17.12.2019 - 13:57 Uhr
OberpfalzOberpfalz

... und sie legte ihn in eine Krippe

Aus Wurzeln, Rinde, edlem Porzellan oder Glas - es gibt viele Formen der Darstellung der Geburt Jesu. Dabei haben wir es dem Evangelisten Lukas zu verdanken, dass diese Tradition überhaupt existiert.

von Rainer ChristophProfil

Nun starten wieder in der Region die Krippenausstellungen und der Aufbau der Hauskrippen. Doch woher wissen wir eigentlich, wie die Krippe in Bethlehem ausgesehen hat? Eines vorweg: Ohne den Evangelisten Lukas gäbe es keine Weihnachtskrippe. Der Grund: Die Kindheitsgeschichte Jesu wird nicht in allen Evangelien mitgeteilt.

Nur in den Evangelien nach Lukas und Matthäus ist die Krippe erwähnt, letzterer gibt auch nicht den Ort an. Markus, der Dritte im Bunde, begnügt sich damit, mit der Taufe von Jesus im Jordan anzufangen. Der Evangelist Johannes beginnt seinen Bericht über das Leben Jesu mit einer sehr theologischen Betrachtung der Ereignisse: "Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt ..." Er will damit sagen: "Der wahre Gott ist ein wahrer Mensch geworden." Nach dieser Aussage wäre eine bildliche Darstellung unmöglich. Wie gut, dass es Lukas gab, der davon berichtet, dass Maria ihren Sohn in Windeln wickelte und in eine "he phatne" (Futtermulde) legte, welche sich in einem "praesepium" (Stall) befand. So wird die Weihnachtsgeschichte nach Lukas schon seit vielen Jahrhunderten in unzähligen Krippenspielen nacherzählt.

Krippensammlungen

Bedeutende Sammlungen von Weihnachtskrippen finden sich in allen großen Museen von Bayern über Österreich, Südtirol, Italien, Prag oder Krakau. Alljährlich wird in unzähligen regionalen Ausstellungen das Geschehen der Heiligen Nacht gezeigt. Ein eigenes Krippenmuseum besitzt die Marktgemeinde Plößberg. Hier wird 2020, so das ehrgeizige Ziel von Krippenbauer Hubert Haubner, "die größte Krippe der Welt" aufgebaut.

Bei Weihnachtskrippen gibt ein großes Spektrum. Das beginnt mit dem Aufbau, der sich stets nach den räumlichen Gegebenheiten richtet. Daran leitet sich auch die Stilrichtung bis hin zu den Materialien ab. So kennen wir Bretterkrippen oder große Stallkrippen in öffentlichen Gebäuden, wie Kirchen oder Museen.

Typisch für die nördliche Oberpfalz sind die Landschaftskrippen, die auch in Böhmen oder im Salzburger Land rund um den Traunsee bei Gmunden zu finden sind. Kleinere Stall-, Höhlen- oder Kastenkrippen finden in den Wohnstuben ihren Platz.

Weithin bekannt und gefragt sind die - in allen Größen erhältlichen - Weihnachtspyramiden aus dem Erzgebirgsraum oder die Wurzelkrippen, die vor allem aus Bergregionen stammen.

Einen besonderen Einfluss auf die Entwicklung der orientalisch gefärbten Krippengattung hatte Josef Ritter von Führich (geboren 1800 in Kratzau in Nordböhmen, gestorben 1876 in Wien). Führich war von 1840 bis 1872 Professor für Historienmalerei an der Wiener Akademie.

Bekannt ist sein europaweit viel kopierter Kreuzweg in der Nepomukkirche am Praterring. Einige Jahre hielt er sich aus Studienzwecken in Rom auf. Er gilt als der führende Vertreter der Nazarener in Österreich, der mit seinen Weihnachtsdarstellungen die Stilrichtung der Orientalischen Krippen eröffnete.

Bemalte Papierkrippen

Vielfältig auch die Materialauswahl für den Krippen und Figuren der Weihnachtskrippen. Klassiker sind immer noch die geschnitzten Krippen aus Holz - von der hochwertigen Künstlerkrippe bis zum einfachen Krippen-Mandl des Amateurschnitzers.

Glaskrippen entstanden entlang der Glasstraße, hier brachte sich auch die Firma Nachtmann in Neustadt/WN ein. Krippen gibt es aus Rinden, Steinen, Terrakotta, Lehm, Porzellan, Papiermaché, Wachs, Bronze, Metall, Wolle, Stoff, Zinn oder Brotmasse, die vielfach in böhmischen Gegenden entstanden sind. Bemalte Papierkrippen zum Ausschneiden oder bereits fertiggestellt, entstanden um die Wende des vergangenen Jahrhunderts.

Eine Ikone der österreichischen Krippenbauer ist Johann Peter der Ältere Schwanthaler (Ried, 1720 bis 1795). Eine Porzellankrippe nach seinem Vorbild bekam die Stadt Tirschenreuth als Geschenk der Firma Hutschenreuther zum 50. Firmenjubiläum 1988. Dabei stellte sich heraus, dass die Familie Schwanthaler einen Bezug zum Stiftland hatte.

Schwanthaler

Johann Peter der Ältere Schwanthaler übernahm im Jahr 1758 mit bereits 38 Jahren die Bildhauerwerkstatt seines Vaters in Ried im Innkreis. Er war der drittälteste Sohn von Johann Franz (1683 bis 1762) und Enkel des gefragten Bildhauers Thomas Schwanthaler (1634 bis 1707).

Johann Peter war bis zur Werkstatt-Übernahme mehr als Lebemann bekannt, der aufgrund seines schlechten Benehmens kurzfristig sogar der Stadt verwiesen wurde. Obwohl seine berufliche Laufbahn unter wirtschaftlich schwierigen Voraussetzungen begann, brachte er dem Familienbetrieb den künstlerischen und ebenso den wirtschaftlichen Erfolg.

Auch die Auftragsgeber änderten sich in dieser Zeit - es waren nun hauptsächlich wohlhabende Bürger und Bauern und nicht mehr die Kirche, die ihn für Kleinplastiken beauftragten.

Ehefrau aus Wondreb

Von seinen Hauptwerken ist unter anderem der Hochtabernakel in der Pfarrkirche Ried im Innkreis (1770) zu nennen. Schwanthalers vorerst noch stark dem Rokoko verhafteten Skulpturen näherten sich gegen Ende des 18. Jahrhundert dem Klassizismus an. Er gilt als der letzte große Künstler der Bildhauer-Dynastie Schwanthaler.

Johann Peter, der Onkel des berühmten Johann Georg Schwanthaler, hielt sich von 1756 bis zirka 1759 in der nördlichen Oberpfalz auf. Bevor er nach Ried ging, heiratete er die Bauerntochter Maria König aus Wondreb, heute ein Stadtteil von Tirschenreuth. Auch das Stadtmuseum Mitterteich kann eine Schwanthaler Krippe vorweisen.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.