12.04.2021 - 09:56 Uhr
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LEO Blog: Stehen wie ein Krieger

Spazierengehen und Yoga macht Volontärin Susanne Forster eigentlich fast täglich. Bis sie stürzt und sich das Knie verletzt. Von da an heißt es: Ausruhen statt Aktivität. Die Regenerationsphase birgt aber auch eine Lektion.

Der herabschauende Hund ist eine Yogahaltung, um die Körperrückseite zu dehnen. Perfekt für alle, die empfindliche Knie haben.
von Susanne Forster Kontakt Profil

Einkaufen gehen kann ich bei mir im Heimatort zu Fuß. Ich tue der Umwelt etwas Gutes, weil ich das Auto stehen lasse. Und ich tue mir etwas Gutes, weil ich mich bewege. So weit, so gut. An einem Novemberabend trage ich also meine vollgepackte Tasche vom Supermarkt nach Hause. Es ist schon dunkel und ich möchte schnell heim, denn es ist ziemlich kalt. Gedankenversunken kämpfe ich mich den Berg hoch. Die Einkaufstasche ist so schwer, dass ich die Tragegurte abwechselnd mal in die rechte und linke Hand nehme. Ich blicke auf den schwarzen Asphalt. Dann verliere ich das Gleichgewicht.

Ich strauchle, versuche mich in Balance zu halten. Erfolglos. Mein rechtes Knie knallt zuerst auf die Straße, dann das linke. Ich liege neben Gemüsekonserven, Karotten und Gewürzen auf dem Boden. Aua! Etwas perplex rapple ich mich auf, glaube die Einkäufe zusammen und schleppe sie und mich heimwärts.

Krücken und Schiene

Zuhause angekommen bin ich fast schon erleichtert, dass mein Knie nur etwas aufgeschürft ist. Doch nur eine Stunde später ist das Gelenk kaum mehr beweglich und dick geschwollen. Es folgen Arztbesuch, Computertomographie, dann die Diagnose: Patellalängsfraktur. Kniescheibe gebrochen. Mein Atem stockt, ich muss schlucken.

Langsam realisiere ich, dass nun mindestens sechs Wochen Schiene tragen und auf Krücken laufen muss. Es ist ein Schock für mich, denn mein geliebtes Yoga und ausgiebige Spaziergänge müssen nun erst einmal warten. Und Autofahren ist auch passé. Wie soll ich das bloß überstehen?

Es folgen ruhige Wochen, die ich hauptsächlich auf der Couch verbringe. Vier Wochen nach dem Sturz versuche ich einen ersten Spaziergang. Es ist anstrengend mit den Krücken und es macht absolut keinen Spaß. Immer wieder muss ich pausieren, meine Arme ausruhen. Im Januar beginnt die Physiotherapie. Noch immer bin ich auf einen Chauffeur angewiesen. "Durchhalten, Geduld haben, durchhalten", denke ich mir. Ich übe, lagere das Bein hoch, bleibe zuversichtlich.

Dankbar für Yoga

Mittlerweile ist es März und die Spaziergänge werden immer länger. Die Krücken sind auf den Dachboden verschwunden und die Schiene abgelegt. Und auch Yogaübungen klappen schon wieder. Als ich nach mehr als einem Viertel Jahr Yogapause wieder auf der Matte stehe, kann ich mein Glück kaum fassen. Ich stehe im Krieger, eine Position zur Kräftigung der Stabilität. Genau das tut mir jetzt gut. Wenn ich durch den Wald spaziere, genieße ich jeden Schritt und bin dankbar, ihn ohne Gehhilfe bewältigen zu können. Hach, wie sehr hab ich das alles vermisst.

Auch wenn sich mein Knie noch etwas wackeliger anfühlt als vor dem Unfall. Ich bin bei jeder Wanderung dankbar für meine Beine, die mich zuverlässig durchs Leben tragen – und für meine Physiotherapeuten, die mich mit Lymphdrainagen, Massagen und Übungen wieder in Form brachten. Nun wertschätze ich die körperliche Gesundheit noch intensiver. Weil mir bewusst ist, wie stark eine Verletzung – die jederzeit und unerwartet passieren kann – das Leben einschränkt.

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