27.12.2019 - 16:28 Uhr
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Mysteriöse weise Männer

Seit der Spätantike sind die Heiligen Drei Könige ein bekanntes Motiv in der christlichen Kunst. Bereits ab dem Jahr 378 werden sie in Theaterspielen gewürdigt. Die ersten Sternsinger ziehen im 16. Jahrhundert von Tür zu Tür.

von Rainer ChristophProfil

Der 6. Januar gilt seit dem vierten Jahrhundert als religiöses Hochfest. Den Tag der "Erscheinung des Herrn", als "Epiphanias" wird in den beiden christlichen Kirchen, und auch in der anglikanischen und orthodoxen Kirche gefeiert. Die Heiligen Drei Könige erfuhren, dass die Geburt Jesu in einem Stall und nicht in einem Palast erfolgte. Dahinter steckt die Aussage, dass es sich um keine glorreiche Königsgeburt handelt, Gott sich sozusagen klein macht.

In den Weihnachtskrippen im europäischen Raum gehören die "Drei Könige" zu den wichtigsten Figuren. Seit der Spätantike, also zur Zeit Kaisers Diokletians, sind sie ein bekanntes Motiv in der christlichen Kunst. Von den "weisen Männern", erzählt Matthäus, dass sie einen Stern beobachtet haben, nach Jerusalem kamen, um dem neugeborenen König zu huldigen. Der aufgerüttelte und entsetzte König Herodes wollte, dass sie ihm den Aufenthaltsort des Kindes verraten. Der Stern hatte ihnen den Weg aufgezeigt.

Im Matthäus-Evangelium wird nicht von "Königen" gesprochen. Er gebraucht den Begriff "Sterndeuter aus dem Osten". Matthäus will damit ganz bewusst aufzeigen, dass Jesus der Messias für die Juden und die Heiden ist.

So mysteriös die Geschichte und die Herkunft der Könige sind, so geheimnisvoll ist auch die Geschichte des Sterns von Bethlehem. Zwölf Sternenkundige sollen abwechselnd auf dem bereits im Alten Testament erwähnten, hohen Berg Vaus gewacht und gewartet haben, um die Ankunft des lange vorausgesagten Sternes zu erleben. Zusammen fanden sie den Ort, wo Maria und Josef mit dem Kinde waren. Die Ausstrahlung der Heiligen Familie beeindruckte sie zutiefst. Da sie ein Engel vor Herodes warnte, zogen sie auf anderem Wege in ihre Heimat zurück.

Die Namen der Könige Caspar, Melchior und Balthasar sind etwa seit dem sechsten Jahrhundert bekannt. In vielen Darstellungen überbringt Caspar als Geschenk aus Afrika Myrrhe, als Vertreter Europas gibt Melchior Gold und als Vertreter Asiens stellt Balthasar Weihrauch vor die Krippe. Weitere Kontinente waren zu dieser Zeit unbekannt.

Bevor die Könige in den Krippen ihren Platz fanden, wurden sie seit dem Jahr 378 in Theaterspielen gewürdigt. Angeblich habe Maria sich mit den drei Waisen mit einem gesungenen Dialog unterhalten haben. Aus dieser nicht belegten Erzählung entstanden die Singspiele, die sich im 15. Jahrhundert großer Beliebtheit erfreuten.

Ob daraus der Grundstein für die Tradition der Sternsinger gelegt wurde, ist nicht bewiesen. Gesichert ist, dass die ersten Sternsinger bereits im 16. Jahrhundert von Tür zu Tür zogen. Es waren größere Schulkinder, die mit ihren Lehrern von Haus zu Haus gingen, um den Bewohnern die Geschichte von Jesus Christus vorzusingen. Am Ende erhielt das Haus dann einen Segen in Form eines an die Tür gemalten Kreuzes.

Mit der Mitte des 16. Jahrhunderts begann für die Holzschnitzer die Hochphase des Krippenschnitzens. Alle katholischen Kirchen von München bis Salzburg, aber auch die kleineren Pfarrkirchen wollten sich zur Weihnachtszeit mit Krippen schmücken.

Damals standen darin nur die Holzfiguren von Maria und Josef mit dem Jesuskind und Ochs und Esel. Erst im Laufe des 19. Jahrhunderts kamen, wie viele andere Figuren auch, die Heiligen Drei Könige Caspar, Melchior und Balthasar hinzu. Welcher der drei Könige nun der dunkelhäutige sein soll, ist übrigens bis heute nicht abschließend geklärt. Meist gilt Caspar als "Vertreter Afrikas", gelegentlich aber auch Melchior oder Balthasar.

Erst zur Zeit Karl IV. wurde ab dem 14. Jahrhundert einer der Heiligen Drei Könige auf den Bildern plötzlich dunkel. Schwarze Hautfarbe stand für Exotik und für den Anspruch des Christentums, alle Völker zu bekehren.

Krippenbauer wissen es: Jeder Figur ist innerhalb der Krippe ein spezieller Platz zugeordnet. Im Mittelpunkt ist selbstverständlich das Jesuskind. Zur rechten Seite ist Maria platziert, zur linken Seite Josef, der Ziehvater. Von dieser Seite her - vom Betrachter aus gesehen also rechts - nähern sich die Könige, als Vertreter der Heiden, der Krippe. Es gibt auch die Interpretation zur Haltung der Figuren: In ihnen wurden symbolisch die drei Lebensalter gesehen: Das Alter (knieend), die Mitte des Lebens und die der Jugend.

Beim Schnitzen und dem "Fassen der Figuren" steigerten sich die Künstler bei den Königen und all dem Zubehör in Ausfertigungen und Prunk-Bemalung. Kein Wunder, dass die drei Könige schnell zu den beliebtesten Krippenfiguren aufstiegen. Hinzu gesellten sich, für die ländlichen Schnitzer, all die exotischen Tiere wie Kamele, Elefanten und Dromedare. Die meisten hatten noch nie so ein Tier gesehen, einzige Orientierung waren Bilder. Was da so entstand, ist heute in den alten Krippen gut nachvollziehbar.

Die meisten der Plößberger Krippenschnitzer, der Ort lag ja an der Goldenen Straße mit ihrem Fernverkehr, wussten, dass Könige nicht zu Fuß kamen. Sie setzten die Anreisenden auf prächtige Pferde und weniger auf Kamele oder gar Elefanten. Manchmal ritten Herolde voran, um sie anzukündigen.

Zu Beginn der Adventszeit ist der Zug der Könige noch weit vom Stall zu Bethlehem entfernt. Mit der Zeit rücken sie dann je nach Aufbau einer Krippe immer näher heran.

Das gilt auch für die meisten Kirchenkrippen, da werden die Waisen aus dem Morgenland erst am 6. Januar hineingestellt. Angekommen am Stall reiten manche mit ihren Tieren ganz nah heran.

Die Gewänder der Könige sind in der Regel in Blau, Rot, Gelb oder Grün gehalten. Auf ihren Köpfen tragen sie Turbane wie Kronen. Über dem Stall oder der Höhle muss der Stern und ein Verkündigungsengel angebracht sein.

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