14.08.2020 - 09:40 Uhr
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LEO Blog: Mein Freund, der Biber

Wir leben in aufgeregten Zeiten. Die ungewisse Zukunft bereitet den Menschen Sorgen, glaubt Leo-Redakteur Wolfgang Fuchs. Um selbst gelassen zu bleiben, geht er spazieren. Doch auf den Feldern im Weidener Osten bleibt er nicht lange allein.

Biber bauen sich ihre Welt.
von Wolfgang Fuchs Kontakt Profil

Ich klappe meinen Laptop zu und reibe mir die Augen. Die Corona-Infektionszahlen steigen wieder. In den Kommentarspalten wird heiß diskutiert. Mir fallen die Worte eines Nachrichtensprechers ein: "Bleiben Sie freundlich." Einfache und weise Worte, finde ich. Und so zeitgemäß, wenn man bedenkt, wie erhitzt manche Gemüter sind. Die Menschen machen sich eben Sorgen. Ich aber bleibe gelassen und setze meine Sonnenbrille auf. Es ist Zeit für meinen allabendlichen Spaziergang. Außerdem bin ich verabredet mit meinem neuen Freund, dem Biber.

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Kennengelernt haben wir uns bei dem schmalen Bächlein zwischen den Schrebergärten und den Wiesen, auf denen im Frühling die Vögel brüten. Ich schlenderte so dahin. Um mich herum fiepte und zwitscherte es. Das hohe Gras raschelte im Wind. Dann plötzlich: Platsch! Erschrocken wich ich zurück. Das muss der Biber sein! Ein Schritt nach vorne ins Gestrüpp genügte, dann sah ich ihn. Regungslos lag er im Wasser und schaute mich mit pingpongballgroßen Augen an. Das erste Mal in meinem Leben sah ich einen Biber in freier Natur. Ich hielt den Atem an. "Sieht ein bisschen aus wie ein Krokodil", schoss es mir durch den Kopf. "Ein Krokodil in Weiden. Das wär's." Platsch! – Wasser spritzte – Der Biber war wieder weg. Vermutlich versteckt im nahen Schilf. Zurück blieben kreisförmige Wellen.

Um mehr über meinen Freund zu erfahren, habe ich mir das Buch "Der Biber – Baumeister mit Biss" gekauft. Bis zu 23.000 Haare pro Quadratzentimeter soll ein Biber haben, lese ich. Ein Seeotter sogar 100.000. Beim Menschen sind es immerhin 300. Wahnsinn! Echt jetzt? 300 Haare! Das Schilf und das Gestrüpp am Ufer des Baches gibt es übrigens erst seit ein paar Wochen. Der Biber hat ganze Arbeit geleistet. Er staut, baut und gestaltet sich seine Welt nach seinen Bedürfnissen.

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In letzter Zeit treffen wir uns regelmäßig. Letztens überholte er mich, als ich am Flutkanal entlangspazierte. Entspannt glitt er in der Waldnaab dahin und an mir vorbei. Biber nutzen Wasser als Fortbewegungsmittel und sparen so Energie, lese ich in meinem Buch. Ein andermal begegneten wir uns auf dem Weg zwischen Naab und Maisfeld. Plötzlich stand er vor mir. Wie dick der war! Biber sind Vegetarier. Sie ernähren sich von Pflanzen und Gräsern, die am Ufer wachsen. Manche essen sogar Gemüse, wenn es die Gegend hergibt. Bis Ende Juli fressen sie sich ein Fettpolster an, von dem sie den Rest des Jahres zehren. Ja, genauso sah er auch aus. Der dicke Kerl stand mir gegenüber und fauchte. Da fielen mir wieder die Worte des Nachrichtensprechers ein. "Bleiben Sie freundlich." Ich nickte meinem Freund zum Gruße zu und ließ ihn sein. Er dankte es mir, indem er aufhörte zu fauchen. Gemütlich wackelte er davon und machte sich über das Grün am Wegesrand her.

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