18.01.2021 - 11:02 Uhr
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Klappe ... und? Ein Plädoyer für und gegen das Filme-Spoilern

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Die einen lieben es, die anderen hassen es: Quatschen während des Films. Auch Redakteurin Julia Hammer und Volontärin Laura Schertl könnten in der Hinsicht kaum unterschiedlicher sein. Ein filmreifes Pro und Contra.

Spoilern oder nicht Spoilern ... das ist hier die Frage.
von Julia Hammer Kontakt Profil

Julia Hammer: Klappe halten - und: ACTION

Ruhe. Bitte. Ruuuhe. Nein, ich will nicht wissen, was als nächstes passiert. Nein, es interessiert mich nicht, was du über „den Wahnsinns-Twist“ gelesen hast, der uns in der nächsten Stunde „aus unseren Sesseln reißen wird“. Und NEIN, ich will nicht hören, wie du diese Szene interpretierst. Du kannst es nicht lassen, stimmt‘s? Dann werde ich jetzt deutlich. Halt endlich die Klappe und lass mich in Ruhe diesen Film schauen.

Schwarz-Weiß-Denken ist einseitig. Das Leben hat viele Facetten. Das macht es so aufregend. Geht es jedoch ums Spoilern und Quatschen während eines Filmes, gibt es nur Schwarz – oder Weiß. Entweder du bist ein Quatscher. Oder du hasst es. Ich hasse es. Filme sind etwas Wunderbares. Sie bringen mich zum Staunen, Weinen oder lassen meinen Puls in die Höhe schießen. Ein regelrechtes Abenteuer, bei dem man nie weiß, was einen erwartet. Ich interessiere mich nicht nur für die Geschichte, sondern auch die Machart, Szenen-Einstellungen, Musik. Ich sehe Filme als Kunstwerk. Doch es gibt eine Sache, die meine Euphorie schlagartig in den Boden stampft: Menschen, die es zu ihrer Aufgabe machen, jede Kleinigkeit des Films zu kommentieren. Ich unterscheide zwischen vier „Quatscher“-Typen:

Da hätten wir den „Fragensteller“. „Mit wem war der Schauspieler zusammen? Ich komm nicht drauf. So eine Blonde. Ihr Name fängt mit S an.“ Ja mein Freund, ich weiß, wen du meinst. Ich weiß, wie sie heißt. Ich könnte dir auch sagen, mit wem der Schauspieler aktuell zusammen ist. Aber ich sage es dir nicht. Warum? Aus purem Trotz. Wegen deiner Frage habe ich eine wichtige Szene verpasst. Also rate ruhig weiter …

Dann gibt es Typ „Paniker“ – ein Nervenbündel, das im Kinosessel an seine Belastungsgrenze stößt. „Oh Gott, ich kann nicht hinschauen. Ich ertrag das nicht. Sag mir, wenn das Schlimmste vorbei ist.“ Das mache ich – definitiv nicht. Schau weg, atme durch und denk an etwas Schönes. Am besten die nächste Stunde lang. Besonders anstrengend sind „Besserwisser“. Natürlich wissen sie, was als nächstes passiert. Und natürlich wollen sie uns daran teilhaben lassen. „Ist doch klar, dass sie wieder zusammenkommen. Das ist so vorhersehbar.“ Bitte erspar mir diese Info. Aus zwei Gründen. 1. Es reißt mich aus der Handlung. 2. Wenn du damit recht hast, machst du mir den kompletten Film kaputt. Du weißt also alles? Wie wäre es, wenn du uns was an der Kinotheke holst? Lass dir Zeit, du verpasst ja nichts. Du weißt ja, was passieren wird.

Kennt ihr Typ „Mitfieberer“?. „NEEEEEIN. Geh da nicht entlang. Der Mörder steht hinter der Ecke. TU ES NICHT.“ Auch mich spannt diese Szene an. Auch ich will nicht, dass er dem Killer in die Hände läuft. Aber im Gegensatz zu dir mache ich dieses Gefühls-Dilemma mit mir aus. Leise. Den meisten Spaß macht es, wenn man mit einem Paniker und einem Mitfieberer im Kino sitzt. Eine wunderbare Symbiose aus Gezitter, warnenden Schreien gegen die Leinwand und genervten Kinobesuchern, die sich nach uns umdrehen. Der wohl schrecklichste Typ aber er – der „Wiederholungstäter“. Eine Kombination aus Spoiler, Besserwisser und Fragesteller. Schau dir niemals einen Film mit jemandem an, der ihn schon gesehen hat. „Die nächste Szene wird toll.“ „Das Ende wird der Wahnsinn.“ Hör auf. Hätte ich wissen wollen, was passiert, hätte ich mir eine Kritik durchgelesen.

Also liebe Quatscher, nehmt Rücksicht. Wollt ihr über den Streifen sprechen, macht euch Notizen. Gerne können wir nach dem Film alle Aspekte durchdiskutieren, darüber philosophieren, wer mit wem zusammen ist. Aber: Sobald das Licht im Kinosaal ausgeht – Klappe halten und still genießen.

Laura Schertl: Klappe auf - und: ACTION

Rauf auf's Sofa, Chipstüte auf den Schoß - und Action. Endlich können wir mal diesen Film gucken, von dem ich schon seit Wochen erzähle. Selbstverständlich habe ich mich vorher ausgiebig informiert. Ich weiß genau, welche Schauspieler dabei sind und wie lange die Produktion gedauert hat. Logisch! Bei meiner ausgiebigen Recherche bin ich auch über den einen oder anderen Spoiler gestolpert, aber was macht das schon. Das macht den Film doch nicht weniger spannend. Und überhaupt - jetzt bin ich wenigstens schon auf den fiesen Plotttwist in Minute 65 vorbereitet. Ach, das wolltest du nicht hören? Upsi. Dabei fällt mir ein, dass die Hauptperson ja auf einer nordischen Legende basiert. Möchtest du wissen, auf welcher? Nein? Naja, ich erzähle dir trotzdem mal die Kurzfassung. Sonst weißt du ja gar nicht, was du verpasst. Jetzt habe ich dabei ganz vergessen, dem Dialog zuzuhören. Was habe die gleich nochmal gesagt? Ah ja, danke. Kann es sein, dass ich dich mit meinem Gequatsche gerade ziemlich nerve? Ja? Oh, das tut mir leid. Aber leise Filme schauen ... das ist einfach nicht so meine Stärke.

Hui! Da habe ich mich jetzt aber ganz schön erschreckt, als das Auto nach dem Unfall einfach so explodiert ist. Aber realistisch ist das nicht, denn Autos explodieren gar nicht so einfach. In der echten Welt passiert das nur ganz selten. Das ist so ein Actionfilm-Ding, hast du das gewusst? Apropos: Der Schauspieler hier ist in einem anderen Film direkt durch eine Glasscheibe geflogen. Wie die das wohl machen? Da fällt mir ein: Ich habe da mal so ein Video angeguckt, in dem ganz viele Tricks der Stuntman gezeigt wurden. Willst du das mal sehen? Nein? Na gut. Ich schau es mir trotzdem gleich nochmal an. Aber keine Sorge, ich mache den Ton auch ganz leise. Jetzt musst du mir aber bitte erklären, was da gerade im Film passiert ist. Ich habe total den Anschluss verloren. Warum schon wieder dieser genervte Unterton? Liegt das immer noch an dem Stress in der Arbeit? Bestimmt. Und wie geht es überhaupt deiner Kollegin, ist die nicht seit Kurzem schwanger? Da willst du jetzt nicht drüber reden? Na gut. Der Film geht jetzt auch schon ganz schön lange, oder?

Nennt mich Labertasche, Nervensäge oder Filmbanause, der die Kunst des Bewegbilds nicht zu schätzen weiß. Was Filme angeht habe ich meine eigene, chaotische Ordnung. Spoiler sind mirherzlich egal, ich gucke den Film auch dann noch gerne, wenn ich genau weiß,was passiert. Ich habe die Aufmerksamkeitsspanne eine salten Goldfisches und muss währenddessen mindestens zweimal auf die Toilette, nochmal Chips nachfüllen oder nur ganz kurz was erzählen. Und auch, wenn ich weiß,dass die meisten davon genervt sind, kann ich es manchmal doch nicht lassen. Kinofreunde und Filmliebhaber: ich schulde euch eine Entschuldigung. Es tut mir leid, dass ich durch Dialoge und Actionfilme quatsche, zwischendrin ein paar Funfactsund Anekdoten erzähle und sicherlich auch zu laut Chips esse. Aber keine Sorge: einen Netflix and Chill-Abend mit euch würde ich sowieso kategorisch ablehnen. Es ist gerade der „Chill“-Teil, der mir Sorgen macht. Aber es nervt mich auch tierisch, wenn während des Films gespenstische Stille herrschen muss und wenn ihr kurz auf den Pause-Knopf drückt, weil ihr niesen müsst und dabei ja eventuell ein Wort verpassen könntet.Sorry, aber das wird nichts mit uns. Es liegt an mir, nicht an dir. Hoppla, jetzt sind fast fünf Minuten Film vergangen und ich habe keine Ahnung, worum es geht. Aber der Schauspieler, der hat auch in so einer Komödie mitgespielt, weißt du, welche ich meine? Nein? Ich soll endlich meine Klappe halten? Ganz schön schlechte Stimmung heute. Vielleicht solltest du dich mehr entspannen. Yoga zum Beispiel, das mache ich jetzt zwei Mal die Wo... okay okay, ich bin ja schon leise.Aber wenn du mir nochmal schnell erklären könntest, was grade passiert ist, wäre da secht super. Dann halte ich auch wirklich den Mund. Ehrenwort. Ach übrigens: John Schnee stirbt.Glaube ich zumindest.

Pro/Contra: Plädoyers für und gegen das Laufen

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