09.02.2021 - 12:47 Uhr
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LEO Blog: Ohne Worte, Teil 2

Lob ist zu leise. Viel zu oft verkneifen wir uns eine nette Bemerkung oder ein Kompliment. Schade eigentlich. Redakteurin Elke Summer schreibt jetzt auf, was sie leider nie gesagt hat.

Lob ist zu leise. Im neuen LEO Blog schreibt Redakteurin Elke Summer deshalb jetzt auf, was sie nie gesagt hat.
von Redaktion ONETZProfil

Von Elke Summer

Der Kollege heißt Peter. Ich kenne ihn kaum und vermute, dass das auf Gegenseitigkeit beruht, weil wir beruflich nichts miteinander zu tun haben. Wir grüßen uns – und das war’s. So habe ich natürlich kein Wort darüber verloren als ich ihm nach Monaten auf dem Flur begegnet bin und gedacht habe: „Mann, der sieht ja richtig gut aus.“ Wer macht das schon? Wer verteilt Komplimente an flüchtige Bekannte? Ich jedenfalls nicht. Vor allem nicht, wenn das Lob auch übergriffig rüberkommen könnte, weil Peter gegen sein Übergewicht ankämpft. Also, lieber schweigen. Hätte ich etwas gesagt, hätte er mir vielleicht erzählt, was ich kurze Zeit später in der Tageszeitung lesen konnte. Peters persönliche Geschichte, die ich sensationell gut fand. Selten hat mich ein Text so berührt und gefesselt, weil er so gnadenlos ehrlich war. Der Kollege schildert seine Kindheit, seine Isolation, seine Beschwerden mit den überflüssigen Pfunden und seine Bemühungen um ein leichteres Leben. Denn Peter geht jetzt neue Wege, kilometerweit, bergauf und bergab. Inzwischen hat er über 80 Kilo verloren und steuert sein nächstes großes Ziel an: uhu – unter hundert (Kilogramm). Mein erster Impuls: Dem schreib ich jetzt. Mein zweiter Impuls: nichts. Ich habe ihm weder zu seinem persönlichen Erfolg noch zu seinem tollen Text gratuliert. Wär’ auch irgendwie komisch gewesen – schließlich kennen wir uns ja kaum.

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Ewiger Begleiter

Der Kollege hieß Manfred. Ein ewiger Begleiter in der Raucherpause, der viel zu sagen hatte. Wer Ruhe suchte und Mane fand, hatte verloren. Denn der Manfred hat sich nie abweisen lassen – nicht mal durch unwirsche oder einsilbige Antworten. Stoisch-freundlich hat er munter über Gott und die Welt geplaudert. Oder über Filme. Jetzt ist Manfred tot. Ganz plötzlich. Mit 57 Jahren aus dem Leben gerissen. Unfassbar. Und zu spät für ein paar nette Worte. Zum Beispiel darüber, dass ich ihn immer um sein Kommunikationstalent beneidet habe. Der Mane konnte alle von der Seite anquatschen – ohne Berührungsängste. Oder über seine tief empfundene Tierliebe, die ihn so unglaublich sympathisch gemacht hat. Auch sein gewitzter Humor fehlt mir jetzt. Einmal hat er mir ganz beiläufig erzählt, dass er jetzt viel Zeit mit „seiner französischen Geliebten“ verbringe. Wie bitte? Der verheiratete Kollege hat ne Freundin aus Frankreich? Ja, hatte er – seine Mischlingshündin Margotte. Guter Witz, Mane. Leider hab ich dir das nie gesagt. Das nicht und so vieles andere auch nicht. Wie schade. Ohne Worte.

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