03.07.2019 - 10:42 Uhr
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Gaffer am Badeweiher: Schlimmes und vorbildliches Verhalten

Nicht nur an Straßen, auch an Seen werden Gaffer zum Problem. Am Dienstag war es bei Regensburg so heftig, dass sich ein Helfer an die Öffentlichkeit wendet. Beispiele aus dem Norden der Oberpfalz zeigen: Es geht auch anders.

Einsatz am Badeweiher bei Schwetzendorf.
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Es ist ein Hilferuf – von einem Helfer. Nach einem tödlichen Badeunfall im Schwetzendorfer Badeweiher bei Regensburg wendet sich der Regensburger DLG-Einsatzleiter Max Naumann an die Öffentlichkeit: "Bitte, wenn so etwas ist, machen sie Platz für die Einsatzkräfte. Halten sie Abstand zum Einsatzort. Und wenn sie kleine Kinder dabei haben, die müssen nicht zuschauen."

Zugeschaut haben die Badegäste am Dienstagabend gegen 20 Uhr. Badegäste hatten den Notruf gewählt, weil ein Mann nicht aus dem See zurückgekehrt war, Kleidung und Motorrad längere Zeit am Ufer zurückblieben. Taucher der Wasserretter fanden wenig später einen 55-Jährigen aus dem Landkreis Cham in dem See und brachten ihn an Land. Der Notarzt konnte dort allerdings nur noch seinen Tod feststellen.

Pettendorf

Während des Einsatzes kam es jedoch zu Vorfällen, die Einsatzleiter Naumann zu drastischen Worten veranlasste. Tatsächlich müssen Badegäste reihenweise das Telefon für Fotos und Videos gezückt haben, Eltern standen, mit dem Kind auf dem Arm, den Helfern im Weg. Für Naumann und seine Kollegen war es nicht der erste Zwischenfall dieser Art. Erst wenige Tage zuvor habe ein Schaulustiger sein Motorboot in unmittelbare Nähe eines Einsatzes gesteuert. Dass die Wellen des Boots den Helfer die Arbeit extrem erschwert haben, habe den Gaffer nicht gestört.

Vorbildliches Verhalten in Plößberg

Plößberg

Dass es anders geht, bewiesen zuletzt Badegäste am Plößberger Weiher. Dort gab es Ende Juni einen Badeunfall, auch dieser endete tödlich. Eine 78-Jährige starb nach der Rettung im Krankenhaus. Völlig anders fiel aber das Verhalten der anderen Badegäste aus. Der Technischer Leiter der Wasserwacht Plößberg, Matthias Konrad, wandte sich nach dem Vorfall an unsere Redaktion, um zu loben: "Während die Badeaufsicht und die ehrenamtlichen Helfer der Wasserwacht sowie die Helfer vor Ort des BRK bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes die Erstversorgung übernahmen, reagierten die Badegäste ruhig und besonnen: von Gaffern, gezückten Handys oder neugierigen Schaulustigen keine Spur."

Sicherheit beim Baden: Fünf Fragen an Rettungsschwimmer Peter Faget

Windischeschenbach

Das bestätigt für seinen Bereich der Kreisvorsitzende der Wasserwacht Amberg-Sulzbach, Michael Schmid: "An solche Probleme kann ich mich bei uns nicht erinnern." Allerdings sei das Einsatzaufkommen im Landkreis Amberg-Sulzbach nicht so hoch wie in Regensburg. Die Belastung der Kollegen dort sei extrem. "Die müssen in der Woche zweimal raus", sagt Schmid. Rund um Amberg habe es in diesem Jahr insgesamt etwa fünf Einsätze gegeben. Mit Gaffern hatten die Helfer dabei nie Probleme. Das bestätigt der Technische Leiter der Kreiswasserwacht Neustadt-Weiden, Thomas Heibl. "Das liegt aber auch daran, dass uns Polizei und Feuerwehr sehr gut abschirmen." Schon eher stellen wilde Parken die Nordoberpfälzer Helfer vor Schwierigkeiten. An heißen Tagen gehe es an Seen und vor Freibädern hoch her, berichtet Michael Schmid. "Wenn dann ein Rettungswagen durch soll, gibt es auch für uns Probleme."

Gaffer behindern Rettungskräfte:

Auch in einem Freizeitbad in Stein im Landkreis Fürth behindern Gaffer die Rettungskräfte

Der BR Mittelfranken berichtet, dass in einem Schwimmbad in Stein im Landkreis Fürth Retter bei einem Einsatz massiv von Gaffern behindert und bedrängt wurden. Ein Mann und dessen zweijähriger Sohn waren leblos im Wasser getrieben. Badegäste zogen sie aus dem Wasser und leisteten Erste Hilfe. Als die Rettungskräfte wenige Minuten nach dem Notruf im Freizeitbad eintrafen, seien sie beim Kampf um das Leben der beiden von Umstehenden behindert worden. Die Gaffer bildeten einen Kreis um die Verunglückten, sodass die Retter kaum durch die Menge kamen. "Jedes Mal beim Holen von neuen Utensilien hat sich die Gasse wieder verschlossen und musste neu durchdrungen werden", sagte ein Sprecher der Freiwilligen Retter gegenüber "nordbayern.de". Versuche, die Schaulustigen wegzuschicken, hätten nichts gebracht. "Es kostete sehr viel Mühe, sich nur auf den Patienten zu konzentrieren, wenn von allen Seiten auf die Arbeit gestarrt wird", sagte der Feuerwehrsprecher. Die Ersthelfer sowie die Badegäste, die Erste Hilfe geleistet hatten, lobte die Feuerwehr in Stein hingegen ausdrücklich: "Das macht uns Hoffnung."

Badegäste und Rettungsschwimmer reagieren schnell, als ein Vater und dessen Sohn in einem Freizeitbad in Stein leblos am Beckenboden liegen

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