23.07.2020 - 09:43 Uhr
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LEO Blog: Protokoll einer Diät

Abnehmen ist alles andere als einfach. Das weiß auch Volontärin Laura Schertl. Der erste Tag der Diät - ein Protokoll des Scheiterns.

Die Versuchung: Kroketten.
von Laura Schertl Kontakt Profil

7.00 Uhr: Ich mache mir Frühstück. Während ich mein Toastbrot fingerdick mit Nutella bestreiche, fällt mir ein, dass ich ab heute Diät machen wollte. Ich lege das Brot weg und esse stattdessen ein zuckerfreies Müsli. Die Meerschweinchen hören mich lautstark kauen und gucken neidisch zu mir herüber.

7.30 Uhr: Das laute Kauen hört man bis in den Garten. Vier Eichhörnchen und eine Maus stehen auf meiner Terrasse und wollen auch was von dem Müsli.

7.45 Uhr: Ich bin nicht annähernd satt. Im Internet lese ich, dass Kaffee gegen Hunger hilft. Ich trinke einen doppelten Espresso.

8.00 Uhr: Ich trinke einen doppelten Espresso.

8.15 Uhr: Ich trinke einen doppelten Espresso.

8.30 Uhr: Ich habe bisher sechs Tassen Espresso getrunken und kann nun Farben hören.

9.00 Uhr: Ich schalte mich in die Videokonferenz mit meinen Kollegen ein. Die Chefin erzählt irgendwas von Themenfindung, während ihr pinker Pullover fürchterlich piepst. Noch drei Stunden bis zum Mittagessen.

10.00 Uhr: Irgendetwas mache ich falsch. Ich bin schon den ganzen Tag auf Diät, habe aber noch kein Gramm abgenommen.

10.30 Uhr: Vor lauter Hunger esse ich eine ganze Packung Reiswaffeln. Die Meerschweinchen randalieren an den Gitterstäben.

11.00 Uhr: Zum elften Mal gehe ich in die Küche und schaue mit leeren Augen in den Kühlschrank.

11.30 Uhr: Eine Kollegin ruft mich an und fragt, warum ich heute so schlecht gelaunt bin. Ich erzähle, dass ich Diät mache. Sie empfiehlt, morgens nur einen Apfel zu frühstücken, das mache sie auch immer so. Ich frage mich, ob ich mit derartig psychopathischen Menschen überhaupt zusammenarbeiten möchte und überlege zu kündigen.

12.00 Uhr: Unter Tränen greife ich an der Fertiglasagne im Kühlschrank vorbei und öffne die Tüte mit Salat. Beim Dressing vergreife ich mich in der Flasche und ertränke das Grünzeug in einem guten Schuss reiner Essigessenz.

12.05 Uhr: Der Salat schmeckt, als könnte man damit getrocknete Farbe von der Autobahn lösen. Ich fühle mich, als hätte ich Rohrfrei geschnupft, so dermaßen brennt die Essigessenz in meiner Nase.

13.00 Uhr: Ich befürchte, dass sich der übriggebliebene Salat durch den Teller fressen könnte und kippe ihn in den Mülleimer.

14.00 Uhr: Ich trinke noch einen Espresso.

15.00 Uhr: Ich beende die Arbeit früher und streife durch den Supermarkt. Ich stehe mit Tränen in den Augen vor dem Tiefkühlfach mit den Kroketten und weiß jetzt, wie sich schwerer Liebeskummer anfühlt.

15.30 Uhr: Ich kann mich beherrschen und kaufe nur die Zutaten für eine traurige Gemüsepfanne.

16.00 Uhr: Ich hole nachträglich zwei Tüten Kroketten.

17.00 Uhr: Ich esse die Gemüsepfanne. Die Bohnen quietschen fürchterlich zwischen meinen Zähnen, als würden 20 gesprächige Mäuse in meinem Mund über Außenpolitik diskutieren.

18.00 Uhr: Ich habe Hunger. Ich rieche an den tiefgefrorenen Kroketten und lege sie wieder zurück in den Kühlschrank.

19.00 Uhr: Ich schiebe mir genau vier Kroketten in den Backofen.

20.00 Uhr: Ich esse noch mehr Kroketten, habe die Packung aber nicht ganz aufgegessen.

21.00 Uhr: Doch.

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