21.11.2019 - 12:22 Uhr
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Der Niedergang der Hopfenkultur

Kriege und Preiskampf, fehlende Exportmärkte und Pflanzenkrankheiten bringen das Aus für den Hopfenanbau in der nördlichen Oberpfalz. Die Hallertau entscheidet das Rennen für sich.

Im Hopfengarten in Illschwang wächst der Hopfen noch an Stangen.

Während Nordbayern im 19. Jahrhundert führend im Hopfenanbau und Nürnberg der größte Hopfenmarkt der Welt war, zeichnete sich mit der Jahrhundertwende - regional unterschiedlich - der Niedergang ab. Die Hallertau entwickelte sich nun zum größten Hopfenanbaugebiet der Welt.

Gründe gab es viele: größere Betriebseinheiten, mehr Kapital, höhere Bodenbonität, keine hemmenden Traditionen in der Darre, im Stangenbau, usw. Während in unserer Region noch bis nach dem Zweiten Weltkrieg die Stangenkultur betrieben wurde, hatte die Hallertau schon den weniger arbeits- und krankheitsanfälligen Drahthopfen.

Unterschiede im Erbrecht

Auch ein anderes Erbrecht war mit ausschlaggebend: In Franken erbten alle Nachkommen, das heißt, die Anbauflächen waren nicht mehr wirtschaftlich zu bearbeiten. In der Hallertau - wie auch in der Oberpfalz - erbte der älteste Sohn alles. In der Oberpfalz waren jedoch die Anbauflächen von Haus aus kleiner.

In der Hallertau gab es nur eine Hopfensorte, in Franken hatte jedes Gebiet seine eigene. Die Hallertauer bezahlten die Pflücker in Stücklohn, die Oberpfälzer und Franken in Zeitlohn, das heißt hier war das Pflücken doppelt so teuer.

In Franken führte die Industrialisierung zum Abzug der Arbeitskräfte vom Land, die Hallertau war nach wie vor bäuerlich strukturiert.

Es kam der Erste Weltkrieg und damit Zwangsbewirtschaftung der Brauindustrie, aus Hopfengärten entstanden Getreidefelder. Es fehlte an Arbeitskräften und die Exportmärkte brachen zusammen. Der Hopfenanbau wurde zugunsten von Getreide um 80 Prozent zurückgefahren. Nach dem Krieg kam die Wirtschaftskrise, das Geld fehlte. Trotz der stark zurückgegangenen Anbauflächen waren die Erlöse so schlecht, dass man sich zeitweise mit dem Gedanken trug, Hopfen als Viehfutter und Tabak-Ersatz zu verwenden.

Weltweit herrschte Überproduktion und das Ausland setzte unserer Region gewaltig zu. Der Schwerpunkt des Hopfenanbaus verlagerte sich von Franken in die Hallertau, was natürlich auch das Marktgeschehen beeinflusste. Kriegsbedingt fielen Exportmärkte aus, die Prohibition in den USA und die Folgen der Pilzkrankheit Peronospora führten zu gewaltigen Umsatzausfällen.

Mit Einführung der Rentenmark stieg der Bierausstoß. Mangels Kapital konnte der Anbau jedoch nicht mithalten. Hopfenkrankheiten kamen hinzu, etwa 100.000 Zentner mussten vernichtet werden.

Nationalsozialisten

Die Nationalsozialisten begannen mit Preisregulierung und Flächenkürzung. Ab 1934 durften zum Leidwesen der Bauern nur noch "Arier" den Hopfenhandel betreiben. Im letzten Kriegsjahr wollte man den Hopfenanbau ganz verbieten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden im (heutigen) Landkreis Amberg-Sulzbach noch ganze vier Hopfengärten bewirtschaftet, alle in der Gemeinde Deinsdorf (heute Weigendorf). Doch die Freude war nicht von langer Dauer: Auflagen der Regierung bezüglich Anschaffung von Gerät zur Unkrautbekämpfung und anderes führten zur baldigen Einstellung des Anbaus.

Heute erinnert noch ein vom Gartenverein in Illschwang in Stangenkultur betriebener Hopfengarten an einstiges Geschehen.

In der Hallertau wurde schon früh auf den weniger arbeits- und krankheitsanfälligen Draht-Hopfen umgestellt.

Hier geht es zu Teil 1 der Geschichte des Hopfenanbaus in der Oberpfalz:

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Hier geht es zu Teil 2 der Geschichte des Hopfenanbaus in der Oberpfalz:

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Hier geht es zu Teil 3 der Geschichte des Hopfenanbaus in der Oberpfalz:

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Hier geht es zu Teil 4 der Geschichte des Hopfenanbaus in der Oberpfalz:

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Hier geht es zu Teil 5 der Geschichte des Hopfenanbaus in der Oberpfalz:

Amberg

Hier geht es zu Teil 6 der Geschichte des Hopfenanbaus in der Oberpfalz:

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Hier geht es zu Teil 7 der Geschichte des Hopfenanbaus in der Oberpfalz:

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Hier geht es zu Teil 8 der Geschichte des Hopfenanbaus in der Oberpfalz:

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Hier geht es zu Teil 9 der Geschichte des Hopfenanbaus in der Oberpfalz:

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Hier geht es zu Teil 10 der Geschichte des Hopfenanbaus in der Oberpfalz:

Sulzbach-Rosenberg

Hier geht es zu Teil 12 der Geschichte des Hopfenanbaus in der Oberpfalz:

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