01.09.2020 - 09:41 Uhr
OberpfalzOberpfalz

LEO-Blog: Spinnefeind

Sie ist wieder da. Im Herbst taucht sie aus dem Nichts auf und verbreitet mit sechs Augen und acht haarigen Beinen das pure Grauen. LEO-Redakteurin Elke Summer hasst Hauswinkelspinnen. Und den Spruch, dass die Biester nützlich sind.

Spinnen - der größte Albtraum für Redakteurin Elke Summer.
von Externer BeitragProfil

Scan. Die Wand ist leer. Scan. Keine Gefahr auf der Treppe. Alarm. Verdächtiger Fleck auf dem Boden neben der Wäschekiste. Und wirklich: Sie ist wieder da. Die nachtaktive Tegeneria domestica, die als Hauswinkelspinne ihrem Namen alle Ehre macht. Keine Ecke ist ihr zu dunkel, keine Spalte zu eng. Sie lauert überall. Heute Wäschekiste, morgen Kellerwand, übermorgen Abfluss im Spülbecken. Das blanke Entsetzen für mich. Sucht sie mich heim, bekomme ich Herzrasen, Schockstarre und eine unbändige Wut. Auf mich (wegen meiner Angst) und den Krabbler (wegen seiner Anwesenheit).

Abends stelle ich mir regelmäßig drei Fragen:

a) Warum kommt sie immer zu mir?

• Antwort: Weil sie es kann.

b) Warum kommt sie gerne, wenn ich alleine bin?

• Antwort: Weil sie es will.

c) Warum komme ich nicht über diese Phobie hinweg?

• Antwort: Weil ich es nicht kann.

Jedenfalls nicht ohne Hilfe. Tatsächlich schaffe ich es nicht, mich auf eine distanziert-freundliche Koexistenz zwischen Tier und Mensch einzulassen. Ich fühle mich winzig, dem rund 12 Millimeter großen Körper deutlich unterlegen. Bei Hunden sagen die Herrchen gerne: „Der tut nichts, der will nur spielen.“ Nichts davon wollen meine Spinnenfeinde, sie wollen weder angreifen noch flirten. Kein Spiderman ist mir nachts über den Fuß gekrochen, keine Spiderwoman hat sich direkt auf mein Kopfkissen abgeseilt. Trotzdem mutiere ich schon bei ihrem Anblick zum furchtsamen Mäuschen und muss ständig den Lieblingsmenschen bemühen, der dann mäßig begeistert mit Glas und Pappe anrückt, um die Spinne zu entfernen.

Ja, leider reagiert die Umwelt mit Unverständnis auf meine Spinnenphobie. Nette Mitmenschen zeigen höfliches Mitgefühl, die anderen wischen meinen Horror als blanke Spinnerei vom Tisch. „Lächerlich. Ein so kleines Tier. Und so nützlich, schließlich vertilgt es Mücken und Motten.“ Ich bleibe dabei. Ein dreifaches Igitt auf den übergriffigen Mitbewohner, der sich ins Haus schleicht, sobald draußen die Temperaturen wieder fallen. Das nervt tierisch. Und dass die kleinen Kriecher ein Indiz für gesundes Raumklima sind, ist wissenschaftlich längst widerlegt.

Belegt ist aber, dass Spinnen alle Arachnophobiker in Panik versetzen. Die Wissenschaftler haben ein Herz für uns Angsthasen. Sie nehmen uns ernst und empfehlen eine Konfrontationstherapie, an deren Ende der Betroffene beherzt zupackt und die Hauswinkelspinne eigenhändig nach draußen befördert. Will ich das? Nicht heute, aber vielleicht morgen. Wenn der Therapeut meine Phobie in positive Energie umwandelt, kann ich mit der Hauswinkelspinne Verstecken spielen und lache nur noch über meine Spinnenangst. Nur: Sind Angststörungen eigentlich auf andere Tierarten übertragbar? Nicht, dass ich plötzlich neue Aversionen entwickele – etwa gegen Katzenbabys. Oder Entenküken.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.