11.06.2021 - 16:59 Uhr
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Holzmangel in der Oberpfalz: Lange Lieferzeiten und hohe Preise

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Alles wird knapp: Die Baubranche leidet unter Materialmangel. Schreinermeister Georg Schaechtl aus Weiden hat so etwas in 30 Jahren Berufserfahrung noch nicht erlebt.

Ungehobelte Bretter liegen in einem Holzlager. Fast die Hälfte der deutschen Industrie leidet unter Teile- oder Materialknappheit. Unter anderem gilt Holz als knapp.
von Caroline Keller Kontakt Profil

Häuslebauer müssen momentan noch mehr Geduld aufbringen. Dass es schwierig ist, Handwerker zu finden, das gab es in den vergangenen Jahren bereits. Doch inzwischen ist auch die Oberpfalz zusätzlich von großem Materialmangel betroffen. Vor allem Holz, das für Dachstühle, Fenster- und Türrahmen benötigt wird, hat derzeit extremlange Lieferzeiten. Und die Preise sind zuletzt auch sehr stark gestiegen.

Die deutsche Baubranche wird nach einer Umfrage des Ifo-Instituts von "erheblichem" Materialmangel wie seit Jahrzehnten nicht mehr gebremst. "Das ist ein beispielloser Engpass seit 1991", hieß es in einer veröffentlichten Analyse des Münchener Forschungsinstituts gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

Beeinträchtigungen im April

Durch den Materialmangel sei es bereits im April zumindest vorübergehend zu einer Beeinträchtigung der Bautätigkeit gekommen. Laut einer Pressemitteilung des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe (ZDB) ist die Materialverfügbarkeit bei fast allen Baustoffen eingeschränkt. Die Preise für Bauholz aber auch für Kunststoffe, mineralische und metallische Materialien sind gestiegen.

Holzmangel in Weiden

Der Materialmangel macht sich laut Schreinermeister Georg Schaechtl "teilweise" auch in der Schreinerei Hartwich in Weiden bemerkbar. Massiv- und Schichtholzplatten seien sehr schwer zu beschaffen. Schaechtl erzählt am Telefon: "Es beeinflusst unseren Betrieb nicht unerheblich." Wegen der vergleichsweise knappen Verfügbarkeit, verlängern sich die Lieferzeiten. Termine mit Kunden müssen neu gesetzt werden. "Es bleibt immer spannend", sagt der Schreinermeister.

Auch die Handwerkskammer Oberpfalz hat schon im Mai Alarm geschlagen. Während andere Handwerksbereiche im Winter und Frühjahr unter Corona leiden mussten, sei in der Baubranche davon gar nichts zu spüren gewesen. Im Gegenteil: nach dem witterungsbedingten Rückgang im Winter zog die Baukonjunktur wieder deutlich an. Bis das Material knapp wurde: "Dämmstoffen, Holz, Farben und Metall" bremsen die Konjunktur aus, meldet die Kammer in einem Pressebericht..

Terminzusage bei Kunden schwierig

Einen solchen Materialmangel habe es in seinen 30 Jahren im Beruf noch nicht gegeben, sagt auch Schaechtel. "Das ist alles im letzten Jahr entstanden." Es mache vor allem den Ablauf und die Terminzusage bei Kunden schwieriger. "Wenn man den Privatkunden vernünftig die Gründe erklärt, sind sie einsichtig", erklärt der Weidener. Selbst wenn der Materialmangel über die nächsten Monate anhalte, müsse der Betrieb nicht gleich geschlossen werden. "Der Aufwand wird größer. Wir müssen unsere Termine vernünftig legen."

"Die Ursachen sind in der Corona-Pandemie begründet, die mit dem Wiedererstarken der Volkswirtschaften in den USA und in China die internationalen Lieferketten durcheinander gewirbelt hat" begründet der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes die beinahe schon kuriose Lage. Das Ifo-Institut verwies darüber hinaus auf Sonderfaktoren, die derzeit die Holzbranche unter Druck setzen. In den USA sorgen ein zuletzt strenger Winter, die Waldbrände und Käferbefall für Knappheit beim Holz. Auf einem inzwischen globalen Markt schlägt sich das auch in Europa nieder.

Beim Kunststoff verweist der Zentralverband eher nach Asien. Dort sei die Produktion wegen Corona verknappt worden. Inzwischen laufen die Fabriken für Dämmstoffe oder Rohre zwar wieder. Viele Produkte werden nun aber in die neue asiatisch-australische Freihandelszone. Europas Handwerker müssen da noch warten.

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Hintergrund:

Holz-Export in die USA

  • Exporte von Nadelschnittholz in die USA: fast 2 Millionen Kubikmeter im Jahr 2020; im Vergleich zum Vorjahr um 54 Prozent zugenommen
  • Deutschland in den USA mit weitem Abstand hinter Kanada (30,8 Millionen Kubikmeter) der zweitwichtigste Lieferant für Nadelschnittholz.
  • Beim Export in die USA erreichten deutsche Sägewerke für Schnittware Preise ab Sägewerk von 400 bis 500 Euro pro Kubikmeter.

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