30.06.2021 - 00:01 Uhr
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Neue Mobilität: Smart und vernetzt

Mit Bus und Bahn zur Arbeit? Beschäftigte, die in der Oberpfalz mit öffentlichen Verkehrsmitteln in ihren Betrieb fahren, sind in der Region die Ausnahme. Moderne Konzepte und digitale Technik könnten dies bald ändern.

Das Baxi hat sich als Erfolgsmodell für viele ländliche Regionen entpuppt.
von Alexander Rädle Kontakt Profil

Noch beherrschen Linien das Nahverkehrsnetz in der mittleren und nördlichen Oberpfalz: Busse fahren regelmäßig in und zwischen den meisten größeren Orten. Züge ebenfalls, stellen aber eher die Verbindung zu Ballungsräumen wie Nürnberg und Regensburg her. Bus und Bahn ist gemein: Sie bedienen einigermaßen nachfragestarke Verbindungen nach einem festen Fahrplan. Was aber ist mit den großen Flächen dazwischen? Und mit Orten, deren dichte Anbindung mangels Nachfrage und Fahrgastpotenzial nicht abbildbar ist?

Mit dem Baxi haben die Landkreise Tirschenreuth, Neustadt/WN und Schwandorf ein Modell eingeführt, das gleichzeitig nahezu die komplette Fläche der jeweiligen Kreise, die wesentlichen Verkehrsströme und die nachgefragten Nutzungsarten abbildet. Die einprägsame Abkürzung steht für Bus und Taxi. Das System vereint im Prinzip die Flexibilität einer Taxifahrt mit der Verlässlichkeit und den günstigen Preisen des öffentlichen Nahverkehrs. Erstmals ging es 2014 als Pilotprojekt im Kreis Tirschenreuth an den Start. Der wesentliche Unterschied zu bekannten Anrufbussen oder Anrufsammeltaxen: Das Baxi ist ein System, das ein größeres geographisches Gebiet bedient und nicht nur einzelne Linien oder einzelne Fahrten.

Beliebtes Baxi

Das Konzept scheint aufzugehen: Die Erschließung im Landkreis Schwandorf zum Beispiel hat sich deutlich verbessert. War vor Einführung des Baxi nur knapp ein Viertel der bebauten Fläche des Kreises sehr gut bzw. gut erschlossen, sind es nunmehr 63 Prozent. Der Anteil der nicht erschlossenen Fläche ist von rund einem Drittel auf 17 Prozent gesunken. Auch an den Nutzungszahlen lässt sich die Beliebtheit ablesen. Im ersten Jahr waren die Baxis rund 2600 Mal unterwegs, prognostiziert waren 2100 Fahrten.

In ihrem Verkehrsleitbild geht die IHK Regensburg für Oberpfalz/Kelheim davon aus, dass auf vielgenutzten Relationen „auch zukünftig Bus- und Bahnverkehre mit klassischen Fahrplänen das Rückgrat des ÖPNV bilden“. Bestenfalls könnten die Fahrten getaktet werden. Verkehrsspezialisten sagen aber, dass solche Konzepte nur in städtischen Gebieten und in der Anbindung von Vororten tragfähig sind. In ländlichen Gebieten hingegen verhindern die geringe Passagierzahl und der damit verbundene niedrige Kostendeckungsgrad regelmäßige Fahrten und enge Taktungen.

Autonome Minibusse

Nach Ansicht von Verkehrsplanern biete insbesondere der suburbane Raum großes Potenzial für autonome Shuttle-Anbindungen, also etwa selbstfahrende Minibusse, wie sie zum Beispiel im niederbayerischen Bad Birnbach unterwegs sind. Auch in den Städten Hof, Rehau und Kronach laufen entsprechende Versuche. Den öffentlichen Personenverkehr nach den Stärken seiner unterschiedlichen Verkehrsmittel einzusetzen und um innovative Konzepte zu ergänzen, fordert als Ziel die IHK in ihrem Verkehrskonzept. Ohne Vorleistung der Aufgabenträger werde all das nicht gehen, aber auch nicht ohne Mut, wenn sich die Nachfrage nach einem Angebot nicht sofort einstellt.

Kreative neue Mobilitätskonzepte müssten deshalb in ihrer Entwicklung und Anlaufphase unterstützt werden. „Die Politik sollte den öffentlichen Verkehr in der Region bei vertretbaren Kosten deutlich attraktiver gestalten. Wo der Individualverkehr notwendig bleibt, sollten umweltschonende und intelligent miteinander vernetzte Angebote gemacht werden“, so IHK-Präsident Michael Matt.

Die digitale Vernetzung wird eine Schlüsselrolle bei der Mobilität von morgen spielen. Entscheidend dabei dürfte die Abdeckung mit mobilem Internet sein. Schon heute kann die Erfassung und Analyse von Verkehrsflüssen zu besseren Routenplanungen führen. Fahrgäste können sich etwa per Smartphone über die Auslastung von Bussen und Bahnen informieren, und im Zweifelsfall andere Routen wählen. Durch die elektronische Erfassung freier Parkplätze an Park & Ride-Anlage ließe sich Parksuchverkehr drastisch reduzieren. Die Bayerische Eisenbahngesellschaft plant eine App-Funktion, mit der Fahrgäste sich für einen Anschlusszug vormelden können. Und im Idealfall können sich Reisende in Zukunft über eine App eine komplette Reiseroute, quer über alle Verkehrsmittel, ausgeben lassen: Zu Fuß zur Baxi-Haltestelle, weiter mit dem Stadtbus zum Bahnhof, mit dem Zug an den Zielort, und dort weiter mit dem Leih-E-Bike zum Gastgeber. Selbst komplett autonom fahrende, induktiv geladene Elektro-Bussen, die sich modular verbinden und entkoppeln, sind keine Utopie mehr.

Nicht alles smart

Heißt das nun, dass wir künftig alle mit smarten, elektrischen Vehikeln unterwegs sind? Eher nicht. Auf dem Land, zum Beispiel auf dem Weg zur Nachtschicht, wird nach wie vor der Individualverkehr mit dem Auto eine große Rolle spielen, wenn auch mit alternativen Antrieben. Und für kurze Strecken innerorts tun es auch Fahrräder oder die eigenen Füße.

Die Politik sollte den öffentlichen Verkehr in der Region bei vertretbaren Kosten deutlich attraktiver gestalten. Wo der Individualverkehr notwendig bleibt, sollten umweltschonende und intelligent miteinander vernetzte Angebote gemacht werden.

IHK-Präsident Michael Matt.

Die letzte Fahrt des Baxi-Erfinders

Tirschenreuth

 

 

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