommer waren wir auch gerne im Weiher schwimmen. Später sind wir dann immer nach Windischeschenbach ins Freibad gefahren. Gefeiert haben wir damals mit der Landjugend, die allerlei Feste und Aktivitäten organisiert hat – eine schöne Zeit!"

Marco Klünter, Medienkaufmann. Aufgewachsen in Pechbrunn (Kreis Tirschenreuth)

"Meine Freunde und ich haben uns früher im Sommer jeden Tag auf dem Boltzplatz getroffen. Noch heute spiele ich leidenschaftlich gerne Fußball im Mittelfeld der SF Kondrau. Bei uns im Ort kann man alles gut mit dem Fahrrad erreichen, das finde ich wirklich praktisch. Wenn wir mal in die Disco wollten, haben uns unsere Eltern immer ins damalige "7One" nach Tirschenreuth gefahren und später wieder abgeholt."

Elisabeth Schätzler, Redakteurin Stiftland/EK. Aufgewachsen in Weiherhammer.

"Bei uns gibt es ein Motto, das lautet: 'Bevor man das Laufen lernt, lernt man das Schlittschuhfahren', weil sich im Winter der ganze Ort auf dem zugefrorenen Weiher trifft, etwa zum Eisstockschießen oder zum Eishockey spielen. Als Kinder sind wir immer zu meiner Tante gefahren, die direkt am Ufer wohnt – Schlittschuhe an und dann rauf aufs Eis. Ansonsten wird bei uns auch viel gefeiert: Kirwa, Maibaum, Johannesfeuer ... Jeder kennt hier jeden und das finde ich angenehm."

Kevin Riedl, IT-Systemadministrator. Aufgewachsen in Erbendorf (Kreis Tirschenreuth)

"Beliebtester Treffpunkt war bei uns nach der Schule die Skateboard-Anlage. Dort habe ich meine halbe Jugend verbracht. Im Sommer sind wir auch gerne ins Freibad gefahren und haben dort Volleyball gespielt. Langweilig wurde es jedenfalls nie. Besonderes Highlight sind immer das Bürgerfest und die Kirwa. Auch im Vereinsleben bin ich aktiv bei den Schützen. Landschaftlich gefällt mir die Gegend richtig gut."

Claudia Hartmann, Mediaberaterin. Aufgewachsen in Windischeschenbach.

"Wir waren früher als Kinder quasi immer draußen. Nach der Schule haben wir uns alle am Anger getroffen und sind mit den Rädern durch den Ort gefahren oder haben Völkerball gespielt. Allein war man nie und nach Hause ist man erst gegangen, wenn es Abendessen gegeben hat. Wir sind auch manchmal mit den Rädern ins Freibad nach Erbendorf. Beliebte Treffpunkte waren zudem die Eisdiele und die Ritterstube."

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