13.07.2021 - 15:31 Uhr
OberpfalzOberpfalz

Landrat zwischen Metallica und Bach

Er schneidet alte Zöpfe ab, lebt aber auch Traditionen. Andreas Meier ist vor allem musikalisch für vieles offen. Neustadts Landrat rockt gerne ab, mag jedoch ebenso Kirchenmusik. Unter anderem darum geht es im Podcast "Mein Soundtrack".

"Old school Heavy Metal" mit Metallica: Jutta und Andreas Meier fahren voll auf die harten Riffs von James Hetfield und Co. ab – hier beim Konzert im Münchener Olympiastadion vor rund zwei Jahren. Auf der persönlichen Playlist des Neustädter Landrats stehen aber auch ganz andere Klänge - wie etwa Kirchenmusik von Johann Sebastian Bach.
von Stefan Puhane Kontakt Profil

Franz Josef Strauß war der Prototyp eines bayerischen CSU-Politikers: Stattliche Figur, unüberhörbarer Dialekt – und beim Einzug in den Festsaal erklang stets der Defiliermarsch. Gerade was die Musik betrifft, gab und gibt es bei offiziellen Anlässen im größten und südlichsten Bundesland der Republik kaum Alternativen zu Blas- und Marschmusik. Andreas Meier gehört als CSU-Landrat sicherlich zu einer neuen, jungen Generation von Kommunalpolitikern, die anders sind als ihre Vorgänger. Beispielsweise was die Musik betrifft. Der "singende und klingende Landkreis" etwa mutierte unter seiner Ägide zu "NEW musics": Bei dieser Veranstaltung haben Rock und Pop, gemischt mit klassischen Klängen, die volkstümliche Musik abgelöst.

"Sehr stimmungsabhängig"

Doch Meier ist auch dem urbayerischen Musikgenre nicht abgeneigt. "Bei mir ist das tatsächlich sehr stimmungsabhängig", verrät der Windischeschenbacher in unserer zweiten Folge des Podcasts "Mein Soundtrack". Am Sonntagvormittag komme es nicht selten vor, dass bei Meiers "Blasmusik mit Schorsch Ried" im Radiosender "BR Heimat" läuft. "Das gehört zum Geruch von Schweinsbraten und Knödel einfach dazu", sagt der 42-Jährige schmunzelnd.

Hier geht's zur aktuellen Folge

alternativer_text

alternativer_text

alternativer_text

alternativer_text

Allerdings – und das ist relativ neu in der Gilde der bayerischen Polit-Entscheider: "Ich hab hinten auf meinem Auto einen Metallica-Aufkleber – meine Frau übrigens auch." Die Metal-Band aus San Francisco hat es Meier angetan, die gönnen sich er und Frau Jutta schon mal bei einem Live-Konzert – und mit dessen Frontmann James Hetfield würde der Oberpfälzer auch gerne mal einen Zoigl trinken.

Gute, alte Rockmusik

Rockmusik, vor allem "guter, handgemachter Rock", steht auf der persönlichen Playlist Meiers ohne Zweifel ganz oben, auch wenn "die Zeit des Moshens mangels Substanz auf dem Kopf" längst vorbei sei. "Ich kann mit manchem, das aus dem Radio kommt und sich so anhört, als ob es aus dem Computer kommt, tatsächlich nicht so viel anfangen wie mit den guten, alten Rockern", betont Meier. Einer der Altmeister, die es ihm besonders angetan haben, ist Ausnahmegitarrist Mark Knopfler. Wie auch bei Metallica gerät der Landrat ins Schwärmen, wenn er über die Musik des früheren "Dire Straits"-Mastermind spricht. "Calling Elvis" etwa, einer der späten Hits der britischen Rockgiganten, begleitet ihn gar seit seiner frühesten Jugend und lässt ihn nicht mehr los. "Ich schau mir oft abends im Bett vorm Einschlafen auf youtube die Videos an", verrät der Familienvater.

Auch selbst an der Orgel

Die musikalische Sozialisation begann beim früheren Bürgermeister von Windischeschenbach indes an der Schrankwand im Wohnzimmer des Meierschen Elternhauses. Dort befand sich die Plattensammlung des Vaters, deren Inhalte allerdings von Rock und Metal weit entfernt waren. "Meistens Klassik, aber auch Schlager" gelangte in den 80er-Jahren damals auf den Plattenteller. Eine Schallplatte, die in Meiers Kindheit "rauf und runter" lief und ihn nachhaltig beeinflusst hat, gehört jedoch in die Kategorie "Kirchenmusik": Johann Sebastian Bachs "Toccata und Fuge d-Moll". "Die Toccata von Bach verfolgt mich – fast noch mehr als ,Calling Elvis' von den ,Dire Straits' - bis heute durchs Leben."

Seine Liebe für dieses Stück, an der viele Kindheitserinnerungen hängen, ist so groß, dass den 42-Jährigen gar nochmal der Ehrgeiz gepackt hat, sich selbst wieder an die Orgel zu setzen und die in der Kindheit erlernten Fähigkeiten an dem Musikinstrument aufzufrischen. "Ich hab jetzt begonnen, da ein bisschen rumzuspielen und bin wild entschlossen, wieder Unterricht zu nehmen", verrät der Windischeschenbacher.

Kathi mag "Rock-Antenne"

Hetfield auf der einen Seite, Bach auf der anderen – doch aktuell ist Meier als junger Familienvater nicht selten den musikalischen Vorlieben seiner Tochter ausgesetzt. Die Kleine, fast fünf Jahre alt, bevorzugt ihrer Altersklasse entsprechend die Titelmelodien der Zeichentrickserien "Heidi" und "Biene Maja" oder die Hits von "Rodscha aus Kambodscha". Aber die Affinität des Ehepaar Meiers zur Rockmusik hat auch bei ihr scheinbar Spuren hinterlassen, wie der Landrat in einer amüsanten Episode erzählt. "Wir haben sie da in eine ganz gute Richtung gebracht", sagt er und lächelt. Als Papa Andreas kürzlich seine Kathi bei der Sendersuche am Radio fragt, was sie denn gerne hören möchte, kommt von ihr wie aus der Pistole geschossen: "Rock-Antenne". Beruhigt habe er daraufhin Ehefrau Jutta darüber informiert: "Siehst as, irgendwas hamma richtig g'macht!"

Info:

Der Podcast

Die aktuelle Folge unseres Musik-Podcasts "Mein Soundtrack" sowie alle anderen Podcasts von Oberpfalz-Medien gibt es bei Spotify, Google Podcasts, Apple Podcasts und Deezer.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Tanja Härtl

Sehr geehrter Herr Meier,

Sie sprechen mir aus der Seele! Mir geht es ganz genauso wie Ihnen und Ihrer Familie, ich kann auch mit der heutigen Mainstream-Musik zum größten Teil nichts anfangen, dafür liebe ich die guten alten Rocksongs, aber auch, je nach Situation, auch mal Klassik, Volksmusik und alles was gute Laune macht. Vielen Dank für den tollen Artikel!

14.07.2021