30.08.2021 - 15:25 Uhr
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Markus Engelstädter: Musik, die aus der Seele kommt

Die Fans können aufatmen: Auch nach 20-jähriger Karriere und all den Corona-Beschränkungen brennt Markus Engelstädter für Musik. In unserem Podcast "Mein Soundtrack" spricht er über seine Leidenschaft, die Beruf und Berufung zugleich ist.

Markus Engelstädter in Aktion: Der Sänger begeistert viele Menschen mit seiner außergewöhnlichen Stimme.
von Stefan Puhane Kontakt Profil

Seine Musik muss aus dem tiefsten Innersten kommen, sozusagen "aus der Seele heraus". So lautet eine, wenn nicht sogar die wichtigste Anforderung, die Markus Engelstädter an sich selbst stellt. Wenn der 43-jährige Ausnahmesänger auf der Bühne steht, dann will er auch immer Vollgas geben. "Nicht jeder Auftritt ist gleich. Aber grundsätzlich will ich immer 100 Prozent haben, vielleicht manchmal sogar mehr."

In unserer neuen "Soundtrack"-Folge lässt uns der Musiker an seiner Gefühlswelt auf und abseits der Bühne teilhaben, spricht über die Anfänge und die Weiterentwicklung seiner Karriere und hat dabei viele amüsante und interessante Anekdoten auf Lager.

Von Heideröslein bis KISS

Rückblende auf Anfang der 1980er Jahre: Im örtlichen Männergesangsverein, in dem Papa Engelstädter mit seinen Sangeskollegen diverse Volkslieder zum Besten gibt, beginnt die musikalische Früherziehung des Pressathers. Klein-Markus gefällt das Gehörte gut - und er trällert im Sandkasten beschwingt Klassiker wie das "Röslein auf der Heide". Bis – ja bis der große Bruder des späteren Vollblutmusikers in seinem Zimmer den Kassettenrekorder voll aufdreht. Und aus dem dröhnen ebenfalls Klassiker, aber aus einer ganz anderen Ecke – "Detroit Rock City" von Kiss beispielsweise. Um Markus ist es geschehen: Rockmusik nimmt fortan den größten Einfluss auf sein musikalisches Leben und findet sich auch heute noch auf seiner Playlist wieder. "Ich bin meist im Pop-Rock-Metier unterwegs", beschreibt Engelstädter sein musikalisches "Einsatzgebiet".

Doch zurück nach Pressath ins Kinderzimmer des künftigen Sangesakrobaten. Markus geht völlig unverkrampft an alles ran, was ihm in die Ohren gelangt, singt alle Lieder nach, die ihm gefallen. Das Bemerkenswerte daran: Er kann es auch. Selbst die hohen Passagen, vor denen Otto-Normal-Sänger vor Ehrfurcht in die Knie sinkt, stellen für den Jungen aus dem Landkreis Neustadt/WN kein Problem dar. Dass ihn das aber besonders macht, erste klare Anzeichen für sein Ausnahmetalent sind, ist ihm zu diesem Zeitpunkt noch längst nicht klar.

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Weiter Weg zum Profi-Sänger

Lieder nachzusingen sei für ihn das Normalste auf der Welt gewesen, meint er in der Rückschau. Aber fasziniert hat ihn das Geschehen auf der großen Bühne von Anfang an. "Ich wusste als Zehnjähriger schon, ich will sowas beruflich machen", beteuert der Musiker. In diesem Metier ist er letztendlich auch gelandet, allerdings mit einem gravierenden Unterschied zu "normalen Berufen": "Ich sehe das Ganze nicht als Job, sondern als ganz was Besonderes. Und das möchte ich mir auch erhalten."

Doch der Weg zum Profi-Sänger war dennoch noch weit entfernt. Zunächst stand nämlich das Saxofon im Mittelpunkt des musikalischen Interesses von Engelstädter. Die Erkenntnis, dass die Stimme seine eigentliche Berufung ist, kam später, aber erneut eher zufällig: Als auf einem örtlichen Gartenfest der DJ "Child in Time" von Deep Purple auflegt, singt der damals 16-Jährige aus voller Kehle mit und rockt eben auch die hohen Passagen des Songs. Die Gäste staunen nicht schlecht – und die Musiker der Classic-Rock-Coverband "Firun", die sich ebenfalls im "Publikum" befinden, verpflichten den Teenager vom Fleck weg.

Musik von früh bis spät

Endgültig alles auf die Karte setzt der gelernte Schreiner allerdings erst im Alter von 22 Jahren, als er sich beim Music College in Regensburg für ein Musikstudium im Hauptfach Gesang bewirbt – und auch prompt angenommen wird. Dann aber geht alles Schlag auf Schlag, ein Karriere-Schritt jagt den nächsten: Vocal Coach und Hauptdarsteller bei diversen Musicals (Burgfestspiele Leuchtenberg, Theater Regensburg und Landestheater Niederbayern), Sänger der Queen-Coverband "Flash" und viele weitere Projekte. Mittlerweile – die Zeit während der Corona-Pandemie natürlich ausgenommen – ist Engelstädter an einem Karrierepunkt angelangt, an dem Musik von früh bis spät sein Leben bestimmt.

"Ich bin seit 20 Jahren Profimusiker und Sänger", sagt der 43-Jährige nicht ohne Stolz. Und dabei auf etlichen Bühnen Deutschlands und Europas unterwegs, mit bis zu 100 Auftritten pro Jahr. Rockmusik bezeichnet er als seine Wurzeln, ansonsten ist er aber extrem flexibel aufgestellt, sein Repertoire reicht von Big Band bis Duo, von Rockband bis zum großen Orchester und von Musical bis neuerdings auch Chansons von Udo Jürgens (wir berichteten). "Ich bin dankbar für das, was in den letzten Jahren passiert ist", sagt Markus Engelstädter – alles stets mit einem gehörigen Schuss Demut versehen. Er sei einfach froh, "dass die Leute immer wieder zu den Konzerten kommen".

Die Playlist von Markus Engelstädter

Radio bleibt auch mal aus

Die Hits von Freddie Mercury, Michael Jackson und vielen weiteren Superstars bestimmen sein Leben auf der Bühne, doch was hört Markus Engelstädter eigentlich, wenn er daheim ist, wenn er Feierabend hat? Im Popbereich seien Sänger und Musiker wie Johannes Oerding und Laith al Deen persönliche Favoriten, nach Auftritten könne es aber auch sein, dass Klassik im Auto läuft, zum Runterkommen. Oder aber das Radio bleibt komplett aus. Grundsätzlich aber gefalle ihm das, was auch ins Ohr geht. "Gib mir eine gute Melodie – und du machst mich extrem glücklich", sagt Engelstädter und lacht dabei. Und wenn ein Song dann auch noch entsprechend leidenschaftlich vorgetragen wird, hat er gute Chancen, auf der Playlist des Sängers zu landen.

Feuer lodert noch gewaltig

Und da sind sie wieder, die Emotionen, über die sich Markus Engelstädter selbst auf der Bühne definiert. Und die für ihn auch zwingend erforderlich sind. Denn: "Wenn ich mal emotional gar nichts mehr spür, dann hör ich auf, weil dann ist es vorbei." Aber wie eingangs schon erwähnt: So weit ist es noch lange nicht. Das Feuer brennt beziehungsweise lodert noch gewaltig. Und das soll sich bei jedem Auftritt auch auf die Zuschauer übertragen, fordert der Musiker von sich selbst. "Ich will das Publikum am Ende des Auftritts so weit haben, dass es sagt: ,Wow, du hast mich jetzt zwei Stunden lang mitgenommen in eine andere Welt, danke – wir kommen wieder!' Das ist mein Job!"

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Markus Engelstädter wie einst Freddie. Alle Queen-Fans sehen es sofort: Die Ähnlichkeit zum ersten Album-Cover der britischen Rockband ist unverkennbar.
Hintergrund:

Markus Engelstädter

  • am 12. Oktober 1977 in Eschenbach in der Oberpfalz geboren
  • Saxofonunterricht mit sieben Jahren
  • mit 16 Jahren folgte die erste Classic-Rock-Band
  • 2004 sein Debut als Musicaldarsteller im Musical "Linie 1"
  • Haupt- und Titelrollen in "Fame", "Little Shop of Horrors", "Xanadu" (Europäische Erstaufführung) und "The Rocky Horror Picture Show"
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