01.03.2020 - 16:18 Uhr
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Keine Panik vor Frühlingsgefühlen

Könnt ihr sie spüren? Die Frühlingsgefühle? Doch was für manche pures Glück bedeutet, löst in anderen pure Panik aus.

Frühling ist die Zeit der großen Gefühle ... jedenfalls für die meisten.
von Julia Hammer Kontakt Profil

Seite an Seite durchs Leben gehen, verliebte Blicke austauschen, die altbekannten Schmetterlinge im Bauch. Richtig. Der Frühling steht vor der Tür. Mit den ersten grünen Blättern scheinen auch die Hormone zu sprießen. Verständlich. Es wäre ja undenkbar, die ersten warmen Sonnenstrahlen, das erste fröhliche Vogelgezwitscher und den ersten Kaffee im Freien ohne Beziehung genießen zu müssen. Schrecklich. Naja … so schrecklich finde ich das eigentlich nicht. Vielmehr stellt sich mir die Frage: Haben wir verlernt, auch alleine glücklich zu sein? Alleine bedeutet natürlich nicht alleine im Sinn von: Ich werde nie wieder mit einem anderen Menschen sprechen und mich einsam in ein verlassenes Waldstück zurückziehen, mir ein kleines Zelt bauen und hoffen, dass die Plane so lange wie möglich hält, damit ich nie wieder in ein Geschäft gehen muss. Alleine bedeutet: als Single. Denn für viele Singles gleicht der näher rückende Frühling einer immer schneller tickenden Uhr. Tick. Schon wieder ein Jahr vergangen. Tick. Ich werde alt. Tick. Ich bin zu lange aus dieser Date-Nummer raus, ich habe vergessen, wie es funktioniert. Tick. Verliebte Pärchen, wohin man auch blickt. Tick. Ich bin frustriert.

Freundschaften Plus, Tinder-, und Speed-Dates. Die Bandagen in den Kämpfen gegen die Einsamkeit sind hart geworden. Liebe um jeden Preis. Unzählige quälende Abende voller Blind-Dates, unangenehmen Verkupplungsversuchen von Freunden, Aufbrezeln für den scheinbaren Traumprinzen, der sich meist schnell doch als quakender Frosch entpuppt. Je schneller die Uhr tickt, desto krampfhafter werden die Initiativen

gegen das Alleinsein. Niemand von uns ist gern allein. Dass wir das aber die meiste Zeit überhaupt nicht sind, sehen wir oft nicht. Nur eben nicht „nicht allein“ im klassischen Sinn. Wir haben liebende Familienmitglieder um uns, Freunde, die unser Leben so viel glücklicher machen und uns besser kennen als wir uns selbst. Vertraute, die immer zur Stelle sind.

Natürlich gibt es die Glücklichen, die wirklich jemanden an ihrer Seite haben, mit dem sie ihre Tage gerne verbringen, ihr Leben teilen und sich blind verstehen. Das ist schön. Aber nicht der einzige Weg, um glücklich zu sein. Die ersten Frühlingsgefühle. Verrücktspielende Hormone. Turtelnde Pärchen. Alles kein Grund für Panik. Es ist vielmehr eine Chance, zu uns zu finden, uns mit uns selbst auseinanderzusetzen und herauszufinden, was uns wirklich glücklich macht. Uns als Individuen. Allein. Was will ich im Leben? Was macht mich zufrieden? Wo will ich in zehn Jahren sein? Zugegeben, nicht unbedingt bequeme Fragen. Aber um einiges wichtiger als stundenlanges Grübeln über den passenden Lippenstift für das nächste Blind-Date, das schon von Vornherein zum Scheitern verurteilt ist. Denn haben wir uns diese Fragen beantwortet, kann uns das Alleinsein nichts mehr anhaben … Weil wir merken, wie viel Schönes wir doch in unserem Leben haben. Und plötzlich sagt unsere Uhr etwas komplett anderes. Tick. Endlich zwitschern die Vögel wieder. Tick. Es wird Zeit, mit meinen Freunden mal wieder in den Biergarten zu gehen. Tick. Ich freue mich auf eine ruhige Auszeit in meiner Badewanne mit meinem Lieblingsbuch. Tick. Das Leben kann so schön sein.

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