28.02.2021 - 14:22 Uhr
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Von Langlauf und Schlittschuh bis T-Shirt: Oberpfälzer Winter der Extreme

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Mit Temperaturunterschieden von über 40 Grad ließ es der Winter in der Oberpfalz krachen. Die Niederschlagsdaten lassen jedoch schlimme Befürchtungen zu. Eine regionale Winterbilanz von Wetter-Experte Andy Neumaier.

Eisig kalt war es im diesjährigen Winter in der Oberpfalz - aber auch mal sehr warm. Es gab Temperaturunterschiede von mehr als 40 Grad.
von Andy NeumaierProfil

Der Winter 2020/2021 war ein wirklich buntes Rädchen, das sich ständig neu gedreht hat. Langweilig wurde es nicht in diesem Potpourri aus Sonne, Schnee, Eis und T-Shirt-Temperaturen. Eines kam allerdings zu kurz: der Regen.

Für die Böden in größeren Tiefen zeichnen sich teils dramatische Entwicklungen ab, die sich durch zunehmende Trockenheit auch wieder in die Oberböden vorarbeiten. Unterhalb von 25 Zentimetern Tiefe bis 1,8 Meter herrscht laut dem Dürremonitor Deutschland des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung teilweise eine schwere bis extreme Dürre. Von oberflächlich aufkommendem, sattem Grün sollte man sich dieser Tage also nicht täuschen lassen.

Aus einem extrem trockenen November kommend, brachte auch der Dezember nicht ausreichend Regen. So wurde mit regionalen Unterschieden das Monatssoll meist nur zu 50 bis 65 Prozent erfüllt. An bis zu 13 Niederschlagstagen gab es insgesamt 32 Liter pro Quadratmeter in Tirschenreuth, 42 in Weiden, der Rest meist dazwischen.

Die Temperaturen lagen dazu etwa 1,5 bis 2 Grad über dem langjährigen Monatsmittel, mit einem Maximum von 12,2 Grad am 22. Dezember in Schwandorf, und einem Tiefstwert von minus 7,8 Grad am 4., ebenfalls gemessen in Schwandorf. Auch die Sonne kam zu kurz, gerade einmal 16 Sonnenstunden brachte Weiden im gesamten Monat zusammen, und nach ein paar Krümeln Schnee zu Monatsbeginn kam der nächste Schnee erst zum Ende des Jahres.

Regen im Januar

Vorübergehende Kehrtwende dann im Januar. Diesen könnte man fast als "regenreich" bezeichnen, was aber natürlich durch die zwei viel zu trockenen Vormonate wieder relativiert werden muss. An bis zu 25 Niederschlagstagen wurde das Soll überall erfüllt, regional sogar mit 174 Prozent erheblich übertroffen. 65 Liter pro Quadratmeter in Tirschenreuth, bis 92 Liter/qm in Amberg kamen vom Himmel, und ein Großteil davon bei sinkenden Temperaturen als Schnee. Dieser summierte sich vor allem in der zweiten Monatshälfte auf teilweise lange nicht mehr gesehene Mengen von bis zu 30 Zentimetern in den Niederungen, und teils um 50 Zentimeter auf unseren Höhen auf.

Die Temperaturspanne reichte von einem Höchstwert von 10,4 Grad in Amberg bis minus 17,4 Grad in Tirschenreuth, und insgesamt war der Januar noch 0,5 bis 1 Grad über dem langjährigen Mittel. Erneut war es auch auffällig trüb mit meist unter 20 Stunden Sonne.

Ein Temperaturunterschied von 41,7 Grad

Am besten in Erinnerung sind uns ja noch die letzten Wochen. Der Februar bot Extreme, die es so selten oder teilweise noch nie gab. Einem winterlichen Monatsbeginn folgte eine Tauwetterphase, dann bitterer Frost, und anschließend innerhalb weniger Tage Frühlingswetter. Es gab noch 11 bis 14 Tage mit Niederschlag. 35 Liter pro Quadratmeter in Weiden und bis 48 in Oberviechtach entsprachen meist 70 bis 90 Prozent des Solls, hauptsächlich kam dies in der ersten Monatshälfte vom Himmel.

Ein starkes Winterhoch mit russischer Kaltluft sorgte für traumhafte Schneelandschaften zur Monatsmitte, aber auch für bitteren Dauerfrost von gut einer Woche. Als würde ein Schalter umfliegen, gelang mit Mittelmeerluft dann dem Frühling zum Monatsende ein erster Siegeszug. In Oberviechtach konnte am vergangenen Donnerstag mit 16,3 Grad sogar ein neuer Februarrekord seit 1949 gemessen werden. Die Temperaturspanne des Monats ist enorm: Von minus 23,8 Grad in Mähring im Landkreis Tirschenreuth bis hin zu 17,9 Grad in Neustadt am Kulm. Das sind oberpfalzweit immerhin 41,7 Grad.

Am Ende bleibt: Ja, es gab mehr Schnee und mehr Eistage. Dennoch war dies in kompakten Zeiträumen gehalten, und die milderen Tage überwogen auch in diesem Winter. So geht dieser Winter 2020/21 etwas zu mild, oft zu trocken, und auch insgesamt zu trüb zu Ende. Vor dem Hintergrund der bereits vorhandenen Trockenheit in tieferen Bodenschichten bleibt zu hoffen, auch wenn man das sicher nicht gerne hört, dass der nun beginnende Frühling einige ausgedehnte Regenzeiten liefert. Sonst sehen wir im Falle eines erneut trockenen Sommers langsam "alt" aus, vor allem der Wald.

Die Winterbilanz für Deutschland

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Info:

Zur Person: Andy Neumaier

Andy Neumaier liebt und lebt das Wetter. Der gebürtige Mitterteicher arbeitet seit seiner Ausbildung beim Deutschen Wetterdienst aktuell beim Geophysikalischen Beratungsdienst der Bundeswehr und ist als Medien-Meteorologe neben Radiosendern auch seit vielen Jahren für Oberpfalz-Medien tätig.

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